00:09 21 November 2017
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    Washingtons Strategie zur „Eindämmung“ Russlands absolut inadäquat – US-Think-Tank

    © REUTERS/ Ints Kalnins
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    Die aktuelle US-Strategie für den Fall eines potentiellen Konfliktes mit Russland oder China ist absolut unzureichend und inadäquat angesichts der neuen Konkurrenz und der neuen Kräfteverhältnisse zwischen den Weltmächten. Dies geht aus einem Bericht des amerikanischen Think-Tanks „Center for Strategic and Budgetary Assessments“ (CSBA) hervor.

    Laut dem Bericht werden sich die Methoden der Militärplanung beim Pentagon kardinal ändern müssen, um in der Lage zu sein, den neuen Herausforderungen zu begegnen.

    Die Herausforderungen bestünden vor allem im Erstarken alter und neuer Weltmächte – vor allem Russlands und Chinas, was zu einer ernsthaften Konkurrenz um den weltweiten Einfluss führen werde.

    Die USA könnten nicht mehr auf ihre unangefochtene Dominanz in der Welt setzen, so die US-Experten.

    „Die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und anderen Großmächten können als langfristige Konkurrenz betrachtet werden, in der sowohl China als auch Russland beabsichtigen, bestehende regionale und internationale Normen zu ihren Gunsten zu verändern“, schreibt CSBA in dem Bericht.

    Militärische Vorteile durch nicht-militärische Mittel

    US-Raketenabwehrsystemen THAAD
    © REUTERS/ U.S. Department of Defense, Missile Defense Agency/Handout
    Erreicht werden solle dies durch Militärstrategien, die auch friedliche Maßnahmen beinhalten und den US-Einfluss in ihren Regionen untergraben könnten.

    So schreiben die CSBA-Experten, dass Russland und China militärische Vorteile durch nicht-militärische Mittel erlangen würden: etwa durch Diplomatie, Informationskampagnen, wirtschaftliche Maßnahmen usw.

     

    „Diese vielseitigen Maßnahmen in Friedenszeiten implizieren bei China den Ausbau der Infrastruktur und Finanzinvestitionen in strategisch wichtige Länder und bei Russland die Kontrolle über die Energielieferungen an Nachbarstaaten sowie die Unterstützung von ausgewählten Ländern, wie etwa Syrien“, warnen die Experten in ihrem Bericht.

    Ebenfalls möglich scheint dem CSBA zu sein, dass die beiden Staaten militärische Operationen von „geringer Intensität“ in bestimmten Regionen durchführen werden, die aber nicht zum Auslöser für einen globalen Konflikt mit den USA werden könnten.

    Empfehlungen an das Pentagon: Radikale Kurskorrektur notwendig

    Die CSBA-Experten geben sogleich eine Reihe von Empfehlungen an das Pentagon, von denen einige allerdings im Widerspruch zu bestehenden internationalen Verträgen stehen.

    Zu den Empfehlungen von CSBA zählen etwa die Erhöhung der Mobilität von kleineren aber kampfstarken Verbänden, die Ausarbeitung einer Doktrin für den Cyber-Space sowie der Aufbau von landgestützten Dual-Use-Raketensystemen, vor denen Russland ausdrücklich warnt und die Moskau als eine grobe Verletzung der INF-Verträge betrachtet.

    Gleichzeitig betonen die Experten eindringlich, dass Washington auch seine Methoden und seine strategischen Konzepte im Militärbereich umgehend ändern müsse.

    Die USA seien in der Epoche des ersten Golfkrieges „steckengeblieben“, so die Autoren. So sei beispielsweise Washingtons außenpolitisches Konzept der „zwei Kriege“ aus den 1990er Jahren mittlerweile nicht mehr zu halten.

    Diese Militärdoktrin setzte voraus, dass die Vereinigten Staaten gleichzeitig Kriege in zwei Weltregionen führen können müssen.

    Doch dies ging nur in Konflikten wie etwa die Operation „Desert Storm“ gegen den Irak, als die USA über die unangefochtene militärische Überlegenheit verfügten und mühelos die irakische Armee zerbombten.

    Diese Konzepte seien heute nicht mehr zu bewerkstelligen – vor allem aufgrund der wachsenden militärischen Möglichkeiten Russlands und Chinas, so der Bericht.

    „Die Wiederkehr der Konkurrenz der Großmächte zeigt, dass das Pentagon eine neue Militärplanung einschlagen muss, um die neuen Militärstrategien Chinas und Russlands einzuberechnen“, warnen die CSBA-Autoren.

    Mit Hinblick auf die große Rolle von Informationskampagnen betonen die Experten, dass beide Länder „eine große Aufmerksamkeit der Dominanz im Informationsraum widmen“, was ebenfalls eine entsprechende Antwort des Pentagons erfordere.

    Hacker-Angriffe seien dabei nur ein Bestandteil der deutlich breiteren Herausforderungen im Cyber-Space.

    „Horizontale“ statt „vertikale Eskalation“

    Als Lösung schlägt das CSBA unter anderem eine sogenannte „horizontale Eskalation“ vor, statt der bis heute in der US-Planung vorherrschenden „vertikalen Eskalation“.

    Unter der „vertikalen Eskalation“ versteht der Think-Tank das traditionelle zahlenmäßige Ansammeln von Truppenverbänden in einer Konfliktregion, doch diese sei nicht mehr zeitgemäß und könne der Herausforderung durch Russland und China nicht mehr entsprechen.

    Die „horizontale Eskalation“ soll dagegen kleinere Regionalverbände mit hoher Mobilität in Europa und dem Pazifischen Raum beinhalten, die kurzfristig zwischen verschiedenen Konfliktherden verlegt werden können, um so die Konflikte territorial auszudehnen.

    Aber auch klassische Methoden, wie etwa die Modernisierung der Luftwaffe, Verstärkung der Flotte und der Einsatz von nuklear bestückbaren Dual-Use-Raketensystemen, die sowohl defensiv als auch offensiv eingesetzt werden können, werden vom CSBA genannt.

    Das amerikanische Think-Tank Center for Strategic and Budgetary Assessments (CSBA) hat seinen Sitz in Washington und ist auf das Verfassen von Berichten und Empfehlungsschreiben an staatliche US-Einrichtungen spezialisiert, wie etwa das Pentagon oder die Präsidentenadministration, zu Themen der US-Verteidigungspolitik, Streitkräfteplanung und deren Finanzierung.

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    Tags:
    Gleichgewicht, Geopolitik, Pentagon, China, Russland, USA
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