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00:46 17 Oktober 2019
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    Verteidigungsminister Russlands Sergej Schoigu

    Vor Hintergrund des Syrien-Einsatzes: Russland festigt Positionen am Persischen Golf

    © AP Photo / Bullit Marquez
    Politik
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    Traditionelle Partner der USA am Persischen Golf – Saudi-Arabien, Katar, Bahrain – äußern verstärkt Interesse am Kauf russischer Waffen. Das bestätigen der historische Besuch des russischen Verteidigungsministers Sergej Schoigu in Katar und das dort am Donnerstag unterzeichnete bilaterale Regierungsabkommen über militärtechnische Kooperation.

    Laut Experten wollen die Golfstaaten vor dem Hintergrund des Erfolgs der russischen Militäroperation in Syrien engere politische und militärtechnische Verbindungen mit Russland aufbauen.

    Historischer Besuch

    Vor dem Hintergrund der Teilnahme der Streitkräfte Russlands an der Operation in Syrien wird das Interesse der traditionellen Militärverbündeten der USA im Persischen Golf an russischen Waffen eine Tendenz. Eine Bestätigung dafür ist auch die jüngste Vereinbarung über die Lieferung von Flugabwehrkomplexen S-400, Panzerabwehrkomplexen Kornet EM, Flammenwerfern TOS-1A, Granatwerfern AGS-30 für Saudi-Arabien, die während des Besuchs des Königs Salman ibn Abd al-Aziz Al Saud in Moskau erzielt wurde.

    Mitte Oktober berichtete Bahrain von Plänen, die Waffenlieferungen aus Russland auszuweiten. Am Mittwoch begann der in Russlands Geschichte erste Besuch des russischen Verteidigungsministers Sergej Schoigu in Katar, dessen Führung ebenfalls Raketenabwehrsysteme sowie Technologien zu ihrer Produktion erwerben will.

    Während des Doha-Besuchs wurde zwischen beiden Ländern ein Regierungsabkommen über militärtechnische Kooperation unterzeichnet, allerdings wird bislang nichts über konkrete Ankäufe mitgeteilt.

    Zum Auftakt der Verhandlungen mit dem Verteidigungsminister Katars, Khalid bin Mohammad al-Attiyah, äußerte Schoigu die Hoffnung auf eine Festigung der bilateralen Kooperation. „Ich hoffe, dass unsere heutigen Verhandlungen die weitere Festigung unserer Zusammenarbeit im militärischen und militärtechnischen Bereich fördern werden“, sagte er.

    Laut Khalid bin Mohammad al-Attiyah zeigt dieser Besuch die Absicht der Freunde Katars in Russland, die bilaterale Zusammenarbeit mit Katar zu entwickeln und zu festigen.

    Schoigu soll ebenfalls vom Emir Katars, Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, empfangen werden. Beim Treffen sollen Fragen der globalen und regionalen Sicherheit im Mittelpunkt stehen.

    Wozu braucht Katar S-400-Komplexe?

    Der Besuch Schoigus in Katar erfolgt nicht zufällig. Im August hatte der katarische Verteidigungsminister Russland besucht, für den im Rahmen des Forums „Armija 2017“ extra eine Schau der Möglichkeiten der Flugabwehrsysteme S-400 Triumph und Panzyr-S organisiert wurde. Danach sagte al-Attiyah, dass Katar bei Russland nicht nur diese Systeme, sondern deren Technologien zur weiteren Produktion erwerben wolle.

    Laut dem Militärexperten Viktor Murachowski wird jeder Waffenkauf bei Russland wegen der unbedeutenden Größe der katarischen Armee nicht nur eine praktische, sondern vor allem eine politischen Bedeutung haben. Zur Verbesserung der Beziehungen zu Russland könne es sich dieser reiche Staat wohl leisten, Langstrecken-Boden-Luft-Raketen-Systeme S-400 zu erwerben.

    „Die Armee Katars ist nach ihrer Größe rein symbolisch, doch dank dem Reichtum des Landes kann es eine Art ‚weißer Elefant‘ kaufen —  beispielsweise eine Division von S-400-Systemen für 500 Millionen Dollar, die die Hauptstadt Saudi-Arabiens decken wird, wenn der Streit der Golf-Monarchien zu Ende geht (die Idee einer Vereinigung der Flugabwehrsysteme wird von Ländern der Region seit langem besprochen)“, sagte Murachowski.

