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    Teurer Kim Jong-un: Wieviel die Einschüchterung Nordkoreas kostet und wer dafür zahlt

    © Sputnik / Ilja Pitalew
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    Atom-U-Boote, Flugzeugträger, strategische Bomber und Kampfjets der 5. Generation – vor der Koreanischen Halbinsel sind viele der neuesten US-Waffen konzentriert. Trump ist bereit, für die Abschreckung des “Raketen-Mannes” mehrere Milliarden US-Dollar auszugeben, bis Nordkorea beginnt, sich wie gewünscht zu benehmen.

    Doch für die „jetzige Party“ muss im Ergebnis nicht Kim Jong-un, sondern die Südkoreaner zahlen.

    Laut südkoreanischen Medienangaben liegt der Wert der US-Waffen, die bei den Übungen vor der Koreanischen Halbinsel im Oktober eingesetzt sind, bei rund 13 Milliarden US-Dollar. Unter Berücksichtigung der Nutzung der Militärtechnik, deren Teilnahme aus Sicherheitsgründen nicht offengelegt wird, steigt diese Summe auf 17 Milliarden. Allein der Flugzeugträger der Nimitz-Klasse kostet etwa 4,5 Milliarden US-Dollar. In diesem Monat sollen sogar zwei solche Flugzeugträger eingesetzt werden – die „Ronald Reagan“, die am vergangenen Freitag die aktive Phase der Übungen abschloss, und die „Theodore Roosevelt“, die auf dem Weg in den Nahen Osten das Zusammenwirken mit ihrer „Kollegin“ durcharbeiten soll. Dabei kostet ein Einsatztag des Flugzeugträgers die US-Staatskasse 2,5 Millionen Dollar.

    US-Flugzeugträger Theodore Roosevelt
    © REUTERS / U.S. Navy
    US-Flugzeugträger Theodore Roosevelt

    Die Anhäufung einer solch bedeutenden Zahl von Waffen hat laut südkoreanischen Experten einen Abschreckungseffekt für Nordkorea, weil das eine Todesgefahr für seine Führung im Falle des Beginns von Kampfhandlungen darstellt. Deswegen haben die Präsidenten Moon Jae-in und Donald Trump bereits die Stationierung von strategischen US-Waffen in Südkorea auf Rotationsbasis vereinbart. Zum Jahresende sollen von japanischen Stützpunkten einige Kampfjets F-22 (170 Millionen US-Dollar pro Stück) und F-35B (mindestens 85 Millionen US-Dollar) verlegt und die Flüge der Bomber B-1B (300 Millionen), die seit der zweiten Jahreshälfte fast zweimal pro Jahr stattfinden, regelmäßig werden. Zudem soll die Häufigkeit des Auslaufens der Flugzeugträger und Atom-U-Boote deutlich steigen (1,3-1,7 Milliarde US-Dollar).

    Das alles ist also sehr kostspielig. Doch für die USA ist es kein Problem, weil sie bereits wissen, an wen die Rechnung gerichtet werden kann.

    Bin ich nicht benachteiligt?

    Donald Trump sprach bereits während des Wahlkampfes eindeutig über seine Haltung zur notwendigen Erhöhung der Verteidigungsausgaben der Verbündeten. Obwohl bis zum Ablauf des jetzigen Abkommens über die Verteilung der Ausgaben noch mehr als ein Jahr bleibt, will der US-Präsident darauf nicht warten. Diese Frage wird anscheinend beim Treffen der Staatschefs beider Länder in Seoul am 7. und 8. November besprochen.

    Laut den bestehenden Vereinbarungen beläuft sich der Beitrag Südkoreas zur Unterhaltung  der US-Truppen 2017 auf rund 840 Millionen US-Dollar. Im kommenden Jahr kann er um die Inflationsrate in Höhe von maximal zwei Prozent erhöht werden. Doch das entspricht kaum den Forderungen der US-Seite.

    Trump sagte bereits Ende April, dass er von Südkorea eine Milliarde Dollar für die Stationierung einer Raketenabwehrdivision THADD bekommen will. Senator Dick Durbin, der sich mit Moon Jae-in einen Monat später traf, deutete offen darauf  an, dass es besser wäre, einige solche Komplexe zur Gewährleistung der Sicherheit des Landes zu stationieren.  Jetzt kann zu der Liste der Waffen, für die Seoul zahlen soll, noch ein neues Paket strategischer Waffen im Wert von Dutzenden Milliarden Dollar hinzugefügt wird.

    Doch das Problem besteht darin, dass die von Seoul bereitzustellenden Mittel laut dem jetzigen Abkommen nur für den Bau der notwendigen Militärinfrastruktur, Lieferung von Munition und Proviant sowie Bezahlung des koreanischen Personals auf US-Stützpunkten genutzt werden. Alle anderen Ausgaben für die Unterhaltung der eigenen Truppen in Südkorea werden von Washington getragen.

