20:39 25 September 2020
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    Ballistische Raketen, Mehrfachraketensysteme, Artilleriewaffen, Granatwerfer, Maschinenpistolen und jede Menge Munition – trotz der internationalen Sanktionen und endlosen „nuklearen“ Skandale ist und bleibt Nordkorea laut Experten einer der größten Waffenhersteller und -exporteure der Welt.

    Wegen der gegen Pjöngjang verhängten internationalen Restriktionen ist der Waffenmarkt in den Schatten getreten – aber keineswegs zusammengebrochen. Günstige Preise, einfache Konstruktionen und Zuverlässigkeit sind die beste Werbung für die Waffen, die in Nordkorea hergestellt werden und die nicht nur bei Staaten, sondern auch bei Nichtregierungsorganisationen wie Hamas oder Hisbollah durchaus populär sind. Wen Nordkorea aufrüstet und welche „Hilfe“ es dabei von den USA bekommt – darüber lesen Sie in diesem Beitrag.

    Schattenmarkt

    Neben Kohle und Meeresfrüchten sind diverse Waffen eine der wichtigsten Finanzquellen des nordkoreanischen Haushalts. Zwar ist der Waffenexport Pjöngjang offiziell verboten, aber illegale Exportwege gibt es nach wie vor, zumal die nordkoreanischen Waffen in den Ländern der so genannten „Dritten Welt“ sehr gefragt sind, vor allem in den Ländern, gegen die ebenfalls internationale Sanktionen gelten und die keine Möglichkeiten für den legalen Waffenimport haben.

    Angesichts dessen stellen Experten fest, dass die USA de facto mit den eigenen Händen die Liste der potenziellen „Kunden“ des Kim-Regimes länger machen, indem sie diese oder jene Staaten zu „Parias“ abstempeln und Sanktionen gegen sie verhängen. Das gilt auch für Pjöngjang selbst: Mit dem Verlust legaler Einnahmequellen (unlängst wurde ihm beispielsweise der Kohleexport nach China untersagt) wird es auf  dem „Schwarzmarkt“ (unter anderem auf dem Waffenmarkt) nur noch intensiver handeln. 

    „Nachdem die Sanktionen verhängt wurden, ist es sehr schwierig, die Waffenlieferungen zu verfolgen“, sagte der russische Militärexperte, Spezialist für Nordkorea und den Iran, Juri Ljamin. „Nordkorea hat nie aufgehört, mit Waffen zu handeln, musste aber lernen, alles, was mit diesem Prozess verbunden ist, gut zu tarnen. Natürlich schweigen auch ihre Käufer.“

    „De facto also prägen die Amerikaner ungewollt den Waffenmarkt für Nordkorea, der durch nichts begrenzt ist“, ergänzte der Experte.

    Zwar wird der inoffizielle Waffenexport Pjöngjangs auf mehr als 100 Millionen Dollar pro  Jahr geschätzt, aber seinen wahren Umfang kennt wohl niemand, denn alle Deals zwischen Nordkorea und seinen „Partnern“ werden streng vertraulich abgewickelt.

    „2017 wurden gegen die DVRK strenge Restriktionen eingeführt, die unter anderem für den Verkauf von Rohstoffen und für den Einsatz der nordkoreanischen Arbeitskräfte im Ausland gelten. Das wird unvermeidlich schwere Folgen für ihren Export haben und könnte den illegalen Waffenhandel anspornen. Die Nordkoreaner werden versuchen, mit allen möglichen Mitteln Geld zu verdienen“, so Experte Ljamin gegenüber Sputnik.

    „Für Nordkoreas Kunden sind die niedrigen Preise, die akzeptable Zuverlässigkeit und die praktisch unbegrenzte Menge der nordkoreanischen Waffen attraktiv“, sagte seinerseits der Vizeleiter des russischen Zentrums für Strategien- und Technologienanalysen, Konstantin Makijenko. „Dieses Land verkauft fast alles, was es herstellt – von Maschinenpistolen bis hin zu Mehrfachraketensystemen. Die meisten von diesen Waffensystemen sind Kopien der sowjetischen ‚Kalaschnikow‘-Maschinenpistolen oder auch Kopien von chinesischen Kopien der sowjetischen Waffen.“

    Nordkorea produziert sehr viele Infanteriewaffen, darunter Mehrfachraketensysteme und Artilleriewaffen, Anti-Panzer-Raketenkomplexe, Maschinenpistolen, Granatwerfer und Munition für all diese Waffen. Bekannt ist beispielsweise, dass Syrien bei den Nordkoreanern Geschosse für ihre 130-Millimeter-Artilleriewaffen kaufte.

    Extra erwähnenswert sind die Raketentechnologien, dank denen Pjöngjang eine einmalige Position auf dem Rüstungsmarkt eingenommen hat. In den 1980er-Jahren konnten nordkoreanische Spezialisten selbstständig den sowjetischen operativ-taktischen Komplex R-17 „Elbrus“ mit der ballistischen Rakete 8K14 (Nato-Code SCUD) nachahmen. Die Prototype hatten sie bei Ägypten gekauft. Die „geklonten“ Raketen wurden sehr schnell verkauft.

