16:35 13 November 2018
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    Kohle, Donetsk (Archivbild)

    Donbass-Kohle: Polen will Lieferungen „aus technischen Gründen“ nicht blockieren

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    Politik
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    Polen kann die Einfuhr von Kohle aus dem Donbass aus technischen Gründen nicht blockieren und ist sich gleichzeitig nicht zur Gänze sicher, ob es überhaupt einen Kohle-Import aus diesem Gebiet gibt. Dies erklärte der polnische Energieminister Krzysztof Tchórzewski in einem Interview mit der Zeitung „Dziennik Gazeta Prawna“ am Montag.

    Zuvor hieß es, dass auf nur teilweise legalem Wege elf Tonnen Anthrazit aus der selbsterklärten Volksrepublik Lugansk nach Polen geliefert worden seien. Laut der Zeitung soll die Kohle von dem Unternehmen Doncoaltrade eingeführt worden sein, das seit 2012 in der polnischen Stadt Katowice registriert sei. Sein Vorsitzender und Hauptaktionär soll angeblich der ehemalige Vizeminister für Energiewirtschaft der Volksrepublik Lugansk Alexander Melnitschuk sein. Zudem soll Tchórzewski eingestanden haben, dass Kohle aus dem von Kiew abtrünnigen Gebiet nach Polen geliefert worden sei. Der ukrainische Energieminister Igor Nasalik erklärte seinerseits, dass die Situation „äußerst unangenehm“ sei.

    „Ehrlich gesagt weiß ich nicht, wie diese Einfuhren technisch zu blockieren wären“, so Tchórzewski. „Vielleicht sind das alles ja nur Gerüchte?“

    Er betonte erneut, dass die Rede von einem sehr kleinen Lieferumfang sei. „Wir achten nicht auf solche kleinen Umfänge. Bei uns in Polen wird der Kohlenmarkt in Millionen Tonnen gerechnet. Ich kann als Minister für Energiewirtschaft sagen: Dies sind keine Umfänge, die auf irgendeine Weise den Kohlenmarkt beeinflussen können“, ergänzte er.

    Tchórzewski zufolge hat Polen beim Kohleimport aus dem Donbass keine Regeln verletzt. Für diejenigen, die ihr Geschäft mit dieser Kohle machen, spiele ein „schneller Verdienst“ eine Rolle. Dennoch sei das Embargo dadurch nicht verletzt worden, betonte er.

    Darüber hinaus wies der polnische Minister die Aussagen seines ukrainischen Kollegen darüber zurück, dass er Lieferungen von Kohle aus dem Donbass angeblich zu blockieren versprochen habe. „Er konnte keine derartigen Versprechungen bekommen haben, weil er dieses Thema nicht angesprochen hat“, schloss Tchórzewski.

    Die ukrainischen Behörden haben wegen des Konfliktes im Donbass den Zugang zu einem Großteil der Kohlegruben verloren. Auf dem von Kiew nicht kontrollierten Territorium befinden sich ertragreiche Gruben, wo der für die Ukraine so nötige Anthrazit gewonnen wird. Die Bergwerke, die unter der Kontrolle der ukrainischen Behörden geblieben sind, gewinnen unwirtschaftliche Gaskohle, weshalb Kiew Kohle einführen muss.

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    Tags:
    Kohlenmarkt, Energie, Einfuhr, Lieferungen, Ministerium für Energie der Volksrepublik Lugansk, Ministerium für Energie Polens, Doncoaltrade, Dziennik Gazeta Prawna, Alexander Melnitschuk, Igor Nasalik, Krzysztof Tchórzewski, Katowice, Lugansk, Kiew, Ukraine, Polen, Donbass