    Diese Verteilung sorgte bereits für viel Kritik in der Amtszeit von Barack Obama. Trump wird sicher die Revision dieses „schlechten Abkommens“ fordern, indem im Gegenfall damit gedroht wird, eigene Verpflichtungen zur Gewährleistung der Sicherheit des asiatischen Verbündeten zu reduzieren.

    Zahlen oder Verlieren

    Laut einer Vereinbarung der Staatsoberhäupter beider Länder aus dem Jahr 2008 wird die Zahl der in Südkorea stationierten US-Soldaten bei 28500 gehalten. Falls Seoul sich weigern sollte zu zahlen, können die USA die Zahl ihrer Soldaten abbauen, es gab bereits solche Vorfälle.

    US-Soldaten aus Südkorea abzuziehen, hatten früher schon die Präsidenten Nixon und Carter versprochen. Doch anschließend verzichteten die beiden Präsidenten auf die Idee des vollständigen Abzugs, allerdings kam es unter Nixon jedoch zu einem bedeutenden Truppenabbau. 1971 kehrte die 7. Infanteriedivision mit fast 20.000 Soldaten in die USA zurück. Als Antwort auf die Proteste des damaligen Präsidenten Park Chung-hee, der Washington die Verletzung des Abkommens über gegenseitige Verteidigung vorwarf, gingen die USA darauf ein, Südkorea Militärhilfe und Kredite zur Entwicklung der eigenen Armee im Wert von 1,5 Milliarden Dollar bereitzustellen. Doch bereits unter George Bush, der die Zahl der in Südkorea stationierten US-Truppen von 1991 bis 1992 um weitere 13.000 Soldaten reduzierte, bekam Seoul nichts im Austausch und verpflichtete sich sogar dazu, einen Teil der Ausgaben für die Unterhaltung der verbliebenen Militärs zu übernehmen.

    Trotz der eindeutigen wirtschaftlichen Dominanz Südkoreas über Nordkorea und des Vorhandenseins modernerer Waffen sind sich nicht alle sicher, dass Südkorea es schaffen würde, Nordkorea ohne die Hilfe der US-Truppen schnell zu besiegen. Sollte Seoul Washington nicht in Bezug auf die Stationierung der THAAD-Komplexe entgegenkommen, könnte Trump Gegenmaßnahmen ergreifen. Wie die Erfahrung Südvietnams zeigt, kann das die Positionen des eindeutigen „Anführers“  ins Wanken bringen.

    THAAD-Aufmarsch in Südkorea
    © REUTERS / Lee Jong-Hyeon
    THAAD-Aufmarsch in Südkorea

    Doch eine solche Entwicklung ist auch für die USA unerwünscht, weshalb Washington andere Wege zur Kompensation seiner Verluste nutzen wird.

    Preis der Frage

    Nach Angaben des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI gehörte Südkorea 2016 zu den zehn Ländern mit den größten Militäretats (36,8 Milliarden US-Dollar) weltweit. Als großer Waffenexporteur (Platz neun in der SIPRI-Liste) bleibt Seoul auch einer der größten Importeure – mehr kaufen nur Ägypten, Irak, Indien, Algerien und Saudi-Arabien. Den Großteil der ausländischen Waffen kauft Südkorea natürlich bei den USA.

    Nach Angaben des südkoreanischen Verteidigungsministeriums kaufte Seoul in den vergangenen zehn Jahren US-Waffen im Wert von 32 Milliarden US-Dollar. Alleine 2014 unterzeichnete Südkorea einen Vertrag über den Kauf von 40 Kampfjets F-35A im Rekordwert von 6,5 Milliarden US-Dollar. Jetzt plant Moon Jae-in den Bau eigener U-Boote, wozu Südkorea nicht nur die Mitwirkung von US-Unternehmen, sondern auch die formelle Genehmigung Washingtons zur Verarbeitung von Nuklearbrennstoff für die Reaktoren der Atom-U-Boote brauchen wird.

    Dabei wird die Variante der Rückkehr der taktischen Atomwaffen der USA nach Südkorea, was laut der Opposition im eigenen Land ein zuverlässiger Abschreckungsfaktor für Nordkorea wäre, von den USA bislang ignoriert. Zudem werden auch keine realen diplomatischen Alternativen zur Lösung der angehäuften Probleme via Verhandlungen erörtert.

    Das südkoreanische Außenministerium begann bereits mit der Vorbereitung auf die bevorstehenden Verhandlungen mit den USA über die Verteidigungsausgaben. Welchen Plan Washington vorlegen wird und inwieweit Seoul bereit sein wird, ihn anzunehmen, ist nicht bekannt, doch die Diskussionen werden nicht einfach sein, weil der in die Enge getriebene Kim Jong-un die Verbündeten teuer zu stehen kommen kann.

    *Die Meinung des Autors muss nicht mit dem Standpunkt der Redaktion übereinstimmen.

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    Tags:
    Zahlungen, Angaben, Luftabwehrsystem THAAD, Flugzeugträger USS Theodore Roosevelt, Donald Trump, Nordkorea, USA