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00:37 20 Oktober 2019
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    US-Botschaft in Ankara, Türkei

    Streit mit der Türkei eskaliert – Ist wieder Putin schuld?

    © AFP 2019 / Adem Altan
    Politik
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    Die Festnahme eines Mitarbeiters des US-Konsulates in Ankara am Sonntag sowie die Kooperation der Türkei mit Russland sorgt im Westen für Unmut. Nun beschuldigt Erdogan den Westen erneut, terroristische Organisationen wie IS, Al-Qaida und die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zu unterstützen. Dies wird von Experten kontrovers diskutiert.

    Das müsse man vor dem Hintergrund sehen, dass Menschen, die den Putsch gegen Erdogan unterstützt hätten, im Westen, insbesondere leider in Deutschland, Schutz in Form von Asyl bekämen, bemängelt der Generalsekretär der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD), Bülent Bilgi. Die Kritik sei berechtigt:

    „Unter Partnern macht man so etwas nicht. Wenn Erdogan sagt, dass auch der IS und Al-Qaida vom Westen unterstützt werden, denke ich, dass er was Zählbares in der Hand hat.“

    Der Vorwurf, der Westen unterstütze Terroristen, sei absolut an den Haaren herbei gezogen, findet hingegen Cahit Basar, Generalsekretär der Kurdischen Gemeinde Deutschland (KGD e. V). Derzeit seien die kurdischen Verbündeten der USA dabei, Rakka, die Hauptstadt des so genannten Islamischen Staates zu erobern, betont der Türkei-Experte: „Das sind enorme Erfolge, die die kurdischen Streitkräfte dort mit der Hilfe des Westens  verbuchen können. Und das stört natürlich die Türkei“, ist sich Basar sicher.

    Kooperation mit Russland im Westen unerwünscht

    Nach der Festnahme eines US-Konsulatsmitarbeiters durch die türkischen Behörden habe die US-Botschaft in der Türkei die Vergabe von Visa ausgesetzt, die nicht Einwanderungsbegehren betreffen, berichtete die Zeitung „Hürriyet Daily News“. Die türkische Botschaft in Washington reagierte ähnlich. Der Experte der Kurdischen Gemeinde sieht einen anderen Hintergrund und bemerkt, dass dieser Schritt der USA „als eine weitere Verschärfung“ wegen prorussischer Aktionen der Türkei und der Kooperation mit der russischen Föderation und dem Iran zu bewerten sei:

    „Die Türkei hat in den letzten Monaten und auch seit etwa über einem Jahr deutlich gemacht, dass es zum Westen auch eine Alternative gibt, und zwar die Hinorientierung zur muslimischen Welt verstärken — Hinorientierung zur muslimischen Welt als Führungsmacht, als führender Staat.“

    Das zeige auch Erdogans Aufruf an die gesamte muslimische Welt, die Verfolgung der Muslime in Myanmar entsprechend zu ahnden, erläutert Basar in einem Sputnik-Interview: „Auf der anderen Seite hat die Türkei durch die freundschaftlichen Beziehungen zu Russland der NATO deutlich gemacht: Wir haben auch andere Möglichkeiten, uns mit Waffensystemen, mit Bündnispartnern, Absatzgebieten und strategischen Vereinbarungen als nur Europa und dem Westen zu zuwenden.“ Das habe natürlich vor allem die USA enorm gestört, meint der Experte.

    Syrien-Konflikt: Schlüssel zur Lösung

    Die Politologin Gülistan Gürbey, vom Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin, hat den Eindruck, die derzeitigen Visa-Einschränkungen seien nur ein Druckmittel in ganz anderer Angelegenheit, sagt Gürbey im Gespräch mit Sputnik:

    „Der entscheidende Faktor sind tatsächlich die Differenzen in Bezug auf die Syrienpolitik. Die Türkei besteht darauf, dass die enge Zusammenarbeit der USA mit der kurdischen Miliz PYD beendet wird. Solange das so läuft, wird es keine Annäherung geben.“

    Allerdings hätten weder Washington noch Ankara ein echtes Interesse an einer weiteren Verschlechterung der Beziehungen oder gar einem Abbruch, ist Gürbey überzeugt.

    „Kooperation und keine Alternative zum Westen“

    Russlands Präsident Wladimir Putin (R) und sein Kollege aus der Türkei Recep Tayyip Erdogan (Archivbild)
    © Sputnik / Michail Klementjew
    Der Generalsekretär der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD), einer AKP-nahen Organisation in Deutschland, Bülent Bilgi, verteidigt die türkische Regierung und sieht in der Kooperation "keine Alternative zu den westlichen Beziehungen, sondern nur eine weitere Kooperation." Bilgi vermutet, „dass man mit dem Schritt der Türkei, zusammen mit der irakischen Zentralregierung und dem Iran gemeinsame Interessen durchsetzen möchte. „Für den Westen oder die USA sei es nur eine strategische Frage, bei der es sich um das nicht legitime Unabhängigkeitsreferendum handelt,  während es bei der Türkei, dem Irak und dem Iran eine existenzielle Geschichte sei“, so Bilgi.

    Das komplette Interview mit Cahit Basar zum Nachhören:

    Das komplette Interview mit Bülent Bilgi zum Nachhören:

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    Tags:
    Internationale Beziehungen, Diplomaten, Streit, Verhaftung, Krise, Türkei, USA