21:10 24 Februar 2020
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    Als „Wunderkind“, „Überflieger“ und sogar als „Messias“ feiern die Medien Sebastian Kurz, den künftigen jüngsten Kanzler Österreichs. Wegen seiner politischen Umorientierung wird er auch als „Wendehals“ und „Macron der Rechten“ bezeichnet. Viele Medien sorgen sich, ob der Newcomer das Europa unter Merkel und Macron aus dem Gleichgewicht bringt.

    Als er im Alter von 27 Jahren ins Amt des Außenministers kam, musste Kurz sich Bezeichnungen gefallen lassen wie „Selbstdarsteller“, „Showstar“ und „Schnösel“. Mit 31 hat er dafür gesorgt, dass die Stimmen für seine Partei, die ÖVP, in ungekannte Höhen schießen und er dadurch höchstwahrscheinlich der nächste österreichische Kanzler wird – der jüngste in der Geschichte des Landes.

    Eins vorab: Er wird immer noch als Schnösel bezeichnet und zwar zum Beispiel als „smarter Schnösel“, so auf „Trend.at“. Aber die Überschrift des Artikels lautet „Dompteur der Hoffnung“. Und so hat sich das Kurz-Bild aus dem eines unerfahrenen Anfängers zu einem geschickten Spieler auf dem Feld der Politik gewandelt, der weiß, Versprechen zu machen, authentisch zu wirken und die Wähler zu gewinnen.

    Sein Geschick hat ihm zum Beispiel bei der „Washington Post“ den Namen „Wunderkind der österreichischen Politik“ eingebracht. In den österreichischen Medien wird da lieber vertraulich vom „Wunderwuzzi“ geschrieben – auf gut Deutsch eine Art Tausendsassa. Die „Süddeutsche Zeitung“ bezeichnet ihn als „Überflieger“, aber auch als „flüchtlingspolitischen Hardliner“. Denn Kurz‘ Stimme war die lauteste, wenn es um die Schließung der Balkanroute ging – und hatte Erfolg. Weil er also das frische Image eines jungen Neulings hat, zugleich sich aber an rechten Inhalten orientiert, hat ihm die Madrider Zeitung „ABC“ den Namen „Macron der Rechten“ verliehen.

    Aus solchen Gründen bildet Kurz für etliche Medien eine Art Gegenpol zur deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und zum französischen Präsidenten Emmanuel Macron, die sich für ein offenes Europa aussprechen. So vermuten der „Münchner Merkur“ und „Der Tagesspiegel“ aus Berlin, dass es Merkel bei dem Kurs von Kurz trotz der Unterstützung von Macron schwer haben wird. Der österreichische Wahlsieger gehört zu den großen Kritikern der deutschen Flüchtlingspolitik. Auch der US-Sender CNN sieht im „Wunderkind“ ein Gegengewicht zu Macron und zum kanadischen Premierminister Justin Trudeau, der auch eine offene Flüchtlingspolitik verfolgt. Und der britische „Guardian“ sieht in Kurz‘ Politik ein „tollkühnes Glücksspiel“ (audacious gamble) und spielt damit auf den unklaren Ausgang für Europa an.

    Die Londoner „Times“ spricht von einer „neuen Ära“ und vermutet, der ÖVP-Wahlsieger sei bereit, mit der FPÖ eine Regierung zu bilden. Sie gibt zu bedenken, dass Letztere von ehemaligen Nazis ins Leben gerufen worden sei. Und die französische „Le Monde“ prophezeit in dem Zusammenhang „schwere Verhandlungen“ und konstatiert, Österreich habe „sein Schicksal“ einem jungen Mann in die Hände gegeben – Sebastian Kurz eben.

    Valentin Raskatov

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    Tags:
    Politiker, Geschichte, Image, Medien, Parlamentswahl, Freiheitspartei Österreichs (FPÖ), ÖVP, Sebastian Kurz, Österreich