17:54 17 Juli 2018
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    Chinesische und syrische Geschäftsleute besprechen Wiederaufbauprojekte in Syrien am 8. Mai  2017

    Deshalb wird China Syrien auch weiter unterstützen – Experte

    © REUTERS / Jason Lee
    Politik
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    Der französische Experte für geopolitische Angelegenheiten Pierre Picquart, der sich auf China spezialisiert hat, hat in einem Interview mit Sputnik die wichtigsten Trends der chinesischen Politik im Nahen Osten, und zwar die Einstellung Chinas gegenüber Syrien, analysiert.

    Am Montag hatte der chinesische Botschafter in Syrien, Qi Qianjin, geäußert, China werde Syrien humanitäre Hilfe auch weiter leisten. Diese Aussage kam vor dem Hintergrund der siebten Runde der zwischensyrischen Gespräche in der kasachischen Hauptstadt Astana.

    Im Gespräch mit dem französischen China-Experten Pierre Picquart wollte Sputnik wissen, ob das nur ein reiner Zufall war oder doch ein Zeichen, dass China sich als einer der Hauptakteure der internationalen Diplomatie im Nahen Osten behauptet.

    China wolle eine immer wichtigere Rolle im Mittleren Osten spielen — unter anderem auch deshalb, weil die zukünftige „ Seidenstraße", das Projekt „One belt, one road", auch über Länder des Mittleren Ostens verlaufen solle, die sich an der Schaffung dieser neuen Handelsrouten unmittelbar beteiligen würden, sagte Picqart.

     „China unternimmt Schritte zugleich in allen Richtungen und handelt dabei vorsichtig, denn es setzt sich möglicherweise nicht ganz gut mit der Lage im Mittleren Osten auseinander. Immerhin, ist China bei allen internationalen Verhandlungsplattformen dabei".

    Solch eine Stellung sei etwas Neues für das Mittlere Reich, sie sein aber durchaus logisch, betonte der Experte: Wenn auch China, im Unterschied zu Russland, keine Hegemonie in einer Weltregion beanspruche, sei es jedoch mit der Erstarkung seiner Rolle eines zukünftigen globalen Anführers danach bestrebet, eine führende Rolle bei den Gesprächen jeglicher Art immer aktiver zu spielen.

    Dabei unterscheidet Picqart drei Hauptrichtungen der diplomatischen Interessen Chinas: die Terrorbekämpfung, die territoriale Stabilität und den sozialwirtschaftliche Fortschritt.

    „China ist direkt mit der Terrorgefahr konfrontiert, denn diese auch an seiner westlichen Grenze besteht", so Picqart.

    Dabei gehe China einen besonderen Weg, um seine Ziele zu erreichen, betont er. Dieser Weg unterscheide sich von denen von Russland Europa und der USA.

     „Was die Diplomatie anbetrifft, ist die chinesische Vorgehensweise pragmatisch. Zuvor zog es vor, eine vorsichtige Stellung zu den internationalen Fragen einzunehmen, und respektierte die Regierung eines Landes. Jetzt aber wollen die Chinesen nicht mehr, dass andere ihnen diktieren, welche Politik sie in großen internationalen Fragen in Bezug auf große Konflikte und Weltmächte betreiben sollten".

    Zudem bekenne sich China nach wie vor zu dem Multilateralismus in der Diplomatie. „Gerade deshalb will es nicht eingreifen, wenn es um den Anführer oder um das politische Regime eines Landes geht", sagte Picqart. „China wird eine stabile Macht unterstützen und den US-Amerikanern und Europäern selbstverständlich nicht erlauben, Entscheidungen bei dem Verhandlungstisch alleinig zu treffen".

    Dabei verwies der Experte auf die fehlende Einigkeit unter den europäischen Ländern als ein Faktor, der zu dem Erfolg anderer Staaten beigetragen habe. „Bislang ist Europa nicht sehr gut aufgetreten und bleibt jetzt hinter anderen Ländern wie Russland oder China zurück. Europa verliert die InItiative in dieser Frage, und wenn wir ‚Europa ‘ sagen, dann meinen wir auch Frankreich", sagte er abschließend.

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    Tags:
    Unterstützung, humanitäre Hilfe, Nahosten, Syrien, China
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