02:38 16 Dezember 2017
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    Raketenkomplex S-400

    S-400-Deal: Russland verweigert Türkei die Codes

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    Politik
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    Zusammen mit den S-400 wird die Türkei von Russland keine Kontrollcodes mitbekommen. Nach Erkenntnissen der Tageszeitung „Gazeta“ hat Moskau ein entsprechendes Begehren aus Ankara abgelehnt. Zudem werden die Türken die von ihnen seit Langem begehrten russischen Luftabwehr-Raketensysteme nicht selbständig warten dürfen.

    „Wir übergeben ihnen weder die elektronischen Codes noch andere Elektronik“, sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Quelle dem Blatt. „Laut dem Vertrag dürfen die Systeme nur von Russland gewartet werden. Sie (die Türken – Red.) dürfen diese Systeme nicht öffnen.“

    Die S-400 für die Türkei werden zwar mit russischen Freund-Feind-Erkennungs-Radarsystemen ausgestattet, doch die Türkei werde keinen Zugriff darauf erhalten.

    „Wir haben ihren den Zugriff verweigert“, so der Sprecher. Die türkische Seite habe nämlich darauf „beharrt“, dass Russland mit den S-400 alle Passwörter und Kontrollcodes mitliefere. „Wir haben das abgelehnt.“

    Klauseln, die den Zugriff auf militärische Technologie beschränken, seien bei Rüstungsexporten eher Norm, sagte Viktor Jessin, einst Stabscherf der Strategischen Raketentruppen Russlands und heute Militärexperte.

    Konkret im Fall S-400 sollen dadurch die wichtigsten Geheimnisse dieses Systems geschützt werden. „Wie S-400 funktioniert – davon werden die Türken keine Kenntnis bekommen“, so Jessin zu „Gazeta“. Er räumte jedoch ein, dass weniger relevante S-400-Geheimnisse trotzdem in die Hände der Nato gelangen würden.

    Die Türkei hatte bereits 2009 Kaufinteresse an den S-400 signalisiert. Zu einem Deal war es damals aber nicht gekommen. Ende 2015 schoss die Türkei einen russischen Bomber über Syrien ab und vergiftete damit die Beziehung zu Moskau für Monate. Die Normalisierung der Beziehungen, die im Juni 2016 begann, machte eine Wiederaufnahme der S-400-Verhandlungen möglich. In diesem September überwies die Türkei einen Vorschuss.

    Das S-400-System (Nato-Code SA-21 Growler) ist mit einer Reichweite von 400 Kilometern gegen alle Typen von Flugzeugen über Drohnen bis zu Marschflugkörpern wirksam und kann auch taktische Raketen abfangen. Selbst Tarnkappenflugzeuge (Stealth) haben dagegen keine Chance. Jedes System kann gleichzeitig 36 Ziele in bis zu 27 Kilometer Höhe mit insgesamt 72 Raketen beschießen. Das System ist mit vier Raketentypen kompatibel, die sich in Gewicht und Reichweite unterscheiden.

    Zum Thema:

    Technische Daten der S-400-Abwehrraketen
    Tags:
    S-400, Türkei, Russland