22:58 22 November 2017
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    Muslimen während Ramadan, Deutschland (Archivbild)

    Ramadan wird das neue Pfingsten? Deutschland reagiert gespalten

    © AFP 2017/ John MACDOUGALL
    Politik
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    Auf mehrheitliche Ablehnung trifft die Idee von Innenminister Thomas de Maizière (CDU) für einen islamischen Feiertag in der Bundesrepublik. Rund 70 Prozent der Deutschen wollen das nicht, so eine aktuelle Umfrage. Politiker und Verbandsvertreter lehnen den Vorschlag ab, während der Minister zurückrudert.

    „Ich würde mich zu den 70 Prozent zählen und das ebenfalls ablehnen“, sagte Jaklin Chatschadorian, ehemaliges CDU-Mitglied und Rechtsanwältin aus Köln, gegenüber Sputnik. „70 Prozent lehnen es ab und bedeutende Teile der Politik befürworten das. Das zeigt für mich, dass die Kluft zwischen Bevölkerung und Politik gewachsen ist.“ Die Politik bewege sich in „einer Filterblase. Die Politik sieht offensichtlich nur den friedlichen Islam.“ Das Problem des terroristischen Islamismus werde dagegen ignoriert.

    Zuvor hatte der Bundesinnenminister einen islamischen Feiertag für Deutschland zur Debatte gestellt. „Ich bin bereit, darüber zu reden, ob wir auch mal einen muslimischen Feiertag einführen“, sagte de Maizière kürzlich auf einer Veranstaltung in Wolfenbüttel. Kurz darauf ergab eine Umfrage des Erfurter Sozialforschungsinstitutes INSA, dass 70 Prozent der Deutschen einen solchen Feiertag ablehnen.

    „Falsche Erwartungshaltung“

    „Man denkt in Deutschland generell, und das gilt auch für große Teile der CDU, dass man Entgegenkommen erhält, wenn man die Hand (den Muslimen) ausstreckt“, so Ex-CDU-Politikerin Chatschadorian weiter. Sie bezweifle das stark und halte es nicht für integrationsfördernd.

    „Wir würden mit einem islamischen Feiertag eine in erheblichem Maße verfassungswidrige Religion staatlich feiern und fördern. Was genau würden wir denn feiern? Normalerweise sind muslimische Feiertage immer mit bestimmten Siegesschlachten verbunden und haben eine ganz andere Botschaft als wir es von christlichen oder jüdischen Feiertagen kennen.“

    Der Islam gehöre für sie nicht zu Deutschland.

    „Ich denke, man sollte über diese Frage zumindest nachdenken“, erklärte Safter Çinar, Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland, auf Sputnik-Anfrage. „Unabhängig von der Frage, ob der Islam nun zu Deutschland gehört oder nicht, könnte man darüber nachdenken, spezielle Lösungen anzubieten. Beispielsweise, ob Schüler und Bedienstete im öffentlichen Dienst mit muslimischen Hintergrund, an dem besagten islamischen Feiertag zu Hause bleiben.“ Das ist nach seinen Angaben in Berlin bis 1990 so gemacht worden. Ein bundesweit einheitlicher Muslim-Feiertag sei ohnehin nicht möglich. „Das ist Ländersache“, so der türkische Verbandssprecher.

    De Maizière rudert zurück

    So sieht es auch Christoph Bergner, Noch-CDU-Bundestagsabgeordneter aus Halle (Saale). „Zunächst einmal würde ich gern dafür wirken, dass mein ehemaliger Chef und Innenminister de Maizière nicht falsch gedeutet wird“, so der frühere Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesinnenministerium im Interview. Er habe den Innenminister so verstanden, dass „wir in Deutschland eine christlich-jüdisch geprägte Leitkultur haben.“ Der Minister wolle nun das muslimische Anliegen berücksichtigen und „eine Minderheitenlösung finden, so wie es auch regionale katholische Feiertage in evangelischen Gegenden in Deutschland gibt.“ Der Vorschlag sei nicht mehrheitsfähig, er sehe keinen Anlass, „sich jetzt für die Einführung eines solchen Feiertages einzusetzen.“

    Bezugnehmend auf die INSA-Umfrage sagte Bergner: „Ich verstehe, dass die große Mehrheit der Bevölkerung sagt: Wir wollen das nicht.“ Wenn er gefragt worden wäre, hätte der CDU-Politiker ebenso gesagt: „Ich will das nicht.“ Sonja Kock, Pressesprecherin des Bundesministerium des Innern, sagte auf Sputnik-Anfrage: „Herr Minister de Maizière hat klargestellt, dass unsere Feiertage christlich geprägt sind und dass das aus seiner Sicht auch so bleiben soll.“

    Alexander Boos

    Das komplette Interview mit Jaklin Chatschadorian zum Nachhören:

    Das komplette Interview mit MdB Dr. Christoph Bergner zum Nachhören:

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    Tags:
    Interviews, Feiertag, Kultur, Islam, CDU, Thomas de Maizière, Deutschland
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