06:16 29 Oktober 2020
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    Die atomare Abrüstung wird durch Spannungen zwischen Russland und den USA gefährdet, aber auch durch weitere Risikofaktoren weltweit. Darauf wurde bei einem Expertenforum in Paris hingewiesen, wie die russische Onlinezeitung gazeta.ru berichtet.

    In Paris ist die 10. Konferenz des "International Luxembourg Forum on Preventing Nuclear Catastrophe" zu Ende gegangen. Der Präsident dieser internationalen Nichtregierungsorganisation, Wjatscheslaw Kantor, sagte im Hinblick auf die Differenzen zwischen Moskau und Washington: „Es nehmen Spannungen zu wegen der gegenseitigen Vorwürfe bezüglich der Umsetzung des Vertrags über nukleare Mittelstreckensysteme (INF). Das gemeinsame Programm zur Entsorgung von überflüssigem Plutonium wurde auf Eis gelegt, die gemeinsame Arbeit von Atomforschern eingestellt.“

    Roald Sagdejew, einst Direktor des sowjetischen Instituts für Weltraumforschung und nun Professor der University of Maryland, kommentierte für das Portal gazeta.ru: „In den USA überwiegt derzeit der Standpunkt, wonach man mit den Russen überhaupt keine Gespräche führen sollte. Dies bestimmt das Verhalten von US-Kongressabgeordneten. Selbst während der schweren Jahre des Kalten Kriegs bestand ein Dialog, den es heute praktisch nicht mehr gibt … Falls nun der bilaterale Dialog über eine New-START-Verlängerung oder über die INF-Umsetzung scheitert, wird dies natürlich der potenziellen Teilnahme anderer Länder am Verhandlungsprozess zur Aufrechterhaltung der nuklearen Stabilität schaden.“

    Nach Ansicht des früheren US-Verteidigungsministers William Perry hatten eben die USA als Erste den Weg eingeschlagen, der zur gegenwärtigen Eiszeit mit Russland geführt hat. Er sagte gegenüber gazeta.ru: „Zunächst wurden Maßnahmen zur Nato-Erweiterung getroffen, Raketenabwehrsysteme in Osteuropa aufgestellt. Danach, als die USA Farbrevolutionen – beispielsweise in der Ukraine – unterstützten, entstand in Russland die Angst, dass eine solche Unterstützung auch für eine potenzielle Farbrevolution in Russland geleistet werden könnte.“

    Aber auch Russland ist laut Perry mit schuld an der Eiszeit, und zwar wegen seines Vorgehens auf der Krim und wegen seiner „Drohungen an die baltischen Länder“. Nach Auffassung des ehemaligen Pentagon-Chefs haben all diese Aktivitäten der Regierungen in Washington und Moskau dazu geführt, dass sich die Beziehungen nun wieder auf dem Niveau des einstigen Kalten Kriegs befinden.

    Test einer ballistischen Rakete der US-Armee
    © AP Photo / U.S. Air Force/2nd Lt. William Collette
    Allerdings gebe es inzwischen weltweit Faktoren, die während des Kalten Kriegs gefehlt hätten. Erstens bestehe derzeit die Gefahr der Entstehung eines nuklearen Terrorismus, falls radikale Gruppen in den Besitz von Atomwaffen gelangen. Zweitens sei ein neuer Konflikt zwischen Indien und Pakistan potenziell nicht auszuschließen, wobei sich die beiden Länder bereit zeigen könnten, Atomwaffen gezielt einzusetzen. Drittens lasse Nordkoreas Vorgehen darauf schließen, dass die Regierung in Pjöngjang, falls sie sich bedroht fühlt, bereit sein wird, Japan oder Südkorea anzugreifen, so Perry.

    Auch Kantor zeigte sich besorgt über die Situation weltweit: „In der Rhetorik der Militärs, die mit den höchsten politischen Kreisen in einigen Ländern verbunden sind, ist von der Möglichkeit die Rede, Konzepte eines begrenzten strategischen Atomkriegs zu entwerfen.“ Wegen zahlreicher gegenseitiger Vorwürfe „könnte die Welt unabsichtlich zur Gefahr eines Atomkriegs abrutschen“, wie Kantor vor Journalisten sagte.

    Was das russisch-amerikanische Verhältnis betrifft, sieht Kantor neben negativen auch positive Faktoren. Er äußerte, es gebe „sichere Informationen“, wonach Konsultationen über eine Verlängerung des 2021 auslaufenden New-START-Abrüstungspakts um weitere zehn Jahre begonnen hätten.

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    Tags:
    Einsatz, Gefahr, Abrüstung, Atomwaffen, INF-Vertrag, Pentagon, Start, William Perry, Nordkorea, Indien, Pakistan, Russland, USA