13:30 18 Dezember 2017
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    Ausstellung der chinesischen Leistungen, Peking (Archivbild)

    Peking füllt von USA hinterlassenes Vakuum in internationalen Organisationen aus

    © AP Photo/ Mark Schiefelbein
    Politik
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    Amerika geht, bleibt Machtvakuum? Wenn überhaupt, dann nicht lange: Peking füllt die Lücke, die Washington in internationalen Organisationen hinterlässt, aus. Denn das Reich der Mitte fährt eine Friedensoffensive, wie das Magazin „Expert“ berichtet.

    Den chinesischen Diplomaten Qian Tang kennt heute kaum jemand. Bald aber könnte sein Name auch außerhalb von Fachkreisen ein Begriff werden. Der 66-jährige Chinese ist heute ein Berater des Unesco-Generaldirektors, könnte aber bald die Leitung dieser UN-Organisation mit Stammsitz in Paris übernehmen. Dies wäre ein weiteres Beispiel dafür, wie China seine diplomatischen Muskeln spielen lässt.

    Seit Längerem schlägt Peking seine Diplomaten und Spitzenbeamten für leitende Positionen in internationalen Organisationen vor: Das Reich der Mitte setzt zunehmend auf Softpower und hat dabei offenbar freie Bahn – in einer Zeit, in der ein Donald Trump die internationalen Vereinbarungen seines Vorgängers Obama zerfleischt.

    China hingegen „möchte seine internationalen Verpflichtungen erfüllen und seinen Beitrag zur Stärkung des Friedens und der Entwicklung auf globaler Ebene leisten“, sagte denn auch der chinesische Diplomat Tang im Interview mit dem renommierten Fachblatt „Foreign Policy“. Und er betonte: „Nach unserem Dafürhalten ist die Unesco da eine gute Plattform.“

    Dass die Chinesen ihren Worten auch unverzüglich Taten folgen lassen, haben sie schon gezeigt: Nachdem die Vereinigten Staaten in 2011 aufgehört hatten, ihren Beitrag für die Unesco-Mitgliedschaft zu zahlen, sprang Peking in die Bresche und stellte der Organisation Millionen von Dollar bereit.

    Das einzige Feld, wo China seine Softpower auslebt, ist die Unesco bei Weitem nicht. In den letzten Jahren haben die Chinesen auch bei Interpol, in der UN-Organisation für industrielle Entwicklung und in der Weltbank hohe Posten übernommen, um nur einige zu nennen. Und bei den Friedenstruppen der Vereinten Nationen stellt Peking ein größeres Kontingent als alle anderen ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates zusammen.

    Aus Selbstlosigkeit und um des Friedens willen allein fährt Peking diese Politik nun auch wieder nicht, wie das Blatt schreibt. Chinas Engagement dient sicherlich auch dazu, die Kritik an der Menschenrechtssituation im Land zumindest zu dämpfen.

    Welche Rolle da der Unesco zukommt, wird schnell ersichtlich aus Pekings langgehegten Absichten, das World Wide Web zu kontrollieren – oder wie Qian Tang es formuliert: Die Unesco könne eine Plattform werden, um ein Gleichgewicht zu finden „zwischen Meinungsfreiheit und der Notwendigkeit, gegen den Missbrauch des Internets durch Extremisten vorzugehen“.

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    Tags:
    Diplomatie, Offensive, Macht, UN, UNESCO, USA, China
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