11:28 22 Juni 2018
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    Langstreckenbomber der US-Luftwaffe B-52H mit Atrappen von nuklearen Marschflugkörpern AGM-86B (Archivbild)

    Wie stark die US-Atomtruppen wirklich sind – und was Russland dabei beunruhigt

    © Foto: U.S. Air Force/ Tech. Sgt. Aaron D. Allmon II
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    Während die US-Atomstreitkräfte ein groß angelegtes Training absolvieren, nehmen russische Experten ihre Kapazitäten unter die Lupe und erläutern, worüber Russland sich dabei sich am meisten Sorgen macht. Die Onlinezeitung vz.ru betrachtet die Situation.

    Der russische Militärexperte Viktor Murachowski sagte der Onlinezeitung im Hinblick auf die derzeitigen Übungen der strategischen US-Atomstreitkräfte: „Solche Maßnahmen werden in Amerika ohne reale Starts ballistischer Interkontinentalraketen getroffen. Sie gestalten sich als Training der zuständigen Kommandos und Führungszentralen.“

    Wie ein Sprecher des United States Strategic Command mitteilte, sollen die soeben gestarteten Übungen Global Thunder zu der Fähigkeit beitragen, einen militärischen Angriff auf die USA zu verhindern oder bei Bedarf abzuwehren.

    Unterdessen wollen die USA ihre Atomwaffen modernisieren. Die entsprechenden Pläne waren noch von der Administration Barack Obama initiiert und dann von Donald Trump bestätigt worden. Sie gehen darauf zurück, dass manche Komponenten der nuklearen Triade bereits veraltet sind. Etwa ballistische Raketen des Typs Minuteman III sind bereits seit 40 Jahren in Dienst.

    Murachowski warnte aber davor, die US-Kapazitäten auf diesem Gebiet zu unterschätzen. Er betonte, in den USA sei sowohl die landgestützte Komponente mit ihren Interkontinentalraketen einsatzbereit als auch die seegestützte Komponente mit ihren Atom-U-Booten.

    „Die Rolle der luftgestützten Komponente haben die Vereinigten Staaten auf ein Minimum reduziert. Sie nimmt bei ihnen einen unbedeutenden – eher einen symbolischen – Platz ein“, so der russische Experte.

    Er sagte weiter, die USA hätten ein fortgeschrittenes Frühwarnsystem – vor allem in Sachen Satelliten. Effizient sei auch die Leitung der Atomstreitkräfte – das entsprechende System befinde sich ständig auf einem hohen technologischen Niveau.

    Sergej Jermakow, Experte des Russischen Instituts für strategische Studien, kommentierte für vz.ru, Russland sei besorgt über die Kombination der nuklearen Kapazitäten der USA mit deren Programm Prompt Global Strike, das auf konventionelle Waffen setze, um strategische Aufgaben zu lösen. „Dies könnte die Schwelle eines Atomwaffeneinsatzes ernsthaft senken und eine Eskalation von Konflikten provozieren“, warnte Jermakow.

    Murachowski sagte, Russland modernisiere ebenfalls seine strategischen Atomstreitkräfte. Diese Modernisierung beinhalte alle Komponenten der nuklearen Triade – sowohl land- als auch see- und luftgestützt. Das jüngste Training unter Beobachtung von Wladimir Putin habe gezeigt, dass alle Komponenten einsatzbereit seien.

    „Von der Zahl der Trägersysteme und der nuklearen Sprengsätze sind sowohl die USA als auch Russland jedoch durch ihren Vertrag eingeschränkt“, so Murachowski. Der geltende New-START-Abrüstungspakt hat eine Laufzeit bis 2021. Demnach soll die Gesamtzahl der Trägersysteme auf jeweils 800 und die der nuklearen Sprengsätze auf 1.550 reduziert werden.

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    Tags:
    Interkontinentalrakete, Atomwaffen, Atomstreitkräfte, Start-3-Vertrag, Minuteman 3, Russland, USA
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