11:21 17 August 2018
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    Riad, die Hauptstadt von Saudi-Arabien mit ihrer tollen Architektur und den modernen BautenÖlgewinnung in Saudi-Arabien

    Moskau-Riad Annäherung: Saudis wollen nicht mehr „Geldsack“ der USA sein – Experte

    © AFP 2018 / Hassan Ammar © AP Photo / Hasan Jamali
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    Die aktuelle Annäherung zwischen Saudi-Arabien und Russland ist ein neuartiger Vorgang in der Weltpolitik und könnte entscheidenden Einfluss auf den Nahost nehmen. Um Russlands Erstarken in der Region zu verhindern, werden die USA laut dem Professor der Mokauer Universität der Völkerfreundschaft Jurij Potschta versuchen, Riad unter Druck zu setzen.

    Washington zeigt sich sichtbar nervös über die Annäherung zwischen Moskau und Riad.

    Nach der Türkei könnte es bereits das zweite wichtige Land der Region sein, das sich kurzerhand an Moskau als der neuen wichtigen Macht in der Region annähert.

    Der saudische Außenminister Adel al-Dschubeir erklärte in diesem Zusammenhang, die Beziehungen zwischen seinem Land und Russland werden nicht von der Einstellung Washingtons zu Moskau abhängen.

    „Unsere Aufgabe ist es, die Beziehungen zu Russland auf allen Gebieten zu entwickeln. Die Sanktionen zwischen Russland und dem Westen betreffen nur Russland und den Westen“, erklärte al-Dschubeir.

    Gleichzeitig betonte der saudische Außenminister, er hoffe, dass der Konflikt um die Sanktionen dennoch eine Lösung finden werde.

    Ein ausgewogenes Verhältnis zu allen Weltmächten sei für sein Land dabei extrem wichtig.

    „Unsere Beziehungen zu den USA befinden sich auf dem Niveau einer strategischen Partnerschaft, aber wir wollen auch eine Verbesserung der Beziehungen zu Russland“, betonte al-Dschubeir.

    Gute Beziehungen zu Russland und den USA, aber auch zu China wären eine Wohltat nicht nur für sein Land, sondern auch für den Nahen Osten sowie die ganze Welt, so der Politiker weiter.

    Errungenschaft der russischen Diplomatie

    Eine Verbesserung der Beziehungen zu Saudi-Arabien könnte die politische Lage im Nahen Osten erheblich verändern.

    Dennoch, wie der Professor der Russischen Universität der Völkerfreundschaft (RUDN) Jurij Potschta dem russischen Nachrichtenportal „Ekonomika segodnja“ erklärt, sei Saudi-Arabien für Russland ein extrem schwieriger Partner.

    Dies hänge auch mit den engen Finanz- und Militärbeziehungen zwischen den Saudis und den Vereinigten Staaten zusammen. So würde Riad auf der einen Seite große Geldsummen in die Banken und Anleihemärkte der USA pumpen, auf der anderen Seite würde sich nach Meinung einiger Riad-kritischer arabischer Experten das gesamte saudische Regime nur durch amerikanische Waffen am Leben halten.

    „Riad unterhält gute Beziehungen zu Washington auch, weil es jährlich Unmengen an Geldsummen für den Kauf amerikanischer Waffen ausgibt – einsetzen kann es die aber kaum irgendwo“, so Potschta weiter.

    In diesem Kontext sei der Besuch des saudischen Königs ins Moskau ein großer Erfolg der russischen Diplomatie, der auch aufzeige, wie wichtig Russlands Rolle im Nahen Osten geworden sei.

    Der Iran, die Türkei und nun auch Saudi-Arabien – die wichtigsten Staaten der Region würden Russlands Einfluss in der Region akzeptieren – „der Prozess ist eindeutig“.

    Was konkrete gemeinsame Projekte angehe, sei eine Kooperation in der Ölproduktion möglich. So könnte Russland beispielsweise Ölförderanlagen in dem Land errichten.

    „Was die Verkäufe unserer Waffen angeht, so sehen wir, wie schlagartig die USA sich entschieden haben, auf einmal ihre Raketenabwehrsysteme an Saudi-Arabien zu verkaufen, das gar nicht vor hatte, solche zu kaufen“, so der Professor weiter.

    Dies sei eindeutig eine direkte Reaktion auf den S-400-Deal zwischen Moskau und Riad, über den im Zuge der Königsvisite in Moskau berichtet worden sei.

    Auf jeden Fall seien die Schritte zwischen Moskau und Riad „der Beginn eines wichtigen Prozesses“.

    Kehrtwende der USA

    Die langjährigen Beziehungen zwischen Riad und Washington würden zudem heute eine schwierige Phase durchleben.

    Gerade die Wahl von Trump zum US-Präsidenten habe die Saudis extrem beunruhigt.

    „Im Gegensatz zu Obama ist Saudi-Arabien für Trump keine Heilige Kuh. Die Saudis verstehen zunehmend, dass man sie eher als einen Geldsack wahrnimmt – und zwar einen, mit dem man rabiat umgehen kann“, betont der Politologe.

    Zudem spiele auch das neue US-Gesetz eine Rolle, welches es den Verwandten der Toten vom 11/9 erlaubt, gegen Saudi-Arabien zu klagen. Sollte tatsächlich eine Anklageflut kommen, werde Saudi-Arabien sie kaum überstehen können.

    Genau für diese Situation könnte Riad versuchen, bessere Beziehungen mit Russland zu erreichen, um sich abzusichern.

    Dennoch, wie weit Washington den Saudis freie Handlungsmöglichkeiten in den Russland-Beziehungen offen lasse, sei sehr fraglich, so der Experte abschließend.

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    Tags:
    Waffenhandel, Geopolitik, Adel al-Dschubair, Donald Trump, Naher Osten, Saudi-Arabien, USA, Russland
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