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13:23 23 September 2019
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    Gaspipeline in der Ukraine (Archiv)

    Wer solche Freunde hat… USA reißen Ukraine den Gastransit weg

    © Sputnik / Alexandr Mazurkewitsch
    Politik
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    Geht Nord Stream 2 ans Gasnetz, verliert die Ukraine bis zu drei Prozent ihrer Wirtschaftsleistung. Diese Horrorzahlen hat die US-Botschafterin in Kiew, Marie Yovanovitch, auf einer Fachtagung genannt. Was sich nach Sorge um die Ukraine anhört, ist tatsächlich aber nur eine Finte, wie das Portal „rueconomics“ schreibt.

    Der neuen Ostsee-Pipeline wegen werde deutlich weniger russisches Gas durch die Ukraine transportiert werden, so die Diplomatin. Einen Lösungsvorschlag hatte die Botschafterin auch sogleich parat: Eine Reform des ukrainischen Energiesektors und Gasnetzbetreibers Naftogas werde Abhilfe schaffen, versprach Yovanovitch. Diese Maßnahmen würden den ukrainischen Gasmarkt für Investoren aus dem In- und Ausland öffnen.

    Damit meine die US-Botschafterin „eine Privatisierung des ukrainischen Gastransportnetzes“ – also das, wogegen die Ukraine sich lange Zeit gesträubt habe, sagte der Energieexperte Alexej Griwatsch von der russischen Stiftung Nationale Energiesicherheit dem Portal.

    Doch die heutige Führung werde das Netz zweifelsohne privatisieren – „die Gesetze, die den Ausverkauf des Transitsystems an amerikanische oder europäische Investoren erlauben, sind bereits verabschiedet und gültig.“

    Warum aber sollten Investoren Interesse an dem stark verschlissenen Pipeline-Netz der Ukraine haben? Schließlich müssten für dessen Modernisierung acht bis zehn Milliarden Dollar veranschlagt werden.

    „Bei all dem Verschleiß wirft das ukrainische Leitungsnetz immer noch gute Gewinne ab, aufgrund von Transitverträgen mit Russland. Und es wird noch weitere zwei Milliarden Dollar bis 2019 bringen, bis die Verträge dann auslaufen“, erklärt der Analyst.

    Aber auch über 2019 hinaus könne das ukrainische Pipeline-Netz eine sehr lukrative Einnahmequelle bleiben, „wenn man den Bau alternativer Gasrouten politisch torpediert“, so der Fachmann.

    „Es ist wichtig einzusehen: In die Modernisierung des ukrainischen Gastransportnetzes werden die Investoren kein Geld stecken.“ Für sie sei die Privatisierung nur „ein Weg, schnell viel Geld zu machen“.

    Derweil habe die Ukraine gute Chancen, am Transit russischen Gases auch nach 2019 zu verdienen, betont der Energieexperte. Zwei einfache Voraussetzungen müssten dafür gegeben sein.

    Die wichtigste: „Kiew sollte sich wie ein zuverlässiger Partner verhalten. Die Beziehung zum Gasabnehmer zu vertiefen und dabei dem Gaslieferanten demonstrativ die kalte Schulter zu zeigen, ist eine absolut kurzsichtige Politik. Doch genau so macht es die Ukraine derzeit.“

    Auch fache die Androhung höherer Transitgebühren nach Ablauf der Verträge Gazproms Interesse an derlei „impulsiven Vermittlern“ nicht gerade an, bemerkt der Experte.

    Die zweite Voraussetzung: „In Europa muss die Nachfrage nach russischem Gas bestehen bleiben.“ Und genau hier wird Washingtons Tücke ersichtlich. Denn: „Die US-Politiker – einschließlich der Botschafterin Yovanovitch – sichern Kiew ihre Unterstützung bei Erhalt des Gastransits durch die Ukraine zwar zu. Tatsächlich aber will die US-Politik russisches Gas in Europa mit allen Mitteln verhindern“, so der Analyst.

    Er betont: „Der größte Gegner dessen, dass die Ukraine ihren Stand als Gastransit-Land beibehält, sind Kiews Freunde aus den USA.“

    Dass die Ukraine ein Transitland für russisches Gas bleiben könne, zeige indes eine einfache Rechnung: „Mehr als 90 Milliarden Kubikmeter Gas fragt Europa derzeit aus Russland nach. Nord Stream 2 übernimmt davon 55 Milliarden,  Turkish Stream weitere 30 Milliarden Kubikmeter. Wie sollen denn die restlichen zehn Milliarden nach Osteuropa gelangen?“ sagt der Fachmann.

    Doch selbst wenn die Ukraine den Gastransit verliert – „dies wäre doch nur ein kleiner Tropfen in dem Meer der wirtschaftlichen Probleme des Landes“, bemerkt der Experte.

    „Schon jetzt fordert Gazprom 34 Milliarden Dollar von Naftogas“, dem ukrainischen Gasnetzbetreiber. Zum Vergleich: Der gesamte Jahreshaushalt der Ukraine beträgt in diesem Jahr etwas mehr als 27 Milliarden Dollar. „Noch streiten sich Moskau und Kiew vor Gericht über diese Schulden, doch früher oder später wird Kiew zahlen müssen“, sagt der Experte. Dann drohe der Ukraine der Staatsbankrott.

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    Tags:
    Transit, Gaslieferung, Gazprom, Russland, USA, Ukraine