18:13 11 Dezember 2019
SNA Radio
    Attentat auf US-Präsident John F. Kennedy

    CIA, Mafia oder gar Zionisten: Wem welche Motive für JFK-Mord nachgesagt werden

    © AP Photo / Justin Newman
    Politik
    Zum Kurzlink
    9896
    Abonnieren

    Die letzten Geheimakten zur Ermordung von John F. Kennedy sollen bis Donnerstag offengelegt werden – das sieht zumindest ein US-Gesetz aus dem Jahr 1992 vor. Wer steckte hinter jenem Anschlag? Die russische Zeitung „Iswestija“ beschäftigt sich mit den bekanntesten und spektakulärsten Theorien.

    Das Blatt schreibt in seiner Onlineausgabe, die CIA sei nach dem Mord praktisch sofort in den Verdacht geraten, denn sie habe ein Motiv gehabt: Kennedy habe ihre Finanzierung um 20 Prozent kürzen wollen. Auch weitere Faktoren seien nicht auszuschließen – nach Ansicht der CIA habe Kennedy etwa die Invasion in der Schweinebucht faktisch vereitelt, und zwar durch die Verweigerung von Luftunterstützung.

    Die Zeitung kommentiert: „Überhaupt lassen sich die Beziehungen zwischen John Kennedy und der CIA, gelinde gesagt, als angespannt bezeichnen. Es gefiel dem Präsidenten nicht, dass die CIA-Führung ihr eigenes Spiel spielte und enge Kontakte zur Mafia sowie zu rechten Militärkreisen hatte. Die Kubakrise war schon vorbei, doch das Vorgehen des Auslandsgeheimdienstes war durchaus in der Lage, die USA in eine neue Konfrontation mit der Sowjetunion zu involvieren. Kennedy, der den Kurs auf eine Normalisierung der Beziehungen mit der UdSSR nahm, verbat der CIA schließlich jegliche Einsätze gegen Kuba und sagte die Vorbereitung weiterer Attentate auf Fidel Castro ab.“

    „Die CIA hatte also Gründe, um mit dem Präsidenten unzufrieden zu sein. Auch Oswald hatten ihre Mitarbeiter im Rahmen der Vorbereitung von Kuba-Missionen kontaktiert. (Lee Harvey Oswald gilt offiziell als mutmaßlicher Mörder von John F. Kennedy — Anm. d. Red.) Das Problem besteht aber darin, dass alle Angaben zur Verwicklung der CIA in die Kennedy-Ermordung indirekt sind, was bei solchen Angelegenheiten offensichtlich unzureichend ist“, steht es im Kommentar.

    Es gebe auch eine Vermutung, wonach die US-Militärs und die Rüstungsindustrie in den Mordanschlag verwickelt gewesen seien: „Die Militärs waren mit Kennedy möglicherweise wegen seines Wunsches unzufrieden, den Kalten Krieg gegen die Sowjetunion abzubauen, was automatisch auch eine Kürzung der Armee und eine Reduzierung der Rüstungsaufträge bedeutet hätte.“

    „Erwähnt wird auch die Glücksspiel-Mafia, die wegen der Normalisierung der Beziehungen mit dem Castro-Regime ihre Chancen darauf verloren hatte, Einnahmen von kubanischen Casinos zurückzubekommen. Jack Ruby, der Oswald ermordete, besaß, wie die Verschwörungstheoretiker unterstreichen, einen Nachtclub und war sowohl mit Glücksspiel-Bossen eng verbunden als auch mit der italienischen Mafia, die ihr Geld in Casinos steckte“, heißt es im Kommentar.

    „Überhaupt wurde lange nach einer kubanischen Spur im Kennedy-Mord gesucht. Nahezu sofort entstand die Theorie, wonach Castro die gegen ihn gerichteten Putschversuche und zahlreichen Attentate rächen wollte und hinter Oswald gesteckt haben soll. Diese Theorie bestätigten auch kubanische Auswanderer, die behaupteten, dass die Regierung in Havanna eine ganze Kampftruppe entsandt habe, um den US-Präsidenten zu ermorden (…) Castro selbst stritt all dies allerdings immer ab“, schreibt die Zeitung.

    Dass kubanische Auswanderer selbst in den Anschlag verwickelt gewesen seien, sei aber auch nicht auszuschließen: „Bei kubanischen Flüchtlingen war eine Vielzahl von Motiven möglich. Einst hatten sie den US-Präsidenten gepriesen, doch dann enttäuschte er sie wegen seiner Normalisierungspolitik gegenüber Kuba.“

    „Eine der wohl seltsamsten Versionen besteht darin, dass Kennedy von Zionisten ermordet worden sein soll. Sie ist in der muslimischen Welt sehr beliebt. Als Motiv wird gewöhnlich die Absicht Kennedys genannt, dem israelischen Atomprogramm ein Ende zu setzen. Der israelische Ministerpräsident David Ben-Gurion soll den Anschlag persönlich befohlen haben. Dieser wurde angeblich vom Mossad, der organisierten Kriminalität und der CIA gemeinsam in die Wege geleitet – mit Hilfe zionistischer Gruppen. Diesen Vorwurf erhob der libysche Staatschef Muammar Gaddafi öffentlich im Jahr 2009 während der damaligen UN-Vollversammlung – und ausgerechnet deswegen wurde er, wie die Verschwörungstheoretiker behaupten, letztendlich getötet“, so die Zeitung.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Geheimpapiere zum Kennedy-Mord: War KGB verwickelt?
    „Zeug zur Legende“: Tagebuch enthüllt Kennedys Einstellung zu Hitler
    Kennedys Berater: Washington stachelt die Welt zu Atomkrieg auf
    Kennedys Tonbänder veröffentlicht
    Tags:
    Schuld, Mord, Attentat, CIA, John F. Kennedy, USA