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16:55 19 August 2019
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    Test der ballistischen Rakete auf Hawaii

    „Globaler Donner“: USA wollen ihr Potential für Krieg gegen China und Russland zeigen

    © REUTERS / U.S. Navy/ Latonja Martin
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    Der Start der Militärmanöver „Globaler Donner“ (Global Thunder) der amerikanischen strategischen Nuklearkräfte ist nicht nur ein Test der eigenen Abwehr strategischer Gefahren, sondern auch des Potentials für einen offensiven Atomangriff. Der Militärexperte und Oberst a.D. Viktor Litovkin erklärt, wozu der „US-Donner“ noch eingesetzt wird.

    Das Militärmanöver der amerikanischen strategischen Nuklearkräfte „Global Thunder“ kann nicht nur als defensive Übung gewertet werden, sondern auch als eine Demonstration der offensiven Schlagkraft, die sich in dem Ausmaß nur gegen Russland oder China richten kann.

    US Rakete vom Typ Minuteman III (Symbolbild)
    © AP Photo / Airman 1st Class Ian Dudley/U.S. Air Force
    Nur diese beiden Länder seien nämlich eine reale strategische Gefahr für die USA, erklärt der Militär a.D. Litovkin in einem Interview für das russische Nachrichtenportal rueconomics.

    So sei die geographische Lage der USA als solche aus militärischer Sicht ziemlich vorteilhaft – von zwei Seiten grenzen sie an Ozeane, vom Norden und Süden seien sie von Verbündeten „gedeckt“.

    Die einzigen strategischen Gefahren, die das Pentagon bedenken müsse, seien eben die Militärpotentiale Chinas und Russlands.

    „Zum Beispiel das Atomarsenal Russlands kann die USA gänzlich vom Anblick der Erde ausradieren. Auch gibt es die zügig wachsende Militärschlagkraft Chinas, das in der Lage ist, sich den USA entgegenzustellen“, erklärt der Militärexperte.

    Mit der Militärübung „Global Thunder“ testet Washington laut Litovkin somit längst nicht nur die Fähigkeit der eigenen Armee zur Abwehr dieser strategischen Gefahren, sondern auch die Möglichkeit, den geopolitischen Konkurrenten einen irreversiblen Schaden zuzufügen.

    Bei den Manövern setze das US-Militär eine Kombination aus allen verfügbaren Waffensystemen ein, wie etwa den Militärobjekten im All, den Luftverteidigungssystemen sowie den Raketenangriffssystemen.

    „Im Prinzip setzt das Pentagon sein gesamtes Arsenal ein und zeigt der Welt gleichzeitig seine Macht“, unterstreicht der Militärexperte.

    Die Denkweise der US-Militärs sei hierbei recht eindeutig. Das Anwachsen der militärischen Konkurrenz in der Welt sei deutlich zu spüren und die USA seien darauf ausgerichtet, ihre Rolle als Welthegemon, der Weltpolizist, —richter und —henker zugleich sei, zu behalten.

    „Russland stellt diese Ziele für sich nicht, ist aber gezwungen, sein Militärpotential ebenfalls zu vergrößern, um seine Freiheit und Unabhängigkeit zu bewahren“, betont der Ex-Militär.

    China und Nordkorea im Blick

    Das STRATCOM (Kommando der strategischen Kräfte) setze bei den Manövern „Global Thunder“-2018 Raketenregimenter und Teile der Luftwaffe in verschiedenen Regionen der Welt ein.

    Stealth-Bomber der US-Luftwaffe B-2 (Archivbild)
    © Foto : U.S. Air Force/ Airman 1st Class Joel Pfiester/Released
    In der Regel würden US-Manöver etwa zehn Tage dauern, allerdings hätten die Amerikaner die genaue Zahl der Tage nie vorher an die Öffentlichkeit weitergegeben, so der Militärkenner weiter.

    Generell seien die „Global Thunder“-Übungen jährlich eingeplant, allerdings fänden sie in diesem Jahr vor dem Hintergrund der angespannten Situation auf der koreanischen Halbinsel statt.

    Bereits seit fast einem Jahr bedrohen und provozieren sich die USA und Nordkorea gegenseitig. Ein Übergang zur „heißen“ Phase des Konfliktes sei aber unwahrscheinlich, so Litovkin.

    „Ich glaube nicht, dass sich die USA entscheiden werden, einen militärischen Schlag gegen Nordkorea zu führen. Allein deshalb nicht, weil sie nicht genau über die konkrete Position der Startsilos für nordkoreanische Raketen informiert sind. Wenn sie diese Information hätten, wäre der Präventivschlag bereits erfolgt“, erklärt der Experte.

    Gleichzeitig spiele sicherlich auch die Tatsache eine Rolle, dass Nordkorea absolut zu einem Gegenschlag in der Lage wäre – wenn nicht gegen das eigentliche US-Territorium, so doch sicherlich gegen US-Basen in der Region.

    So habe Pjöngjang bereits erklärt, es sei bereit, einen militärischen Schlag gegen Seoul sowie den US-Stützpunkt im Süden der südkoreanischen Stadt zu führen. Für Washington wäre es ein harter Schlag. Auch könnten US-Basen in Japan zum Ziel eines nordkoreanischen Gegenangriffs werden.

    Für beide Ziele braucht es laut Litovkin nicht einmal Raketen, sondern würden schon entwickelte Artilleriegeschütze reichen.

    „Und wenn sich Nordkorea gar entscheidet, eine Atombombe auf dem eigenen Territorium zu zünden, so werden alle benachbarten Länder einen erheblichen Schaden nehmen. Es sind die engsten Verbündeten Washingtons und die USA werden nicht daran interessiert sein, sie einem Beschuss auszusetzen“, so der Oberst a.D.

    Daher würden vermutlich die gegenseitigen Bedrohungen weitergehen, an einer echten Eskalation sei aber weder Washington noch Pjöngjang interessiert.

    Sollten die Nordkoreaner doch „die Nerven verlieren“ und eine der US-Basen in Südkorea, Japan oder Guam als erste angreifen, würde Nordkorea „innerhalb weniger Stunden“ vernichtet sein, so der Experte abschließend.

    Die USA haben am Montag mit dem Manöver „Global Thunder“ begonnen und Russland gemäß einer bilateralen Vereinbarung darüber informiert.

    Der Beginn des Manövers der strategischen Atomstreitkräfte „Global Thunder“ in den USA direkt nach den Militärübungen der Strategischen Atomwaffenstreitkräfte in Russland sei dabei reiner Zufall.

    Erst am Donnerstag hatten die Strategischen Atomwaffenstreitkräfte in Russland geübt. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte daran teilgenommen und nach Angaben des Kremls persönlich vier Interkontinentalraketen gestartet.

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    Tags:
    Atomstreitkräfte, Manöver, "GLobal Thunder"-Manöver, US-Armee, China, Russland, USA