00:04 21 November 2017
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    Bundeskanzlerin Angela Merkel

    „Sie hat sich degeneriert“ – CDU-Mann rechnet mit Kanzlerin und eigener Partei ab

    © AP Photo/ Markus Schreiber
    Politik
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    Noch ist nach der Wahlschlappe der Union keine Koalition beschlossen worden, doch ist in der CDU harsche Kritik aus den eigenen Reihen zu hören, wie „Die Bild am Sonntag“ unter Berufung auf einen Rundbrief an alle Kreisverbandsmitglieder des Parlamentarischen Geschäftsführers der Berliner CDU-Fraktion, Sven Rissmann, berichtet.

    In diesem Schreiben bezeichnet er das CDU-Wahlergebnis bei der Bundestagswahl als „desaströs” und spricht von einem „vollkommen verfehlten Wahlkampfansatz”.

    „Seit einigen Jahren hat sich die CDU dahingehend degeneriert, der Bundeskanzlerin bedingungslos zu applaudieren“, zitiert die „Bild“ den CDU-Mann. Es zeige sich, „dass die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin endgültig abgewählt wurde“.

    Laut der „Bild am Sonntag“ seien auch weitere junge CDU-Politiker kritisch eingestellt. So habe auch der 26-jährige Diego Faßnacht, Kreisvorsitzender der Jungen Union Rheinisch-Bergischer Kreis, Wahlkreis des langjährigen Abgeordneten Wolfgang Bosbach, auf Facebook Unmut gegen Merkel geäußert und ihr „Arroganz und Ignoranz“ vorgeworfen. Gerade die Kanzlerin sei schuld daran,  dass die CDU in Sachsen hinter die AfD rutschte, so Faßnacht.

    Der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich
    © AFP 2017/ DPA/ Sebastian Kahnert

    In einem Gespräch mit dem Blatt äußerte der Thüringer Landeschef Mike Mohring (45): „Die CDU muss jüngeren Leuten mehr Verantwortung geben, auch im Kabinett und in der Fraktionsspitze.” Er warnte jedoch davor, die Kanzlerin „infrage zu stellen“.

    Dem stimmt auch der neue Ministerpräsident aus Schleswig-Holstein, Daniel Günther (44), gegenüber dem „Focus” zu: Obwohl die Menschen ein Interesse hätten, dass Angela Merkel das Land auch weitere vier Jahre erfolgreich führe, bräuchte man sichtbare Perspektiven und einen Plan für die Kanzler-Nachfolge.

    Laut der „Bild” sind Günther und Mohring mit dem Merkel-kritischen Staatssekretär Jens Spahn (37) verbunden. Spahn gilt dabei als einer der möglichen Nachfolger der Kanzlerin. 

    Die Bundestagswahl, in deren Ergebnis eine neue Regierung in Deutschland gebildet wird, fand am 24. September statt. Die Union und Bundeskanzlerin Angela Merkel gewannen die Wahl trotz deutlicher Verluste, die AfD jubelte als drittstärkste Kraft. Die SPD kam landesweit auf 20,5 Prozent. Hinter der AfD liegen die FDP mit 10,7 Prozent, die „Die Linke“ mit 9,2 Prozent und Bündnis 90/Die Grünen mit 8,9 Prozent. Derzeit wird über eine so genannte Jamaika-Koalition verhandelt.

    Tags:
    CDU/CSU, CDU, Sven Rissmann, Angela Merkel, Deutschland
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