09:53 17 Oktober 2017
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    Doris Schröder-Köpf und Wladimir Putin (Archivbild)

    „Mit Putin haben wir die ganze Nacht durchgequatscht“ - Schröder-Köpf EXKLUSIV

    © Sputnik/ Sergej Zhukow
    Politik
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    Die SPD-Politikerin Doris Schröder-Köpf kämpft gerade im Wahlkreis Hannover-Döhren in Niedersachsen um das Direktmandat. Mit Sputnik sprach sie über ihre persönlichen Beziehungen nach St. Petersburg, Begegnungen mit Wladimir Putin, die Russland-Politik und Fehler der Kanzlerin.

    Frau Schröder-Köpf, im August lag die SPD in Niedersachsen bei Umfragen abgeschlagen hinter der CDU. Jetzt, kurz vor Wahl, hat sich das Blatt gewendet. Nun liegt die SPD erstmals knapp vorne. Wie erklären Sie sich das?

    Wir haben uns auch durch das Tief nach der Bundestagswahl nicht irritieren lassen. Wir können auf eine gute Regierungsarbeit verweisen und sind stolz auf das, was wir geleistet haben. Zudem haben wir mit Stephan Weil einen außerordentlich beliebten Spitzenkandidaten und Ministerpräsidenten. Seine Werte übertreffen die der Partei noch um Längen und auch die des Spitzenkandidaten der CDU.

    Sie selber stehen bei der SPD in Niedersachsen auf Listenplatz 14. In Ihrem eigenen Wahlkreis in Hannover-Döhren haben Sie 2013 gegen den CDU-Kandidaten ziemlich deutlich verloren. Was macht Sie zuversichtlich, dass Sie das Blatt diesmal wenden werden?

    Die Situation ist etwas anders als im Jahr 2013: Inzwischen bin ich eine etablierte Abgeordnete, viele Menschen, die mich vorher nur in meiner Rolle als Ehefrau von Gerhard Schröder kannten, haben mich inzwischen als eigenständige Politikerin kennengelernt. Ich hoffe, dass ich dieses Mal den Wahlkreis direkt gewinnen kann.

    Sie sind seit April 2013 Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe. Wie haben Sie die Flüchtlingskrise 2015 erlebt?

    Schon zu Beginn des Jahres 2015 kamen vermehrt Flüchtlinge aus Italien nach Niedersachsen. Als die Kanzlerin im Herbst 2015 die Grenzen faktisch für die Flüchtlinge geöffnet hatte, war das für uns eine gigantische Herausforderung. Innerhalb kürzester Zeit haben wir die Zahl der Schlafplätze von 1.700 auf fast 50.000 hochgefahren. Jetzt stehen die viel größeren Herausforderungen an: Die Kinder müssen die Schulen erfolgreich bewältigen und die Älteren müssen in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt integriert werden. Das ist eine Langstreckenaufgabe, die sehr hart werden wird. 

    Gutes Stichwort: Nach langem Hin und Her haben sich CDU und CSU jetzt auf eine Art „Obergrenze“ geeinigt. Was sagen Sie zu dieser Einigung?

    Ja, das ist natürlich eine völlig absurde Geschichte. Das Grundrecht auf Asyl, das steht bei uns im Grundgesetz und ist nicht verhandelbar. Eine Zwei-Drittel-Mehrheit für eine Änderung wird es in der derzeitigen politischen Lage nicht geben. Zudem haben wir Verträge nach der Genfer Flüchtlingskommission, die wir einhalten müssen. Was ich verstehe, ist, dass viele Menschen sich sorgen machen, dass wir die Integration von so vielen Neuankömmlingen nicht mehr schaffen. Aber so eine Zahl zu nennen – das ist abenteuerlich!

    • Bundeskanzler Gerhard Schröder und Kanzlergattin Doris Schröder-Köpf im Moskauer Flughafen Wnukowo (Archivbild)
      Bundeskanzler Gerhard Schröder und Kanzlergattin Doris Schröder-Köpf im Moskauer Flughafen Wnukowo (Archivbild)
      © AP Photo/ German Federal Press Office BPA/ Pool/ Julia Fassbender
    • Wladimir Putin, Doris Schröder-Köpf und Gerhard Schröder im legendären Bernsteinzimmer, nach dessen Neueröffnung (Archivbild)
      Wladimir Putin, Doris Schröder-Köpf und Gerhard Schröder im legendären Bernsteinzimmer, nach dessen Neueröffnung (Archivbild)
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    • Wladimir Putin, Doris Schröder-Köpf und Gerhard Schröder (Archivbild)
      Wladimir Putin, Doris Schröder-Köpf und Gerhard Schröder (Archivbild)
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    Bundeskanzler Gerhard Schröder und Kanzlergattin Doris Schröder-Köpf im Moskauer Flughafen Wnukowo (Archivbild)

    Was CDU und CSU betreiben, ist Augenwischerei. Mich wundert nicht, dass viele Leute in Bayern oder Sachsen, wo die Obergrenzen ein großes Thema waren, gesagt haben: ‚Dem Braten trauen wir nicht und wählen gleich die noch Radikaleren.‘

    Kommen wir zu Russland: Warum ist das Verhältnis zwischen Deutschland und Russland so wichtig?

