03:09 24 Januar 2020
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    Neue US-Spekulationen über „Moskaus Hand“ im Mordfall Kennedy lassen sich auch in die Kampagne gegen Donald Trump einbetten. Diese Meinung vertritt der russische Auslandsexperte Kirill Koktysch, Dozent an der Moskauer Diplomaten-Uni MGIMO.

    In einem Gastbeitrag für die Zeitung „Iswestija“ schreibt Koktysch: „Es war leider ziemlich vorhersagbar, dass die lang erwartete Offenlegung geheimer Dokumente zur Ermordung von John F. Kennedy sofort US-Medienspekulationen über eine Präsenz der ‚Hand des Kremls‘ in diesem Mordfall verursachen wird.“

    Der Experte analysiert die politische Situation in den USA im Vorfeld der Veröffentlichung der Geheimakten und stellt fest, Donald Trump habe sich zum Teil erfolgreich gegen die „kollektive Intelligenz“ der Demokraten gewehrt.

    Das ist laut Koktysch eigentlich logisch, denn ein talentierter Alleingänger „kann Entscheidungen präziser und schneller treffen als eine ihm gegenüberstehende Gruppe, die zwar mächtig ist, dabei aber gezwungen, ihre Interessen und Aktivitäten ständig zu koordinieren“.

    Dies lasse Trump übrigens mit Kennedy vergleichen. Dieser sei bei seinen Entscheidungen ebenfalls fähig gewesen, nicht von privat-körperschaftlichen, sondern von größeren Interessen auszugehen, hieß es.

    „Denn in der Regel ist der Wahlsieger von vornherein eine Geisel jener Körperschaften, die seine Kampagne finanziert hatten, und in diesem Sinne meistens ein politischer Schauspieler mit einem minimalen Recht auf Initiative, wobei ein überzeugendes Regie-Team hinter ihm steckt. Trump hat aber keine solchen Regisseure – ebenso wie einst Kennedy, der einem der damals mächtigsten Clans Amerikas angehörte“, so der Kommentar.

    Kennedys Politik des Realismus habe im Interesse Amerikas gelegen, sei aber ziemlich schnell in einen harten Konflikt mit den Interessen der „Körperschaften“ von FBI-Gründer J. Edgar Hoover und CIA-Chef Allen Dulles geraten, postuliert Koktysch.

    „Was vielleicht noch wichtiger ist, geriet Kennedys Politik auch in einen Konflikt mit Finanzinteressen vieler Vertreter des globalen Business, das sich derzeit auch Trump entgegensetzt“, heißt es im Kommentar.

    Diese Assoziation sei aber sehr unangenehm und aus Sicht der amerikanischen Mainstream-Medien unerwünscht. „Im Rahmen jener Logik, wonach die Kampagne gegen Trump untermauert werden müsste, war die Entdeckung von ‚Moskaus Hand‘ im Fall Kennedy ein ziemlich vorhersagbare Wendung“, so Koktysch.

    Wie die russische Agentur RIA Novosti meldet, beinhaltet eines der nun offengelegten Dokumente den (ohnehin bekannten) Besuch von Lee Harvey Oswald in der sowjetischen Botschaft in Mexiko Ende September 1963. Was neu ist, soll Oswald damals mit Konsul Walerij Kostikow gesprochen haben, der nach Angaben der CIA ein KGB-Agent war.

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    Dokumente, Kampagne, Geheimdienste, FBI, CIA, Donald Trump, John F. Kennedy, UdSSR, USA