03:43 14 Juli 2020
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    Serbiens Beitritt zur EU wird alle Grenzprobleme auf dem Balkan lösen – die Beitrittsbefürworter in Belgrad und in Brüssel werden nicht müde, diese Formel zu predigen. Den Separatismus auf eigenem Boden kriegt die EU indes nicht in Griff, siehe Katalonien. Die Agentur Sputnik hat mit Experten über Serbiens Beitrittsaussichten gesprochen.

    Jugoslawien wäre niemals zerfallen, wäre es rechtzeitig in die große „europäische Familie“ eingegangen, lautet ein Standpunkt serbischer EU-Freunde. Doch klaffen die EU-Propaganda und die Wirklichkeit weit auseinander.

    „Ich würde sogar so weit gehen, das gar nicht als Propaganda, sondern schlicht als Lüge zu bezeichnen“, sagt der Politologe Dejan Mirovic, Professor an der Universität im kosovarischen Mitrovica. „Man macht das, um Länder wie Serbien dazu zu bringen, ihre Souveränität und ihre Ressourcen feilzubieten.“ Ein Beitritt zur EU und Demokratie seien zwei Paar Schuhe, „sie aber versuchen uns davon zu überzeugen, das sei Dasselbe.“

    Der Politologe Dragan Djukanovic von einer Belgrader Denkfabrik mahnt: Man dürfe das Verhältnis zwischen Brüssel und Belgrad nicht derart vereinfachen.

    „Die EU arbeitet daran, die Beziehungen auf dem Westbalkan zu normalisieren, aber Brüssel hat ja keine Vollmachten, sich direkt in die Situation einzumischen.“

    Der Völkerrechtsexperte Bojan Milisavljevic von der Belgrader Universität betont, durch den „Fall Katalonien“ rücke die Beitrittsperspektive Serbiens in weite Ferne, denn die EU werde sich jetzt mit ihren inneren Problemen befassen müssen. „Serbiens Beitritt zur EU wird verschoben. Brüssel wird erst vor der eigenen Haustür kehren müssen und sich dann erst um Erweiterungsfragen kümmern.“

    Dabei habe Serbien immer auch die Möglichkeit, das Volk in einem Referendum über den EU-Beitritt entscheiden zu lassen – wie etwa Norwegen dies bereits zwei Mal getan habe. Ob die EU jedoch einen Volksentscheid zulassen werde, sei eine offene Frage.

    Laut neuesten Umfragen des serbischen Ministeriums für Eurointegration ist der Großteil serbischer Bürger für einen EU-Beitritt: 49 Prozent der Befragten haben demnach angegeben, sie würden auf einem Referendum für den Beitritt stimmen. 27 Prozent würden sich dagegen aussprechen, 13 Prozent würden gar nicht abstimmen.

    Die größte Zustimmung zum EU-Beitritt wurde in Serbien Ende 2013 registriert: 51 Prozent. Mitte 2016 sank dieser Wert um zehn Prozentpunkte auf 41 Prozent.

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    Tags:
    Schwierigkeiten, Zustimmungsrate, EU-Beitritt, Integration, Separatismus, EU, Katalonien, Jugoslawien, Serbien