11:16 13 Dezember 2019
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    Migranten in Griechenland (Archivbild)

    Balkan darf kein Schutzschild für Nato und EU sein – rumänischer Premier

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    Politik
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    Der rumänische Premierminister sieht die Länder des Westbalkans als Schutzmauer für die EU in der Flüchtlingskrise. Brüssel würde dadurch jedenfalls gewinnen, aber gewinnen auch die Balkanländer? Dazu der Belgrader Politologe Dusan Prorokovic im Gespräch mit der Agentur „Sputnik“.

    „Wir – die vier Staaten des Westbalkans – könnten das Tor zur EU und auch die Mauer werden, die die EU beschützt“, sagte der rumänische Premierminister Mihai Tudose auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit den Staats- und Regierungschefs Serbiens, Bulgariens und Griechenlands.

    Nur: Kann Serbien so eine Beschützerrolle wirklich gebrauchen? Schließlich habe das Land so seine Erfahrungen gemacht mit der Rolle einer Schutzmauer vor den Überfällen aus dem Orient. Besonders mitreißend sei Rumäniens Idee daher nicht, sagt der Politologe Prorokovic vom Belgrader Zentrum für Strategiealternativen.

    Mit der Mauer, die die EU beschütze, meine der rumänische Premierminister vor allem den Schutz vor dem Flüchtlingszustrom, erklärt der Analyst. Doch müsse die Flüchtlingskrise auf anderen Wegen gelöst werden, statt eine Pufferzone einzurichten, mahnt er.

    „Die Schlüsselrolle beim Eindämmen der Migrationswelle spielt jetzt die Türkei. Und nach dem Deal zwischen Ankara und Berlin sehen wir, dass der Prozess tatsächlich in Gang gekommen ist. Zukünftig aber muss das Problem nicht nur durch Absprachen mit der Türkei gelöst werden, sondern auch durch die Stabilisierung Syriens, Libyens, Tunesiens und auch durch die Unterstützung Ägyptens und Algeriens“, sagt der Politologe.

    Wenn aber der rumänische Premier mit seinem Aufruf den Schutz vor einem türkischen oder russischen Einfluss gemeint habe, so werde Serbien mit so eine Aufgabe keinesfalls fertig, sagt Prorokovic.

    Die Türkei war und ist auf dem Balkan präsent – wegen der muslimischen Bevölkerung, wegen traditioneller Beziehungen und wegen des historischen Erbes“, erinnert der Analyst. „Und wenn es um Russland geht, so übernehmen dort Polen und die Ukraine die Rolle der Mauer.“

    Die Länder Westbalkans hätten zwar eine gemeinsame Grundlage für die EU-Integration – sie seien geografisch, historisch, religiös miteinander verbunden – nur müsse die Integration eine andere Substanz bekommen.

    „Wir müssen über die Annäherung der Außenpolitik sprechen, über die Festigung der wirtschaftlichen Beziehungen, über gemeinsame Infrastrukturprojekte. Eine Integration nur, um zum Schutzschild für die EU zu werden, kann dazu führen, dass wir einfach nur zu einem Instrument der Nato und der EU verkommen“, sagte der Experte.

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    Tags:
    Analyse, Mauer, Migranten, EU, Türkei, Griechenland, Bulgarien, Serbien, Rumänien