21:59 21 September 2018
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    Wann schlägt für die Menschheit die Stunde X?

    CC BY 2.0 / Maxwell Hamilton / Nuclear Explosion Fantasy
    Politik
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    Lange Zeit schien ein realer Krieg zwischen den USA und Nordkorea nur theoretisch möglich zu sein, aber in der Praxis wegen seiner fatalen Auswirkungen innerhalb und außerhalb der Region kaum vorstellbar. Doch nun scheint sich laut der italienischen Zeitung Corriere della Sera die Situation zum Schlechteren zu wenden.

    Noch vor einigen Jahren schien ein Krieg zwischen den USA und Nordkorea auch trotz des nordkoreanischen Atom- und Raketenprogramms kaum möglich zu sein und wurde von den meisten Beobachtern als „Krieg der Worte“ beschrieben.

    Dies lag laut dem italienischen Journalisten Franco Venturini vor allem an den fatalen Folgen, die so ein Krieg gehabt hätte.

    „Ein Krieg zwischen den USA und Nordkorea würde zu Dutzenden, wenn nicht zu Hunderttausenden Toten führen, die 30.000 US-Soldaten, die in Südkorea stationiert sind, würden an die Frontlinie vorrücken und ein Eingreifen Chinas provozieren. Dies könnte den ersten Atomwaffeneinsatz seit Hiroshima und Nagasaki unvermeidlich machen und würde das Gleichgewicht in der Region und die entscheidenden Beziehungen zwischen Washington und Peking verändern“, beschreibt der Journalist ein Szenario.

    All dies habe lange Zeit den Konflikt als unmöglich erscheinen lassen – zu gewaltig wären die Verluste der Akteure im Kriegsfall.

    Doch nun scheine sich „der Wind zum Schlechteren zu drehen“, so Venturini.

    Verschiede Experten und involvierte Diplomaten würden den „Punkt ohne Umkehr“ mit einer Geschwindigkeit näher rücken sehen, die sich nur mit der Entwicklungsgeschwindigkeit des nordkoreanischen Raketen- und Atomprogramms vergleichen lasse.

    „Wie viel bleibt bis zur Stunde X? Einige Monate oder gar weniger“, so der Journalist.

    Die wirtschaftlichen Sanktionen werden hierbei den Lauf der Dinge kaum aufhalten können.

    „Daher sind Politiker, Experten und Diplomaten in ein Rennen gegen die Zeit hineingezogen worden, welches längst zu einem ‚Rennen gegen den Krieg‘ geworden ist“, so die Einschätzung des Autors.

    Dennoch, Hoffnung, dass die Stunde X abgewendet werden kann, bleibt bestehen.

    Die beteiligten Politiker machen laut dem Artikel zumindest auf dem Papier erhebliche Fortschritte bei der Ausarbeitung einer Kompromisslösung zwischen Washington und Pjöngjang. Hierbei würden Vermittlungsakteure eine aktive wichtige Rolle spielen.

    Scheinbar gebe es aber auch – wenn auch streng geheim – einen direkten Dialog zwischen der nordkoreanischen und der US-Führung.

    So habe beispielsweise der US-Außenminister Rex Tillerson während seines Besuches in Peking am 30. September zur Überraschung aller anwesenden Journalisten mitgeteilt, dass Washington „zahlreiche und direkte Kommunikationskanäle nach Pjöngjang“ teste.

    Trump habe zwar danach auf Twitter seinem eigenen Außenminister widersprochen, doch die Meldung sei trotzdem hängen geblieben.

    „Chaos in der Administration oder Kontakte, über die man noch nicht reden darf? Die zweite These ist klar glaubwürdiger“, so der Journalist.

    Ein regionales Sicherheitsabkommen möglich?

    Eine mögliche Form der Verhandlungen zur Verhinderung eines Krieges könnte hierbei eine regionale Friedenskonferenz werden, die in Wirklichkeit gar überregional wäre.

    Schließlich müssten außer den unmittelbar betroffenen Staaten auch Russland und möglicherweise sogar die EU einbezogen werden.

    Russland versuche schließlich nun auch in Asien an Einfluss zu gewinnen, nachdem das Land bereits im Nahen Osten zum Schlüsselspieler geworden sei. Die EU ihrerseits könnte mit der Schaffung der oben genannten Kommunikationskanäle helfen.

    Bei der Konferenz müsste weiterhin vom kleinsten gemeinsamen Nenner ausgegangen werden, um sich dann zu weiterreichenden Fragen zu bewegen.

    „Für die USA ist es in erster Linie wichtig, dass die nordkoreanischen Raketen nicht das Territorium der Metropolen erreichen können. Die Nordkoreaner werden ihrerseits ihr regionales Atomarsenal, das sie schon haben und das das Gleichgewicht in der Region schon jetzt verändert hat, behalten“, schreibt der Autor.

    Ein weiterer Bestandteil der Verhandlungen könnte ein Vertrag zur regionalen Sicherheit werden, der die Anwendung von Gewalt und jegliche Regimewechsel von außerhalb prinzipiell ausschließt sowie die Sanktionen gegen Nordkorea fallenlässt.

    Als Militärgarantiemächte für die Erfüllung der Vertragspunkte könnten China, China und Russland oder China und die USA auftreten.

    „Die amerikanische Präsenz in Südkorea wird reduziert, wenn auch nicht komplett abgeschafft“, bemerkt Venturini.

    Sicherlich, viele Probleme würden weiterhin bestehen bleiben, wie etwa die Frage nach wirksamen Kontrollen.

    Dennoch, eine friedliche Alternative zum andauernden militärischen Trommelwirbel gebe es und genau dies sei die wichtigste Nachricht in der aktuellen Situation.

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    Tags:
    Friedenskonferenz, Atomwaffen, Donald Trump, Kim Jong Un, Koreanische Halbinsel, Nordkorea, USA