17:38 13 Dezember 2017
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    Serbischer Ex-General Ratko Mladic während Bosnien-Krieges (Archivbild)

    Serbischer General vor Gericht: Den Haag hält wichtige Akten zurück

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    Wegen Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit steht der serbische Ex-General Ratko Mladic in Den Haag vor Gericht. Am 22. November wollen die Strafrichter ihr Urteil sprechen. Doch bleiben wichtige Details ungeklärt, bemängeln die Verteidiger.

    Die Verteidiger des Serben haben beantragt, die Urteilsverkündung zu verschieben: Der Angeklagte habe zwei Schlaganfälle und einen Herzinfarkt erlitten, sei gesundheitlich angeschlagen. Die Anwälte fordern, noch vor der Urteilsverkündung ein Gutachten über seinen Gesundheitszustand zu veröffentlichen. Es müsse geklärt werden, ob Mladic verhandlungsfähig sei.

    „Seit zehn Monaten schon versuchen wir zu erwirken, dass die Akten zugestellt werden und festgestellt wird, ob der General an der Verhandlung teilnehmen kann. Untersuchungen zeigen, dass er mehrere Schlagfälle erlitten hat. Den Großteil der Unterlagen haben wir erhalten, aber nicht alles. Für die genaue Einschätzung seines Zustands sind jedoch alle Akten nötig“, sagte einer der Verteidiger.

    Die Familie des angeklagten Generals fürchtet um seine Gesundheit und besteht auf eine medizinische Behandlung Mladics außerhalb des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien.

    Die Verteidiger hatten bereits die Arbeit der vom Strafgerichtshof bestellten Ärzte kritisiert. Zwei Jahre lang forderten die Anwälte von den Richtern eine Erlaubnis, den Angeklagten in einer russischen Herzklinik zu untersuchen – die Richter lehnten das Gesuch im Mai dieses Jahres ab: Es sei ungewiss, dass der Angeklagte nach der Behandlung zurückkehre.

    Anfang vergangenen Monats hatte die serbische Führung erklärt, alle notwendigen Voraussetzungen für eine Behandlung Mladics in Belgrad geschaffen zu haben.

    Das Verfahren gegen Ratko Mladic wurde im Mai 2012 am Den Haager Tribunal eröffnet. Ihm wird vorgeworfen, in den Jahren 1992 bis 1995 Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Bosnien und Herzegowina begangen zu haben. Damals befehligte der General die serbische Armee. Er wurde 2011 von der serbischen Führung verhaftet und anschließend nach Den Haag überstellt. Die Anklage fordert für den ehemaligen Oberbefehlshaber der serbischen Streitkräfte eine lebenslange Freiheitsstrafe.

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    Tags:
    Anschuldigungen, Völkermord, Urteil, Gericht, Ratko Mladic, Jugoslawien, Serbien, Bosnien-Herzegowina, Srebrenica, Niederlande
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