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    Präsident der Türkei Recep Tayyip Erdogan während G20-Gipfel in Hamburg (Archivbild)

    „Wir standen schon mal vor Wien“: Droht Erdogan Europa?

    © REUTERS / Wolfgang Rattay
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    Nach der Freilassung des deutschen Menschenrechtlers Peter Steudtner am Mittwochabend hat der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan anscheinend bereits wieder auf Attacke umgeschaltet – zumindest verbal.

    Während der Bundesaußenminister Sigmar Gabriel die Freilassung von Menschenrechtlern in Istanbul als „Zeichen der Entspannung“ lobte, ließ Erdogan seinen Chefberater im TV poltern.

    Mitte der Woche betonte Yigit Bulut, dass die EU die Türkei nicht „kleinhalten“ können werde, wie die „Huffington Post“ berichtet. Dann machte er eine kuriose Drohung: „Unsere Vorfahren standen schon einmal vor Wien.“ Es sei nicht leicht, loszuziehen und nach Wien zu marschieren, sagte Erdogans Berater über die Eroberungsfeldzüge des Osmanischen Reiches im 16. und 17. Jahrhundert.
    Eher eine innenpolitische Botschaft?

    ​Die EU hatte am Mittwoch die sofortige Freilassung von Journalisten, Akademikern und zivilgesellschaftlichen Akteuren gefordert. Das EU-Parlament beschloss zudem, die EU-Vorbeitrittshilfen für die Türkei 2017 um 50 bis 80 Millionen Euro zu reduzieren. Für eine Kürzung der Gelder plädierte auch verstärkt Bundeskanzlerin Angela Merkel.

    Haben zaghafte finanzielle Drohungen tatsächlich für die Freilassung von Menschenrechtlern gereicht? Vor diesem Hintergrund ist nicht auszuschließen, dass Bulut in erster Linie ein innenpolitisches Signal setzen wollte. Er sollte die Bürger des Landes eventuell überzeugen, dass Erdogan gegenüber der EU keinesfalls nachgiebig geworden sei.

    Wenn man aber Bulut zuhört, scheinen die Zeichen auf Versöhnung nach wie vor nicht zu stehen. Umso weniger, wo einige Experten gar bezweifeln, ob Erdogan tatsächlich mit der Freilassung Steudtners auf den Druck der EU reagiert habe.

    Die Zeitung „Merkur“ vermutet gar, dass für Steudtners Freilassung eher die alte Freundschaft zwischen Altkanzler Gerhard Schröder und Erdogan verantwortlich sei. Beim Besuch des damaligen Kanzlers kurz vor Ende seiner Amtszeit in der Türkei, erklärte Erdogan, damals Ministerpräsident, Schröder habe selbst „in den kritischsten“ Zeiten zu Ankara gestanden: „Das werden wir nicht vergessen“, hieß es. Schröder bezeichnete Erdogan kurz danach als einen „lieben Freund“.

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    Tags:
    Freundschaft, Botschaft, Menschenrechtler, Signal, Druck, Freilassung, Drohung, Yigit Bulut, Recep Tayyip Erdogan, Wien, Türkei, EU