11:43 18 Dezember 2017
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    Granit angeknabbert: Geflügelte Worte russischer Politiker

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    Manche Äußerungen sowjetischer und gegenwärtiger russischer Politiker sind (bewusst oder unabsichtlich) so bildhaft, dass daraus stehende Redewendungen resultierten. Die Zeitung „Kommersant“ listet in ihrer Onlineausgabe einige Beispiele auf. Drei davon werden hier von der Sputnik-Redaktion kommentiert.

    Leo Trotzki
    © Sputnik/
    Leo Trotzki

    „An Granit der Wissenschaft knabbern“

    Der „Kommersant“ beginnt mit einem Zitat, dessen erste Verlautbarung sich jetzt gerade zum 95. Mal jährt. Im Oktober 1922 forderte der damalige sowjetische Militärchef Leo Trotzki junge Menschen auf, am „Granit der Wissenschaft zu knabbern“. Dies wurde schnell zu einem geflügelten Wort.

    Anmerkung der Sputnik-Redaktion: Von seiner Bedeutung her ist der Spruch etwa mit dem deutschen Idiom „Bücher wälzen“ vergleichbar und ist heutzutage im Russischen tatsächlich sehr gebräuchlich – meistens in einem leicht ironischen Sinne. Berühmt ist übrigens auch Wladimir Lenins Zitat zum Thema: „Lernen, lernen und nochmals lernen!“

    der sowjetische Parteichef Nikita Chruschtschow in UN (Archivbild)
    © AP Photo/
    der sowjetische Parteichef Nikita Chruschtschow in UN (Archivbild)

    „Wir werden Euch die Mutter von Kusma zeigen!“

    Im Juni 1959 besuchte der sowjetische Parteichef Nikita Chruschtschow auf Einladung von US-Vizepräsident Richard Nixon eine amerikanische Ausstellung in Moskau. Unter anderem sagte er: „Uns stehen Mittel zur Verfügung, die für Euch folgenschwer sein werden. Wir werden Euch die Mutter von Kusma zeigen!“

    Anm. der Sputnik-Red.: Der Spruch ist schwer zu übersetzen, seine Herkunft nicht ganz klar. Damit wird eine Drohung zum Ausdruck gebracht – eher scherzhaft als im Ernst (zumindest in der gegenwärtigen russischen Sprache). Viktor Suchodrew, ein Dolmetscher von Chruschtschow, erläutert in seinen Memoiren, der Parteichef habe damals gemeint, dass die Sowjetunion die USA wirtschaftlich abhängen wolle. Später wiederholte Chruschtschow den Spruch in den Vereinigten Staaten. Das Zitat wurde auch wortwörtlich übersetzt und irritierte die Amerikaner. Mancher vermutete sogar, dass mit „Kusmas Mutter“ die neue sowjetische Fusionswaffe gemeint ist.

    Russlands Ministerpräsident Viktor Tschernomyrdin (Archivbild)
    © Sputnik/ Witalij Saweljew
    Russlands Ministerpräsident Viktor Tschernomyrdin (Archivbild)

    „Hier ist nicht da!“

    Viktor Tschernomyrdin war einst Russlands Ministerpräsident – und für seine skurrilen und markanten Sprüche berühmt. Diesmal zitiert der „Kommersant“ ihn mit den Worten: „Hier ist nicht da!“

    Anm. der Sputnik-Red.: Was damit gemeint wurde, ist und bleibt ein Rätsel, doch im gegenwärtigen Russischen wird diese Redewendung häufig gebraucht, um auf besondere, ungewöhnliche oder schwierige Verhältnisse hinzuweisen.

    Einige weitere Zitate von Tschernomyrdin bietet etwa die Onlinezeitung vesti.ru: „Mein Leben ist in der Atmosphäre von Öl und Gas verlaufen“, „Ich werde nicht viel reden, sonst sage ich wieder etwas“, „Wir versuchen bisher, jene zu melken, die ohnehin liegen“, „Es gibt noch Zeit, um das Gesicht zu bewahren. Dann müssen andere Körperteile bewahrt werden.“

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    Tags:
    Zitate, Politiker, Geschichte, UN, Richard Nixon, Nikita Chruschtschow, UdSSR, Russland
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