21:11 12 Dezember 2017
SNA Radio
    MdB Wolfgang Gehrcke bei Sputnik-Interview

    Viele Fehler und unerfreuliches Resultat – MdB Gehrcke zum Wahlausgang

    © Sputnik/ Nikolaj Jolkin
    Politik
    Zum Kurzlink
    233046

    Die Linkspartei hat nach den Worten des außenpolitischen Sprechers der Linksfraktion und Mitglieds im Auswärtigen Ausschuss des Deutschen Bundestages Wolfgang Gehrcke eine Menge Fehler während des Wahlkampfes gemacht und konnte deswegen nur wenig zulegen.

    In einem Interview mit Sputnik sagte Gehrcke:

    Die Wahlen haben über ein politisches Profil entschieden, das man haben muss. Das hätte ich für die Linken in drei Sätzen zusammenfassen können: soziale Gerechtigkeit, d.h., dass man Armut und Reichtum anders vorerst verteilen muss; wir sind die Abrüstungspartei, wir wollen nicht, dass das Geld in Militär verschwendet wird, so dass man das Militär zusammenstreicht; und wir sind für eine Nachbarschaft zu Russland.“

    MdB Wolfgang Gehrcke bei Sputnik-Interview
    © Sputnik/ Nikolaj Jolkin
    MdB Wolfgang Gehrcke bei Sputnik-Interview

    Das hätte ein Programm nicht von 120 Seiten, sondern von 10 Seiten sein können, so der Linken-Abgeordnete. „Und die Menschen würden das verstehen.“

    Keine eindeutige Position zu Krim und Migration

    Die Migrationsfrage sei eine sehr wichtige Frage in der Gesellschaft, gab Gehrcke zu. „Zu uns kommen viele Opfer der Schritte, die wir zuvor selber zu verantworten haben. Es waren deutsche Waffen, die nach Syrien geliefert worden sind. Auf beiden Seiten tauchen sie wieder auf.“

    Deutschland habe die ungleichen Besitzverhältnisse in der Welt nie ernsthaft kritisiert und verändert. „Es gibt wenige Reiche, die ihren Reichtum zu Lasten vieler Armer kultiviert haben. Wenn wir sie angegriffen hätten, wäre es auch nicht so schwer. Es ist auch nicht zu schwer zu sagen, wer politisch verfolgt wird, kriegt Asyl in Deutschland. Viele Deutsche sind vor dem Faschismus geflüchtet und haben auch Asyl erhalten. Es läge in unserer Geschichte, und das muss eine Linke verteidigen.“

    AfD muss man entzaubern

    Da noch eine Protestpartei AfD auch Stimmen der Linken geraubt habe, müsse man diese Partei ein Stück weit entzaubern, ist sich Gehrcke sicher.

    „Der geistige Kopf der Partei, Herr Gauland, hat formuliert, dass wir Respekt vor den deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg haben sollen. Und ich habe ihm immer gern wohl gesagt, vor Mörderbanden habe ich keinen Respekt. Manchmal ist Demut der richtige politische Schritt, um zu sagen, Deutschland war verantwortlich für diesen furchtbaren Krieg, und lassen Sie uns, Russland und Deutschland, alles tun, damit sich so etwas nicht wiederholt.“

    Und weiter: „Herr Gauland möchte aber gern, dass auch Russland die deutschen Soldaten toll findet, und sagt, auf dieser Grundlage finden auch wir Russland toll. Das kann nicht funktionieren. Viele Berlin-Besucher kommen in den Reichstag und sehen dort die Inschriften der russischen Soldaten. Diese Soldaten haben Europa befreit, und das werde ich einfach nicht vergessen.“

    Erster eventueller AfD-Antrag „Weg mit Sanktionen, Freundschaft mit Russland“?

    Sie werde es anders begründen, meint der Linken-Abgeordnete. „Ich habe meinen Kollegen gesagt, dass wir schnell die guten Anträge, die wir für eine bessere Russlandpolitik gestellt haben, etwas überarbeitet nach den Wahlen einreichen müssen. Ich möchte gern — das ist ein Wunschtraum, — dass Sozialdemokraten und wir zusammen einen Antrag einbringen oder darüber reden, dass ein anderes Verhältnis zu Russland möglich ist, und uns gleichzeitig von allen Undemokratischen distanzieren.“

    Rot-rot-grün – auch frommer Wunschtraum?

    Die Koalition wäre eigentlich möglich, wenn man sich auf ein Minimum an Gemeinsamkeit konzentrieren würde, bedauert Gehrcke. „Da müssen beide Parteien voneinander lernen. Ich war nicht hämisch über die großen Verluste der SPD, die ja auch gigantisch sind, und war nicht zufrieden mit dem Wenigen, was die Linkspartei gewonnen hat. Wenn sich beide Parteien zusammentun, und da kann jeder sein Profil wahren, und sagen, wir wollen, dass dieses Deutschland menschlicher, angenehmer für alle wird. Und dafür würde man zusammen eintreten, das wäre ein ganz vernünftiger Fortschritt.“

    Von den Grünen hält der Linken-Abgeordnete nicht viel. Sie seien ihm zu unernst in vielen Fragen. „Und ein grüner Außenminister, wie wir ihn unter Jamaika vielleicht bekommen, ist für mich mehr eine unsympathische Vorstellung, weil die grüne Politik keine Stabilität hat.“

    Nikolai Jolkin

    Das komplette Interview mit Wolfgang Gehrcke zum Nachhören:

    Zum Thema:

    „Feindschaft zu Russland ist nicht gefragt“ – MdB Gehrcke mit Buchpremiere
    „Herr Trump, so nicht!“ – MdB Gehrcke (Linke) fordert deutliche Absage an Trump
    Linke: Jamaika-Koalition wird keine vier Jahre halten
    Linke verurteilen Deutschlands Russland-Politik – Spitzenkandidat Bartsch
    Linke zu Bundestagswahl: Wagenknecht und Bartsch treten vor die Presse - VIDEO
    Tags:
    Sanktionen, Migration, Interview, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Die LINKE-Partei, Martin Schulz, Wolfgang Gehrcke, Russland, Deutschland
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren