19:38 22 November 2019
SNA Radio
    Russische Militärs bei internationalen Armeespielen im Fernen Osten (Archivbild)

    „Absolut notwendig“: Wozu Russland einen Marinestützpunkt auf Kurilen braucht

    © Sputnik / Witaliy Ankow
    Politik
    Zum Kurzlink
    51529
    Abonnieren

    Es gibt neue Hinweise darauf, dass Russland einen Marinestützpunkt auf den pazifischen Kurilen-Inseln plant. Für welche Zwecke er eigentlich benötigt wird, erläutern Experten, die von der Onlinezeitung vz.ru befragt wurden.

    Der russische Marineexperte Konstantin Siwkow sagte der Onlinezeitung:

    „Ein neuer Stützpunkt zum Schutz der Kurilen wäre nötig – erstens im Sinne der Landungs-Abwehr und zweitens zwecks einer Militärpräsenz Russlands in diesem Gebiet, insbesondere im Hinblick auf die Tatsache, dass die Kurilen von den Japanern beansprucht werden. Das wäre unter anderem ein politisches Signal an Tokio.“

    Dass die Einrichtung eines Stützpunktes in nächster Zeit beginnen soll, hatte Franz Klinzewitsch — Vizechef des Verteidigungsausschusses im russischen Föderationsrat (Parlamentsoberhaus) — kürzlich angekündigt. Ihm zufolge „läuft alles streng nach Plan“. Eine eindeutige Bestätigung durch das Verteidigungsministerium liegt allerdings nicht vor, obwohl dessen Leiter Sergej Schoigu im vergangenen Jahr tatsächlich nicht ausgeschlossen hatte, dass die Pazifikflotte einen Stützpunkt auf den Kurilen bekommen könnte.

    Wie vz.ru berichtet, wäre die Insel Matua der wahrscheinlichste Standort für den neuen Stützpunkt. Diese Insel war noch von den Japanern während des Zweiten Weltkriegs als Marine- und Luftwaffenstützpunkt genutzt worden. Sie liegt im mittleren Teil der Kurilen-Kette, den die Japaner derzeit nicht beanspruchen.

    Derzeit ist eine russische Militäreinheit mit Maschinengewehren und Artilleriegeschützen auf den Kurilen stationiert. Auf den Inseln Iturup und Kunaschir gibt es außerdem seit einem Jahr Startvorrichtungen für Seezielflugkörper.

    Der Ansicht, dass Russland zusätzlich noch einen Marinestützpunkt dort bräuchte, ist auch der russische Militärexperte Alexander Chramtschichin. Wie er für vz.ru erläuterte, ist die russische Pazifikflotte derzeit in zwei Teile geteilt: Der eine davon ist auf der Halbinsel Kamtschatka stationiert, der andere in der Region Primorje. Vor diesem Hintergrund wäre eine dazwischenliegende Basis aus Sicht des Experten „absolut notwendig“.

    Chramtschichin betonte jedoch, die Pazifikflotte brauche nicht nur einen neuen Stützpunkt, sondern auch neue Schiffe, denn sie sei die einzige Teilflotte der russischen Kriegsmarine, die seit der Sowjetzeit nicht erneuert worden sei.

    Siwkow vermutete unterdessen, auf den Kurilen werde eher ein Stützpunkt für einen vorübergehenden Aufenthalt von Kriegsschiffen entstehen – im Gegensatz zu den „richtigen“ Marinebasen wie zum Beispiel in Sewastopol, Noworossijsk und Seweromorsk. 

    Siwkow äußerte, der geplante Stützpunkt sei wahrscheinlich als Hafen für Raketenboote geeignet, um von dort aus entsprechende Missionen zu starten.

    Der Experte skizzierte den Aufbau einer Infrastruktur, um solche Schiffe aufzunehmen sowie eines Flugplatzes für bis zu 30 Maschinen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Kurilen-Inseln werden Territorium beschleunigter Entwicklung – Medwedew
    Kurilen: Russlands Militär setzt Pfeiler für Pazifik-Festung
    Kurilen in Japans Besitz böte Möglichkeit zur Stationierung von US-Truppen – Putin
    Tags:
    Experten, Errichtung, Bewertung, Marinebasis, Pläne, Pazifikflotte, Verteidigungsministerium Russlands, Kurilen, Japan, Russland