12:34 25 November 2017
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    Mord von dem US-Präsidenten John F. Kennedy, auf dem Bild - hinter dem Sarg die Witwe Jacqueline Bouvier Kennedy und John Kennedys Bruder Robert F. Kennedy (Archiv)

    Trump öffnet geheime „JFK-Akten“ – Geheimdienste stoppten vollständige Offenlegung

    © REUTERS/ JFK Library/The White House/Robert Knudsen
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    Alle bisher geheimen Akten und Regierungs-Dokumente zum Attentat auf John F. Kennedy 1963 müssen veröffentlichen werden. So sieht es ein US-Gesetz vor. Präsident Donald Trump hat nun einen Großteil davon freigegeben. Die Geheimdienste haben aber verhindert, dass alles offen gelegt wird – vielleicht wegen der möglichen Details zu CIA-Agenten.

    Die Akten zum Attentat auf US-Präsident John F. Kennedy (JFK) am 22. November 1963 in Dallas lagern im Nationalarchiv der USA in Washington und umfassen 3.100 Dokumente und 30.000 Ordner. Sie beinhalten Erkenntnisse des US-Geheimdienstes CIA, des Inlandsgeheimdienstes FBI und weiterer Behörden zum Mordanschlag. Der US-Kongress beschloss im Jahr 1992 ein Gesetz, diese Akten erst nach einer Frist von 25 Jahren freizugeben. Diese Frist lief am Donnerstag ab.

    Überraschend verkündete US-Präsident Donald Trump am Donnerstagabend, dass anders als zuvor versprochen nicht alles freigegeben werde. Etwa 300 Dokumente bleiben danach vorerst weiter unter Verschluss. Zuvor hatte Trump noch getwittert, er werde der gesamten Veröffentlichung nicht im Wege stehen. In der Nacht auf Freitag beugte er sich dann den Sicherheitsbedenken von Geheimdiensten, wie US-Medien berichteten.

    „Keine neuen Erkenntnisse“

    Von den neu freigegebenen Akten erwartet Buchautor Jörg Bloem „eigentlich keine neuen Erkenntnisse. Denn: Ganz viele Sachen weiß man eigentlich schon. Durch die neuen freigegebenen Akten wird sich das Narrativ, die offizielle Version der Ereignisse, nicht ändern.“ Das sagte der Autor des Buches „Die wahren Mörder von J. F. Kennedy und Marilyn Monroe“ (2015) im Sputnik-Interview. Die Theorie von Lee Harvey Oswald als alleinigen Präsidentenmörder sei schon lange widerlegt.

    Dieses Fazit könne anhand der bereits zur Verfügung stehenden Informationen zum Attentat auf Kennedy gezogen werden. „Was die Einzeltäter-Theorie ad absurdum führt, ist die Tatsache, dass es drei Anschlagsversuche auf Kennedy gab. Einen in Chicago. Einen in Tampa, Florida. Und dann eben den erfolgreichen in Dallas. Wie es in diesem Zusammenhang überhaupt möglich ist, die Einzeltäter-Theorie noch aufrecht zu halten, ist mir ein Rätsel.“

    Experte: So lief der JFK-Mord wirklich ab

    Das JFK-Attentat war ihm zufolge eine Gemeinschaftsaktion von Mafia und CIA:

    „Insofern waren die eingesetzten Schützenteams gemischt. Teilweise waren es Agenten, die sowohl für die CIA als auch für die Mafia gearbeitet haben. Es wird mindestens drei Schützenteams gegeben haben, die ein trianguliertes Kreuzfeuer ausgeübt haben. Es hat auch Fehlschüsse gegeben, es hat auch Schüsse gegeben, die die Limousine getroffen haben. Ein Team feuerte aus dem Schulbuchlager, also dem Gebäude, aus dem der Oswald geschossen haben soll. Am verdächtigsten dafür sind zwei CIA-Leute bzw. Mafia-Leute: Richard Cain und Charles Nicoletti. Von hinter dem Zaun am Grashügel kam der letzte Todesschuss, der den Kopf vom Präsidenten hatte zerplatzen lassen. Das war der Agent James Files, der da geschossen hat.“

    Er erwarte von den freigegebenen Akten „vielleicht neue Details über CIA-Leute wie William King Harvey und David Atlee Phillips. Das sind zwei Namen, die wahrscheinlich nur Eingeweihten etwas sagen.“ So sei Phillips der CIA-Führungsagent von Oswald gewesen. Doch selbst diese neuen Details würden zu keiner völlig neuen Sichtweise über das Attentat führen, vermutete der JFK-Experte. „Ernsthafte Forscher rechnen jetzt nicht damit, dass sich dadurch die Version der Einzeltäter-Theorie ändert wird.“

    Trotz immer wieder bekannt gewordener hochbrisanter Informationen zu dem Fall herausgekommen – dennoch wurde die offizielle Version der Ereignisse nie öffentlich in Frage gestellt: Oswald blieb der offizielle Kennedy-Mörder.

    Oswald als CIA-Agent in Sowjetunion?

    Im Vorfeld der Aktenfreigabe tauchten in den letzten Wochen in US-Medien wiederholt Gerüchte zu Oswald auf. So soll er 1963 einige Monate vor dem Attentat in Mexiko-Stadt gewesen sein, wo er sich mit kubanischen Diplomaten und Agenten des KGB getroffen haben soll. Doch das sei nur CIA-Ablenkungstaktik, so Bloem: Es seien zur Person Oswald immer wieder falsche Fährten durch die CIA gelegt worden. Dafür werde auch immer wieder sein dreijähriger Aufenthalt in der Sowjetunion von 1959 bis 1962 hergenommen.

    „Er soll eigentlich ein Überläufer gewesen sein. Aber eigentlich ist die Annahme, dass er ein Gegenspionage-Agent gewesen sein. Dass die CIA ihn ganz konkret für Gegenspionage dort hingeschickt haben. Die Russen werden das auch mitbekommen haben, sie haben ihm jedenfalls nicht so richtig über den Weg getraut. Sie wollten ihn ja erst auch zurückschicken.“

    In der Sowjetunion habe Oswald auch seine spätere russische Frau Marina kennengelernt, so der Buchautor.  Nach seiner Rückkehr in die USA zeigte sich: „Er hatte eine relativ problemlose Rückreise. Findet einen Job, man hilft ihm. Das ist eigentlich schon Beweis genug, dass Oswald nie ein echter Überläufer gewesen sein kann. Sonst hätte man ihm endlose Verhöre unterzogen.“

    Alexander Boos

    Das komplette Interview mit JFK-Experte Jörg Bloem zum Nachhören:

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    Tags:
    Geheimdienst, Offenheit, Daten, CIA, John F. Kennedy, Donald Trump, UdSSR, USA
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