20:54 15 Dezember 2017
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    US-Raketenabwehrsystemen THAAD

    Pentagon soll verbotene Dual-Use-Raketensysteme nutzen – US-Experten nennen „Gründe“

    © REUTERS/ U.S. Department of Defense, Missile Defense Agency/Handout
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    Experten vom amerikanischen Militär-Think-Tank „Center for Strategic and Budgetary Assessments“ (CSBA) haben dem Pentagon vorgeschlagen, sogenannte Dual-Use-Raketensysteme, die auch Atomsprengköpfe transportieren können, in Europa zur „Eindämmung“ Russlands einzusetzen. Moskau betrachtet dies jedoch als einen groben Verstoß gegen die INF-Verträge.

    Als Dual-Use-Raketensysteme werden in der Regel Startvorrichtungen bezeichnet, von denen sowohl Abfangraketen als auch nuklear bestückbare Angriffsraketen gestartet werden können.

    Im ersten Fall wird das System zur Raketen- und Luftverteidigung eingesetzt, im zweiten potentiell für einen Offensivschlag.

    Die Umstellung solch eines Dual-Use-Systems vom Defensiv- zum Offensiv-„Modus“ kann teilweise innerhalb kürzester Zeit erfolgen, weshalb die Stationierung dieser Waffen auch zu angeblichen Defensivzwecken immer äußerst misstrauisch beobachtet wird.

    Gerade diese nuklear bestückbaren Raketensysteme wollen die USA nun in Polen aufstellen, um die russischen Raketen in Kaliningrad zu „neutralisieren“.

    Nach Angaben der CSBA-Experten wird dieser Schritt dabei helfen, den russischen taktischen Raketensystemen „Iskander“ im Gebiet Kaliningrad zu begegnen. Diese wurden dort von Moskau als Reaktion auf die amerikanischen Raketenvorrichtungen in Europa stationiert. Washington sieht in den Iskander-Systemen dagegen eine potentielle Offensivstreitmacht.

    „Dies könnte erheblich die Probleme erschweren, die Russland wird lösen müssen, um die baltischen Staaten zu erobern“, so die Experten.

    Auf welcher Grundlage die Experten zu ihrem Schluss kommen, Russland plane „die baltischen Staaten zu erobern“, wird allerdings in dem CSBA-Bericht nicht verraten.

    „Die Dual-Use-Systeme könnten (…) die Eindämmung (Russlands – Anm.d.Red.) in den kritischen Regionen  verstärken und die Abhängigkeit von den nicht-strategischen Atomwaffen verringern, die von Flugzeugen getragen werden – die Flugzeuge könnten nicht in der Lage sein, (die russische Luftabwehr – Anm.d.Red.) in den Regionen der größten Gefahr zu überwinden“, erklären die Berichtautoren.

    Russland hat bereits mehrfach die US-Initiative zum Einsatz möglicher Dual-Use-Raketensysteme in Europa scharf kritisiert.

    So erklärte im Oktober der Chef der nordamerikanischen Abteilung des russischen Außenministeriums, Georgi Borisenko, der Einsatz von amerikanischen Dual-Use-Raketensystemen in Rumänien und Polen verletze offensichtlich die INF-Verträge und sei eine direkte Gefahr für Russlands Sicherheit.

    Die Verletzung der Verträge liegt nach russischer Argumentation unter anderem in der Tatsache, dass diese landbasierten Raketensysteme auch atomsprengkopffähige Marschflugkörper mit sehr hoher Anfangsgeschwindigkeit starten können.

    Gerade landgestützte Marschflugkörper sind aber von den INF-Verträgen ausdrücklich untersagt, da sie das atomare Gleichgewicht bei den Offensiv- und Defensivsystemen der beiden Nuklearmächte gefährden.

    Das amerikanische Think-Tank Center for Strategic and Budgetary Assessments (CSBA) hat seinen Sitz in Washington und ist auf das Verfassen von Berichten und Empfehlungsschreiben an staatliche US-Einrichtung spezialisiert, wie etwa das Pentagon oder die Präsidentenadministration, zu Themen der US-Verteidigungspolitik, Streitkräfteplanung und deren Finanzierung.

    Die INF-Verträge sind bilaterale Verträge zwischen der damaligen Sowjetunion und den USA vom 8. Dezember 1987, die die Vernichtung aller landgestützten Raketen und Marschflugkörper mit mittlerer und kürzerer Reichweite (500 bis 5500 Kilometer) und deren Produktionsverbot beinhalten.

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    Tags:
    Atomabkommen, Raketenabwehr, Iskander, INF-Vertrag, Russland, USA
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