    Kim Jon-un bei Raketentest (Archivbild)
    © AP Photo / KRT
    Kim Jon-un bei Raketentest (Archivbild)

    Nordkoreas SCUD-Raketen kauften solche Länder wie der Iran, Syrien und Jemen. Die Reichweite der ersten Exemplare lag bei höchstens 300 Kilometern, aber später wurde sie auf 600 Kilometer erhöht. Am Ende wurde sogar die Mittelstreckenrakete „Rodong“  entwickelt, die 1300 Kilometer weit fliegen konnte. Diese Raketen konnten mit herkömmlichen, atomaren und chemischen Sprengköpfen ausgestattet werden.

    Während des iranisch-irakischen Kriegs in den 1980er-Jahren trafen mehr als 90 Prozent der vom Iran abgefeuerten nordkoreanischen Raketen die Ziele. Der Anteil der Versagen war minimal, was von einer ziemlich hohen Qualität dieser Raketen zeugt. Später kopierte der Iran die nordkoreanische SCUD-Rakete, die den Namen Shahab-3 bekam. Inzwischen hat Teheran mit Pjöngjangs Hilfe die Produktion in der Islamischen Republik begonnen und muss nicht mehr die Raketen kaufen. Die Kooperation beschränkt sich auf den technologischen Bereich.

    Diese Situation ist deshalb interessant, weil große Produzenten von Raketenkomplexen wegen internationaler Abkommen Systeme mit einer Reichweite von mehr als 300 Kilometern nicht verkaufen können. Für Pjöngjang aber gelten solche Abkommen nicht, und es hat sich für viele Länder de facto als Monopolist in diesem Bereich etabliert.

    Raketen- und Artilleriekomplexe vermutlich nordkoreanischer Produktion wurden zum Beispiel öfter auf Kriegsschiffen Myanmars gesehen. Offiziell ist über den Waffenhandel zwischen beiden Ländern nichts bekannt, aber äußerlich unterscheiden sich diese Waffen gar nicht von den Waffen auf nordkoreanischen Kriegsbooten.

    Die Billigkeit der nordkoreanischen Waffen ist auf den riesigen Umfang ihrer Produktion für die DVRK-Armee zurückzuführen. De facto ist Nordkorea jederzeit bereit, in den Krieg zu ziehen. Außerdem hat es keine Probleme mit Ressourcen: Das Land hat große Erz- und Kohlevorkommen sowie viele Seltenerdmetalle, die für die Produktion der Elektronik nötig sind. Größtenteils deswegen wurde auch die Entwicklung des nordkoreanischen Atomprogramms möglich – auf die Uranvorkommen im Norden der Halbinsel Korea könnte wohl jedes Land neidisch werden.

    Von Ägypten bis Myanmar

    Was die Geografie des nordkoreanischen Waffenhandels angeht, so sind vor allem jene Länder Pjöngjangs „Kunden“, mit denen es leichter ist, Vereinbarungen ohne Vermittler zu treffen. Seine traditionellen Partner sind der Iran, Syrien, Kuba, Libyen, Jemen, Ägypten, Uganda, Kongo usw. Außerdem verkauften die Nordkoreaner ihre Waffen auch nichtstaatlichen militanten Organisationen wie Hamas oder Hisbollah.

    „Nordkorea braucht dringend Geld. Und was kann es der Welt bieten – außer der Kohle für China und der billigen Arbeitskraft? Nur Waffen“, sagte Experte Makijenko gegenüber RIA Novosti. „Ihre Käufer sind Länder der ‚Dritten WeltÄ, so genannte ‚Paria-Staaten‘, die unter US-Sanktionen leiden und in der Wirtschaftsblockade bleiben. Noch sind das oft nichtstaatliche bewaffnete Formationen – bewaffnete Oppositionskräfte, private Armeen usw.“

    Waffen werden hauptsächlich per See befördert – Flugzeuge haben in dieser Hinsicht einen großen Mangel, denn manchmal sind Zwischenlandungen in Drittländern nötig, wobei sie durchsucht werden können, womit große Risiken verbunden sind. Mit Schiffen ist es leichter, besonders wenn sie unter der nordkoreanischen Flagge verkehren.

    „Ein Schiff unter nordkoreanischer Flagge in neutralen Gewässern zu stoppen, ist keine leichte Aufgabe, denn ein solcher Versuch könnte zu schlimmen Folgen führen, denn die Nordkoreaner verteidigen ihre Souveränität sehr hart“, so Experte Ljamin. „Falls es unterwegs aus der DVRK in ein anderes Land geschieht, könnte sein Aufhalten zwecks Frachtkontrolle als eine aggressive Aktion gegen Nordkorea bewertet werden – mit entsprechenden Folgen.“

    Trotz aller möglichen Vorsichtsmaßnahmen gab es auch Zwischenfälle um das Abfangen nordkoreanischer Schiffe. In den 2000er-Jahren brach ein großer internationaler Skandal aus, als im Indischen Ozean ein großes Frachtschiff mit Marschflugkörpern für Jemen gestoppt wurde. Ein Waffenexportverbot für die DVRK gab es damals noch nicht, und deshalb verlangte der Auftraggeber, das Schiff wieder freizugeben, und bekam die Lieferung tatsächlich. Und einmal wurde ein nordkoreanisches Schiff mit Granatwerfern und Munition an Bord, das auf dem Weg nach Ägypten war, im Roten Meer aufgehalten.

    Manchmal greift Pjöngjang auf die Hilfe von „zuverlässigen“ Vermittlern zurück, denn im Nahen Osten und in Südostasien hat es ziemlich viele Geschäftsvertreter.

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    Tags:
    ballistische Rakete, Raketenprogramm, Export, Scud-Systeme, Myanmar, Ägypten, USA, Iran, Nordkorea