03:02 21 April 2019
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    Krater von einem mutmaßlichen Giftgasangriff auf die syrische Stadt Chan Scheichun (Archivbild)

    „Kein Bombenabwurf aus dieser Distanz“: Russland widerspricht UN zu Giftgasangriff

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    Russische Militärspezialisten haben im Bericht der Vereinten Nationen zum mutmaßlichen Giftgasangriff auf die syrische Stadt Chan Scheichun mehrere technisch-physikalische Ungereimtheiten entdeckt, die die Schuldzuweisung an die Regierungsarmee Syriens in Frage stellen.

    Vor allem könne die Behauptung nicht stimmen, dass es eine Su-22 der syrischen Luftwaffe gewesen sei, die Anfang April eine Fliegerbombe mit dem Nervengas Sarin in dem Ort abgeworfen habe, erklärte ein Vertreter des russischen Verteidigungsministeriums am Donnerstag auf einer extra einberufenen Pressekonferenz in Moskau.

    Bombenabwurf aus 5 km Entfernung unmöglich

    Das besagte Flugzeug sei in der Tat am 4. April 2017 zwischen 06.30 und 07.00 Uhr über der Gegend geflogen, jedoch in einer Entfernung von mindestens fünf Kilometer von Chan Scheichun, sagte der Sprecher.

    Deshalb habe ihm „jede physikalische Möglichkeit gefehlt“, über diesem Ort eine Bombe abzuwerfen.

    Krater untypisch

    Die Form des Kraters lasse überhaupt Zweifel daran aufkommen, dass Chan Scheichun von der Luft aus angegriffen worden sei, so der Sprecher weiter. Der Krater sei nämlich rechteckig, während eine von einem Flugzeug abgeworfene Bombe entweder einen elliptischen oder einen runden Trichter hinterlasse.

    Darüber hinaus sei der Asphalt eingedrückt. „Daraus kann geschlossen werden, dass der Sprengsatz zu dem Zeitpunkt seiner Explosion statisch auf der Asphaltoberfläche gelegen hat.“

    Mantel der „Bombe“ aus falschem Stahl

    Auch die Metallteile, bei denen es sich nach Darstellung der internationalen Ermittler um Bombensplitter handeln soll, rufen beim russischen Militär Bedenken hervor.

    „Alle Fliegerbomben werden aus hochlegiertem Stahl gebaut, der bei der Detonation des Sprengstoffes in kleine herumfliegende Teile zersplittert“, sagte der Sprecher. „Dieses Foto zeigt jedoch ein suspektes Blech, das als Überreste einer Bombe ausgegeben wird.“

    Die typischen Verbeulungen und Risse würden dafür sprechen, dass das Metall ziemlich plastisch sei. Das könne wiederum dafür sprechen, dass „die Munition selbstgebastelt wurde, etwa aus einem Wasserrohr.“

    Mutmaßlicher Giftgaseinsatz in Syrien: Russische Militärspezialisten entdecken technische Fehler im UN-Bericht
    © Sputnik / Wladimir Astapkowitsch
    Mutmaßlicher Giftgaseinsatz in Syrien: Russische Militärspezialisten entdecken technische Fehler im UN-Bericht

    Wenn beim Abwurf einer Fliegerbombe die Explosion ausbleibe und die Bombe in den Boden eindringe, durchbohre sie einen Kanal. „Der Durchmesser dieses Kanals entspricht dem Durchmesser der Bombe, wobei in dem Kanal unbedingt Bestandteile der Bombe übrig bleiben. Auf dem vorgestellten Bild sind weder der Kanal noch die Bestandteile der Bombe zu sehen.“

    Die Darstellung des Untersuchungsteams JIM platze, kommentierte Michail Uljanow, Abteilungsleiter Non-Proliferation und Rüstungskontrolle im russischen Außenministerium, der ebenfalls an der Pressekonferenz teilnahm. Er verwies darauf, dass bei der Explosion einer Bombe immer ihr Leitwerk im Krater übrigbleibe. „Ein Leitwerk ist aber auf keinem der Bilder zu sehen.“

    Syrische Rebellen hatten Anfang April rund 80 Tote und 200 Verletze bei einer Giftgas-Attacke in der Stadt Chan Scheichun gemeldet und die Regierungstruppen dafür verantwortlich gemacht. Die syrische Armee wies diese Vorwürfe zurück und sprach von einer Inszenierung.

    Trotz fehlender Schuldbeweise gegen die syrische Regierung feuerte die US Navy schon drei Tage später Dutzende Tomahawk-Raketen auf den syrischen Militärflugplatz Schairat ab. Am 26. Oktober präsentierte das gemeinsame Untersuchungsteam JIM der Vereinten Nationen und der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) einen Bericht zu dem Vorfall, in dem sie die Truppen der syrischen Regierung für die Attacke verantwortlich machen.

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    C-Waffen, Idlib, Syrien, Russland