21:19 24 November 2017
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    Kernwaffen-Planung und nukleare Abschreckung: Russischer General erklärt, wie es geht

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    Russland und die USA setzen auf unterschiedliche Komponenten ihrer nuklearen Triaden, sagt Generaloberst a.D. Viktor Jessin, Ex-Stabschef der russischen strategischen Raketentruppen, in einem Interview mit der Zeitung „Iswestija“. Er erläutert, wie die Planung in Sachen Kernwaffen erfolgt und ob ein neuer Abrüstungspakt zu erwarten wäre.

    „Das nukleare Potenzial Russlands und der Vereinigten Staaten ist deutlich größer als das der anderen Mitglieder der ‚nuklearen Neun‘. Deshalb hängt die strategische Stabilität wesentlich davon ab, wie adäquat die Potenziale Russlands und der USA für eine beiderseitige nukleare Abschreckung sind“, so Jessin.

    Die nukleare Abschreckung funktioniere generell nun unter Ländern mit einem adäquaten Potenzial. Etwa im Fall Nordkorea könne von keiner funktionierenden Abschreckung gegenüber den USA die Rede sein, hieß es.

    Eine absolute Parität sei für eine Abschreckung allerdings nicht unbedingt nötig. Chinas Abschreckung gegenüber den USA sei zwar nicht vollwertig, aber doch minimal hinreichend und funktionsfähig, erläuterte Jessin.

    Er verglich die Struktur des russischen und des US-Atomarsenals: „Geschichtlich war es so, dass jeder auf jene Komponente setzte, die ihm am meisten Vorteile bringen konnte. Die Amerikaner hatten einen ungehinderten Zugang zu zwei Ozeanen und entwickelten ihre seegestützten Trägersysteme. Die Aufmarsch-Möglichkeiten der strategischen nuklearen Marinekräfte der Sowjetunion waren begrenzt – der angenommene Gegner war in der Nähe und es fiel ziemlich schwer, den Atom-U-Booten im Weltmeer sicher Deckung zu geben. Deshalb setzte die Sowjetunion auf die landgestützte Komponente. Diese Struktur besteht nach wie vor und bleibt auch künftig.“

    Seine Planung in Sachen Kernwaffen gestalte Russland im Hinblick auf die prognostizierten Kapazitäten der USA. Es komme etwa darauf an, ob die USA neue Systeme aufbauen werden, die einen „devalvierenden“ Einfluss auf die russischen Atomkräfte ausüben könnten. Bei solchen Systemen gehe es etwa um einen globalen Raketenschild, um konventionelle Präzisionswaffen großer Reichweite im Rahmen des Projekts Prompt Global Strike oder um eine eventuelle Stationierung von Angriffswaffen im Weltraum, hieß es weiter.

    „All dies wird in komplizierten Szenarien berücksichtigt, die von Forschungsanstalten des russischen Verteidigungsministeriums ausgearbeitet werden. Daraus resultieren Empfehlungen zum notwendigen Stand des nuklearen Potenzials“, so Jessin.

    Er bestätigte, die Indienststellung der neuen russischen Interkontinentalrakete Sarmat sei eine beschlossene Sache, die Entwicklung laufe weiter: „Zwar gibt es eine gewisse Verzögerung im Vergleich zu den ursprünglichen Plänen, doch so etwas ereignet sich oft, wenn die von der Rüstungsindustrie zum Auftakt angegeben Termine und Preise im Laufe der Arbeit geändert werden. Das ist ein allgemeines und nicht nur russisches Problem.“

    Nach Ansicht von Jessin steht es in den Sternen, ob der aktuelle russisch-amerikanische New-START-Abrüstungspakt verlängert wird: „Die gegenwärtige US-Administration ist offensichtlich unselbständig, Trump ist vom Kongress an Händen und Füßen gefesselt (…) Falls eine neue und verantwortungsvollere Administration 2020 in den USA kommt, könnte sie den geltenden Vertrag verlängern. Einen neuen Vertrag vorzubereiten und zu schließen, wird sie aber zeitlich nicht schaffen. Falls eine gegenüber Russland härtere US-Administration an die Macht kommt, wird es erst recht keinen neuen Vertrag geben.“

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    Tags:
    Entwicklung, Abrüstung, Abschreckung, Nuklearwaffen, INF-Vertrag, Start-3-Vertrag, Viktor Jessin, Russland, USA
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