12:28 14 Juli 2020
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    Chinas rasante Stärkung beängstigt manche Nachbarstaaten – Russland sollte sich aber nicht fürchten, denn zwischen Moskau und Peking gibt es keine Widersprüche in Sachen Entwicklungsziele. Diese Meinung äußert der russische Auslandsexperte Timofej Bordatschow in einem Kommentar für die Zeitung „Iswestija“.

    „Bis vor kurzem war China dem Vermächtnis seines Reformers Deng Xiaoping gefolgt, der seinen Nachfolgern empfahl, sich bedeckt zu halten. Das Image eines Landes, das eine allgemeine Harmonie und einen Frieden anstrebt, war für erfolgreiche Wirtschaftsreformen unabdingbar (…) Generell war Chinas Außenpolitik zurückhaltend – besonders wenn es um eine Wahrscheinlichkeit ging, Interessen von wirklich einflussreichen Akteuren zu verletzen, unter denen die USA nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion eine zentrale Stelle einnahmen“, schreibt Bordatschow.

    Bisher sei es China also gelungen, die internationale Gemeinschaft von seiner „friedliebenden Exzeptionalität“ ziemlich effizient zu überzeugen, doch mittlerweile beginne sich die Situation zu ändern, so der Kommentar.

    Bei manchen Nachbarstaaten Chinas komme eine instinktive Angst vor dessen Aufstieg auf. Mit Ausnahme von Wladimir Putin habe kein einziger Großstaat-Spitzenvertreter das prunkhafte chinesische Forum der „Seidenstraße“ im Mai besucht – dies sei kein Zufall gewesen. In den Beziehungen mit China lege ausgerechnet Russland derzeit am meisten Zuversicht an den Tag und habe dabei weder einen Minderwertigkeitskomplex noch eine feindliche Haltung. Zwischen Peking und Moskau gebe es keine ideologische Rivalität – im Gegensatz zu der Sowjetzeit, als sie um die Führung im kommunistischen Lager gerungen hätten, hieß es.

    „Russlands ‚Freunde‘ im Westen prophezeiten, dass die Interessen von Moskau und Peking miteinander in Zentralasien kollidieren sollen. Doch in Wirklichkeit ist Russland eher an einer Stärkung der chinesischen Präsenz in dieser Region interessiert: Falls Investitionen aus China endlich kommen, werden sie Moskau zum Teil von den Sorgen um die soziale und wirtschaftliche Stabilität sowie um die Sicherheit zentralasiatischer Republiken befreien“, prognostiziert Bordatschow.

    Er postuliert weiter: „Was am wichtigsten ist, stehen die nationalen Entwicklungsziele Russlands und Chinas in keinem Widerspruch zueinander. Zwischen den beiden Ländern gibt es keinen objektiven Grund für Konkurrenz. Russlands militärische Mächtigkeit wird immer eine sichere Garantie dafür sein, dass das Land zu keinem Rohstoff-Anhängsel eines Partners wird. Deshalb hat Russland eine Stärkung Chinas nicht zu befürchten.“

    „Das neue mächtige China könnte die Welt nur in dem Maße gefährden, wie gefährlich die umliegende Welt selbst sein wird. Im Gegensatz zu Deutschland, dessen rasanter Aufstieg Anfang des vergangenen Jahrhunderts auf den Ersten Weltkrieg hinausgelaufen war, wird China von keinem drastischen Minderwertigkeitskomplex mehr heimgesucht. Sein weiterer Fortschritt könnte mithin zu einem friedlichen Übergang der internationalen Verhältnisse in einen gerechteren Zustand beitragen“, schreibt Bordatschow zum Schluss.

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    Tags:
    Analyse, Risiko, Militarisierung, Bedrohung, Supermacht, Wladimir Putin, China, Russland