22:31 18 Dezember 2018
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    Serbische Fallschirmjäger mit russischen (l.) und serbischen Flaggen während Übungen (Archiv)

    "Brutaler Druck auf Serbien": USA finden neuen Ort für Kräftemessen mit Russland

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    Statt zu einem echten Partner auf dem Balkan zu werden, wird Washington laut Expertenmeinungen zunehmend zum Problem-Erzeuger. Wieder setzen die USA Serbien unter Druck, fordern eine einseitige Ausrichtung nach dem Westen. Politologen sehen darin ein Zeichen der Schwäche und raten zur Zusammenarbeit mit Moskau.

    Ein „äußerst zynisches Verhalten“ sei es, sagt der serbische Politologe Dragomir Andjelkovic im Sputnik-Gespräch. Damit kommentiert der Experte eine Aussage von Hoyt Brian Yee, dem stellvertretenden Staatssekretär für europäische und eurasische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium.

    Dieser hatte die serbische Führung aufgefordert, sich endlich auf die Annäherung an die EU zu konzentrieren, statt stets zwischen Russland und dem Westen zu balancieren. Dies setze natürlich eine Neubewertung der Zusammenarbeit mit Moskau voraus.

    Zynisch sei das Verhalten, weil „die Vereinigten Staaten sich damit anmaßen, die Bedingungen eines EU-Beitritts zu stellen“, ohne selbst EU-Mitglied zu sein. „Auf diese Weise erniedrigen die USA Brüssel und zeigen, wer hier das Sagen hat“, so der serbische Politologe.

    Natürlich werde dadurch – das sei die andere Seite von Washingtons Verhalten – „ein brutaler Druck auf Serbien selbst“ erzeugt.

    Es sieht ganz so aus, als wollten die Vereinigten Staaten ihren geopolitischen Konflikt mit Russland – nach den Niederlagen in Syrien und der Ukraine – jetzt auf den Balkan verlagern, wie der Experte bemerkt. „Offensichtlich glauben die USA, dass der Balkan nach den Krisen in Syrien und der Ukraine der beste Ort für ein Kräftemessen mit Russland ist – und auch, um Druck auf Moskau auszuüben und all jene Staaten, die auch zukünftig ein gutes Verhältnis zu Russland bewahren wollen.“

    Der Politologe Dusan Prorokovic vom Belgrader Zentrum für strategische Alternativen sieht die Vereinigten Staaten indes geschwächt: „Vergleicht man die Lage mit dem, was vor fünf Jahren war, dann ist der Einfluss der USA auf dem Balkan heute um ein Vielfaches schwächer.“

    Eben deshalb kämen solche Aussagen wie die des stellvertretenden Staatsministers immer häufiger – dies sei ein Zeichen der Nervosität Washingtons. Denn: „Russland wird ein immer aktiverer Akteur auf dem Balkan, wie auch China und die Türkei“, sagt der Analyst.

    Zum Besseren werden solche „Ratschläge“ wie der von Hoyt Brian Yee die Lage Washingtons auf dem Balkan jedoch nicht wenden. „Ein gänzlich anderer Ansatz tut not“, mahnt der Experte Prorokovic.

    „Man muss die Positionen darüber abstimmen, wie weiter verfahren werden muss. Das US-amerikanische Sicherheitskonstrukt hat sich ja als unwirksam erwiesen. Yee fordert von uns, die Unabhängigkeit des Kosovo anzuerkennen und die US-Position in der Ukraine und im Nahen Osten mitzutragen“, sagt der Analyst.

    Nur wo soll das hinführen? „In den 2000er Jahren haben viele Balkan-Länder Washington in allem unterstützt, aber irgendwie sehe ich nicht, dass sie davon auch profitiert haben: Der Lebensstandard ist nicht gestiegen, die inneren Fragen sind ungelöst und auch die internationale Stellung dieser Länder hat sich nicht verbessert“, so der Politologe.

    Er rät: „Selbstverständlich müssen die USA in die Lösung von Balkan-Fragen miteinbezogen werden, wie auch alle anderen führenden Nationen. Aber mit so einem Ansatz werden die USA eher zum Problem-Generator als zum Problem-Löser.“

    Belgrad müsse indes seine Politik der Balance fortsetzen, ist der Politologe Andjelkovic überzeugt. „Serbien befindet sich in der Zone westlicher Dominanz und ist durch westliche Drohungen durchaus angreifbar. Russland ist für Belgrad derweil außerordentlich wichtig, weil es serbische Interessen schützt – unter anderem im Zusammenhang mit dem Kosovo.“

    Die wichtigste Frage aber lautet: „Ist das, was Yee gesagt hat, die Politik des Deep State oder der neue offizielle Kurs des Weißen Hauses? Ich denke, das werden wir schon bald erfahren“, so der Experte.

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