17:16 20 November 2018
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    Eine Abgeordnete im EU-Parlament (Archivbild)

    87 Fälle sexueller Belästigung im EU-Parlament ans Licht gekommen – Medien

    © AFP 2018 / Frederick Florin
    Politik
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    Mindestens 87 Fälle sexueller Belästigung sind im EU-Parlament festgestellt worden, schreibt das Internetportal „Politico“. Unter den Opfern sind sowohl Frauen als auch Männer. Bislang seien jedoch keine Täter bestraft worden.

    Vor dem Hintergrund des Skandals um Hollywood-Producer Harvey Weinstein weckte der Bericht eine öffentliche Resonanz. Die Leitung des EU-Parlaments musste sich für ihre Untätigkeit rechtfertigen.

    Zu den Fällen zählen etwa Berichte über EU-Arbeitsverträge, die als Gegenleistung für Sex angeboten worden seien. Junge Frauen sollen zudem zu Abendessen oder in Bars eingeladen worden sein, um mit sexuellen Gefälligkeiten ein Entgegenkommen bei Gesetzestexten zu erwirken. Ein Angestellter des EU-Parlaments soll nach eigenen Worten von Abgeordneten aufgefordert worden sein, ihnen Prostituierte zu besorgen, so das Portal.

    EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani war bereits am Montag gezwungen, ähnliche Vorwürfe der „Sunday Times“ in Straßburg zu kommentieren. Die Anschuldigungen sollen ihn schockiert haben. Er kündigte zwar Beratungen des Präsidiums an, betonte aber zugleich, dass bei dem sogenannten Ausschuss für Belästigungen keine formellen Beschwerden eingegangen wären.

    Die EU-Parlamentssprecherin Marjory Van den Broeke erklärte indessen, es seien keine Berichte über Vergewaltigungen gemeldet worden. Sie bestätigte aber, dass es mehrere Fälle von sexueller Belästigung in den vergangenen Jahren gegeben habe. Diese seien entsprechend geahndet worden. In der Debatte im EU-Parlament selbst seien gemeldete Fälle von sexueller Belästigung seit 2014 auch erwähnt worden.

    Die Parlamentsabgeordneten erörterten am Mittwochvormittag in Straßburg die jüngsten Medienberichte. Am Donnerstag soll dann eine nicht-bindende Resolution verabschiedet werden.

    Das Portal dementierte seinerseits diese Erklärungen. Es hieß, an die Redaktion in Brüssel hätten sich vier Frauen gewandt, die sich als Hilfskräfte des EU-Parlaments vorgestellt hätten. Sie erzählten von zwei Vergewaltigungsfällen durch ihre Kollegen. Das Nachrichtenportal behauptet, über Informationen zu dreißig Straffällen im EU-Parlament, darunter Vergewaltigungen, sexuelle Belästigungen und sexueller Missbrauch, zu verfügen. In diese seien auch einige hochrangige Parlamentarier verwickelt. 

    Österreichische EU-Abgeordnete forderten vor diesem Hintergrund eine „schonungslose und sofortige Aufklärung“.

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    Tags:
    Vorwürfe, sexuelle Belästigung, Politico, The Sunday Times, EU-Parlament, Antonio Tajani, Straßburg, Brüssel