    Da gibt es bei mir eine politische Argumentation und eine private. Sie wissen vielleicht, dass zwei meiner drei Kinder in St. Petersburg geboren wurden – Dascha, die 16 Jahre alt ist, und Gregor, genannt Grischa, der jetzt 12 ist. Es ist klar, dass ich eine besondere Beziehung zur Herkunftsstadt meiner Kinder pflege, die ich als eine der schönsten der Welt empfinde.

    Doris Schröder-Köpf
    © AP Photo/ Vladimir Rodionov, Presidential Press Service
    Darüber hinaus gibt es auch eine politische Seite. Ich habe mich sehr geehrt und berührt gefühlt, dass ich zusammen mit Gerhard Schröder auf Einladung des russischen Präsidenten Putin an den Feierlichkeiten zu 60 Jahren Kriegsende in Moskau teilnehmen durfte. Das wir als Deutsche, die in der Vergangenheit so viel Leid und Tod über Russland gebracht haben, an diesem Jahrestag in einer Reihe sitzen durften mit denen, die den Krieg beendet und gewonnen haben, das hat mich zutiefst berührt. Wir durften deutsche Veteranen mitbringen und die sind mit russischen Veteranen zusammengetroffen. Ich weiß nicht, ob Sie sich das vorstellen können, was es bedeutet, diese große Geste der Versöhnung mitzuerleben. Ich werde, solange ich politisch wirken kann, dafür kämpfen, dass diese Zeichen des guten Willens und der Versöhnung nicht vergessen werden.

    Es ist eine ganz große Sehnsucht nach Freundschaft da. Die spüre ich in Russland, die spüre ich aber auch in Deutschland. Ich fühle mich absolut verpflichtet, mich für die Aussöhnung einzusetzen und dass das politische Vermächtnis von Gerhard Schröder gewahrt bleibt.

    Wladimir Putin ist am Wochenende 65 Jahre alt geworden. Wie haben Sie ihn bei ihren Begegnungen erlebt?

    Als wir uns das erste Mal länger und etwas privater getroffen haben, haben wir die ganze Nacht durchgequatscht und uns über innen- und außenpolitische Themen unterhalten. Er ist ein sehr differenzierter, ein sehr kluger Mann, der durchaus auch Kritik einstecken kann. Diese Nacht, diese Gespräche sind eine  sehr schöne Erinnerung.

    Warum geht es ihrer Meinung nach bergab in den Beziehungen zwischen Russland und Deutschland?

    Ich glaube, dass nach dem Abschied von Gerhard Schröder die starken Fäden, die geknüpft worden waren, nicht wieder aufgenommen wurden. Wenn man irgendwann mal mit einem historischen Blick auf die Arbeit von Angela Merkel schauen wird, dass das als einer der ganz großen Fehler erkannt werden wird. Es lag sozusagen eine Straße im Sonnenschein vor ihr, die sie nur hätte betreten müssen. Es gab ganz viele Zeichen von Kooperationswillen. Sie ist darauf einfach nicht eingegangen – vielleicht aus einer gewissen verklärten, romantischen Haltung gegenüber den Vereinigten Staaten.

    Man kann aber beides tun. Auf der einen Seite die historische Leistung der Vereinigten Staaten würdigen, aber auch ein unzerstörbares Band zu Russland knüpfen. Russland gehört zu Europa. Wir sind große Nachbarvölker, die einfach in Verbindung stehen sollten.

    Was glauben Sie, kann man Russland durch Sanktionen generell zum Einlenken bewegen?

    Hier sollten beide Seiten guten Willen zeigen. Man muss davon ausgehen, dass die Krim nicht wieder zurückgegeben wird. Da wird man mit einem gewissen Status Quo leben müssen. Ich wünsche mir, dass wir irgendwann wieder zu einer so guten Zusammenarbeit zurückkommen.

    Gerhard Schröder hat den Job als Aufsichtsratschef bei Rosneft übernommen. Hierzulande war der mediale Aufschrei groß. Warum?

    Weil er ein unheimlich prominenter und immer noch sehr beliebter Bundeskanzler ist. Seine Motivlage ist, glaube ich, dass er ein unzerstörbares Band zwischen Deutschland und Russland knüpfen will. Er hat es als Bundesskanzler politisch gemacht und als Privatmann setzt er es fort, mit den Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen.

    Interview: Matthias Witte

    Das komplette Interview mit Doris Schröder-Köpf finden Sie hier:

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    Bundeskanzler, Frau, Interview, Bundeskanzleramt, SPD, Rosneft, Doris Schröder-Köpf, Gerhard Schröder, Wladimir Putin, Deutschland
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