    Dem Experten zufolge sieht die Unterzeichnung eines solches Dokuments zwischen Moskau und Doha keine konkreten Verträge in absehbarer Zukunft vor und wird bei seinen Nachbarn in der Region, mit denen Russland in der letzten Zeit mehrere wichtige Verträge abgeschlossen hat, keine Proteste auslösen.

    „Es handelt sich wohl bislang nicht um konkrete Waffenlieferungen an Doha, das wird nicht die Empörung seitens der Nachbarn auslösen. Was jetzt als tödliche Beleidigung dargestellt wird, ist in der Tat kein unlösbares Problem“, so der Experte.

    Was die Mehrdeutigkeit der militärtechnischen Kooperation mit Katar betrifft, dem mehrmals die Finanzierung von Terrorgruppierungen vorgeworfen wurde, sagte Murachowski, dass kein einziger Staat der Welt sich im Laufe seiner Existenz an einen unveränderten außenpolitischen Kurs gehalten habe, Moskau habe bereits Erfahrung beim Ausbau der militärtechnischen Kooperation mit Ländern, die einst seine Opponenten waren.

    „Die militärtechnische Kooperation mit solchen Ländern wie Katar ist die Frage eines langfristigen Spiels. Wir lieferten auch Waffen an andere Länder, die einst Moskau gegenüber nicht besonders loyal waren – so an Pakistan, das einst die Mudschaheddin unterstützte. Die Politik der Länder ändert sich, es gibt nichts Ewiges“, so der Experte.

    Syrien-Operation änderte das Verhältnis zur militärtechnischen Kooperation mit Russland

    Laut dem MGIMO-Experten Viktor Sergejew ist die Aktivierung der Beziehungen Russlands zu den Ländern des Nahen Ostens mit den erfolgreichen Handlungen Russlands bei der Operation in Syrien verbunden.

    „Die Nahost-Länder, darunter die Länder der Arabischen Halbinsel, verhielten sich immer skeptisch zu Russland. Niemand glaubte an Erfolge Russlands in Syrien, doch diese Erfolge änderten das Verhalten Russland gegenüber, vor allem weil sich das Kräfteverhältnis im Nahen Osten änderte. Diese Länder sahen, dass Russland die Politik beeinflussen kann, wenn es das will. Die USA versuchten ebenfalls, die Situation aktiv zu beeinflussen, doch das führte zu nichts Gutem“, sagte der Experte.

    Dem Experten zufolge geht es nicht um einen kurzfristigen Erfolg der russischen Politik im Nahen Osten.

    „Ich denke, dass es ein langfristiger Erfolg ist, zumindest so lange, wie unsere Stützpunkte in Syrien bleiben. Das bedeutet einen wesentlichen Einfluss Russlands, die arabische Länder werden unvermeidlich die Position Russlands berücksichtigen“, so Sergejew.

    Der Direktor des Zentrums für Analyse des globalen Waffenhandels, Igor Korotschenko, meint ebenfalls, dass der Dialog mit Katar im militärtechnischen Bereich dank dem  Wachstum des russischen Einflusses auf politische Prozesse im Nahen Osten und im Persischen Golf sowie dank dem Erfolg der Operation der russischen Streitkräfte in Syrien möglich geworden sei.

    Laut dem Experten werden die Anfragen der katarischen Seite in Bezug auf den Erwerb russischer Militärtechnik nicht auf Hindernisse stoßen. Dieser reiche Staat sei in der Lage, Waffen eines jeden Niveaus zu kaufen.

    Darüber hinaus sei möglich, dass Doha ebenfalls Interesse an Panzyr-S1-Systemen und leichter Panzertechnik, Panzerabwehrkomplexen, Militär-Transport-Hubschraubern sowie Schusswaffen und Granatwerfern zeigen werde, so der Experte.

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    Tags:
    Erfolg, Waffenlieferungen, S-400, Army-2017, Sergej Schoigu, Katar, Saudi-Arabien, Syrien, USA, Russland