16:47 12 Dezember 2017
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    Raketenattacke bei Übungen der US-Marineninfanterie

    US-Raketenschild, Prompt Global Strike und Russland: „Die Gefahr nimmt zu, falls…“

    © Foto: U.S. Marine Corps/ Lance Cpl. Andy Martinez
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    Der gegenwärtige US-Raketenschild wäre für russische Raketen nicht unüberwindlich, schätzen Experten ein. Könnte seine Fortentwicklung trotzdem die strategische Stabilität beeinflussen? Was passiert, wenn er mit dem US-Projekt Prompt Global Strike kombiniert wird?

    Das Konzept Prompt Global Strike (PGS) soll den USA künftig ermöglichen, jede Region der Erde bei Bedarf binnen einer Stunde mit konventionellen High-Tech-Präzisionswaffen zu erreichen. Der russische Militärexperte Ilja Kramnik schreibt in einem analytischen Beitrag für die Zeitung „Iswestija“, ein solches Projekt sei in der Lage, die strategische Stabilität zu untergraben und die US-Führung eventuell im Fall eines Konflikts mit einer Atommacht zur Anwendung von Gewalt zu provozieren.

    „Die Gefahr nimmt zu, falls die Möglichkeiten im Sinne des PGS-Projekts in Kombination mit der Raketenabwehr und der traditionellen nuklearen Triade von der US-Führung überschätzt werden – besonders bei einer gleichzeitigen Unterschätzung der Möglichkeiten von Rivalen der USA in der internationalen Arena“, warnt Kramnik.

    Die Effizienz der gegenwärtigen US-Raketenabwehr schätzen russische Experten allerdings eher skeptisch ein. Alexander Lusan, einst Vizechef der russischen Heeres-Luftabwehrtruppen, sagte der Onlinezeitung vz.ru, US-Abfangraketen seien zwar in Polen und Rumänien aufgestellt worden, also nahe der russischen Grenze, dieser Vorteil sei aber fraglich.

    Lusan argumentierte, die Startpositionen russischer bodengestützter Langstreckenraketen befänden sich tief im russischen Kernland und von der Staatsgrenze weit entfernt. Dabei sei Russland bei Bedarf fähig, seine Raketen innerhalb von wenigen Sekunden startklar zu machen: „Zu dem Zeitpunkt, wenn unsere ballistische Interkontinentalrakete bereits 70 Kilometer zurückgelegt und ihre Geschwindigkeit gesteigert hat, wird eine US-Abfangrakete erst abheben.“

    Der russische Militärexperte Konstantin Siwkow sagte, die gegenwärtige US-Raketenabwehr sei auf strategischer Ebene fähig, Angriffe mit einzelnen ballistischen Raketen abzuwehren. Gegen einen massiven Raketenschlag sei die jedoch machtlos.

    Aitetsch Bizhew, einst Vizechef der russischen Luftwaffe, erläuterte:

    „Unsere strategischen Atomkräfte sind in der Lage, die US-Raketenabwehr zu überwinden. Falls die Zahl der US-Abfangraketen zunimmt, wird die Wahrscheinlichkeit, diesen Schild zu überwinden, zurückgehen.“

    Alexander Jemeljanow, Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, hatte kürzlich vor Journalisten prognostiziert, die US-Raketenabwehr werde zum Jahr 2022 über mehr als 1.000 Abfangraketen verfügen. Künftig werde deren Zahl sogar die Menge einsatzbereiter Wiedereintrittskörper für russische Interkontinentalraketen übertreffen. Dies gefährde das russische Abschreckungs-Potenzial – insbesondere im Hinblick auf die ständige Modernisierung der US-Raketenabwehr, warnte Jemeljanow nach Angaben von vz.ru.

    Laut Bizhew wäre ein Raketen-Wettrüsten jedoch immens aufwendig: „Wir hatten das in der Sowjetzeit erlebt. Die US-Rüstungsindustrie kann es sich leisten, das Arsenal aufzustocken. Das ist aber eine sehr kostspielige Maßnahme – sie wäre selbst für die Amerikaner teuer.“

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    Tags:
    Luftabwehr, Abfang, Nuklearwaffen, Experte, Atomkrieg, Gefahr, Prompt Global Strike, Verteidigungsministerium Russlands, USA, Russland
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