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21:59 12 November 2019
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    Dogu Perincek (Archivbild)

    „Von Nato zu Russland“: Türkei zu Wechsel ihrer strategischen Interessen

    © AFP 2019 / Fabrice Coffrini
    Politik
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    Ankaras Entfernung von der Nato und seine Annäherung an Russland gewinnen laut dem Vorsitzenden der türkischen Vaterlandspartei (Vatan Partisi), Doğu Perinçek, an Tempo, sind jedoch nicht auf einen augenblicklichen Nutzen, sondern auf strategische Interessen zurückzuführen.

    Russland-Türkei-Partnerschaft hat nun strategischen Charakter

    „In absehbarer Zeit werden sich die Beziehungen zwischen Russland und der Türkei noch positiver entwickeln. Die Türkei ist in die Phase dauerhafter und stabiler konstruktiver Beziehungen nicht nur zu Russland, sondern auch zum Iran und Irak  eingetreten, bald auch zu Syrien. Dann wird es bereits unmöglich sein, auf diese Einigkeit zu verzichten, da sie strategisch ist“, sagte Perinçek am Donnerstag gegenüber RIA Novosti.

    Zudem bezeichnete er Russland als strategischen Partner für die Türkei, darunter auch hinsichtlich der Energiesicherheit.

    „Trotz des starken Druckes seitens der USA sind die Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern auf beiderseitig vorteilhafter Basis wiederhergestellt, sodass es zwischen unseren Ländern eine dauerhafte wirtschaftliche Grundlage gibt, wobei nicht taktische oder zeitweilige, sondern strategische“, betonte Perinçek.

    Wie er ausführte, haben die USA die in der Türkei verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und die mit ihr verbundene kurdisch-syrische Partei der Demokratischen Union (PYD) unterstützt und versuchen, Chaos im Land auszulösen.

    „Jetzt sehen wir, dass die USA direkt auf die Türkei losgegangen sind. Deswegen ist Ankara gezwungen, mit den Nachbarländern zusammenzuwirken, da es keinen anderen Weg hat. Der Führer der irakischen Kurden, Massud Barzani, hat mit nichtöffentlicher Unterstützung der USA versucht, einen unabhängigen Staat zu gründen, er hat ein Referendum durchgeführt, musste dann aber einen Monat später seinen Posten verlassen. Dieser Prozess wurde zum Scheitern gebracht. Ohne Hilfe der Türkei, Russlands und des Irans hätte der Irak die Kontrolle über die Situation verloren“, unterstrich der Politiker. 

    In Zukunft hat Ankara in der Nato nichts zu suchen

    Dank der Verhandlungen über die Regelung der Syrien-Krise in Genf und in der kasachischen Hauptstadt Astana ist die Bildung eines neuen euroasiatischen Pols laut Perinçek auf ein festes Gleis gebracht und von Russland, der Türkei, dem Iran übernommen worden. Dieser Prozess würde sich auch weiter fortsetzen und solche Länder wie Indien und China mitziehen.    

    „In Zukunft hat Ankara in der Nato nichts zu suchen. Diese Allianz stellt eine Bedrohung für Ankara dar. Die Türkei pocht an die Tür der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit. Eurasien besitzt nun für die Türkei eine strategische Bedeutung.“

    Ankara sehe, dass sich Russland, die Nahost-Länder, Indien, China, die ehemaligen Republiken der Sowjetunion auf der eurasischen Basis vereinigten. Die Nato-Versuche, mit Hilfe der Situation um die Krim diesen Prozess zu behindern, würden erfolglos bleiben.

    „Dafür müssen aber alle konstruktiv agieren, was auch Russland selbst betrifft“, so der Politiker.

    Anerkennung der Krim als Teil Russlands kann schnell gelöst werden

    Insbesondere nannte Perinçek die Erhaltung der territorialen Integrität Russlands, des Iraks und der Türkei eine vorrangige und zugleich gemeinsame Aufgabe für die drei Länder.

    „Das Projekt zu ihrem Zerfall ist bei weitem nicht neu: Es wirkt noch seit dem Ersten Weltkrieg. Der sowjetische Führer Wladimir Lenin hatte dem ersten türkischen Präsidenten Mustafa Kemal Atatürk eine große militärische Unterstützung erwiesen, als die Triple Entente (von Russland, Frankreich und Großbritannien in den Jahren 1907-1918 – Anm. d. R.) die Türkei zergliedern wollte“, so der Politiker.

    Das türkische Volk habe diese Unterstützung nicht vergessen, die mit dem Denkmal an einem zentralen Platz in Istanbul verewigt worden sei, wo die Skulpturen von Atatürk, dem sowjetischen Marschall Kliment Woroschilow und dem ersten sowjetischen Botschafter in der Türkei, Semjon Aralow, stünden. Diese noch zu  Atatürks Zeiten begonnene strategische und historische Brüderschaft stehe nun wieder auf der Tagesordnung. 

    Dennoch gebe es sowohl in Russland als auch in der Türkei gewisse Kräfte, die sich mit dem Scheitern der bilateralen Beziehungen befassen, keine Annäherung beider Länder wollen und dem stets Hindernisse in den Weg legen.    

    Seiner Auffassung nach hat die Ukraine keine Möglichkeiten, die Annäherung Russlands und der Türkei sowie die Anerkennung der Krim als Teil Russlands durch die Türkei zu verhindern.

    „Eine äußere Kraft hat die Ukraine von Russland abgerissen. Das ist eine absolut künstlich geschaffene Situation, aber künstlich gegründete Gebilde bestimmen ja nicht den Lauf der Geschichte. Die Ukraine kann die unvermeidliche Annäherung Russlands und der Türkei nicht stören, darunter auch nicht in der Krim-Frage, zumal wir in nächster Zeit Zeugen einer Verringerung des Einflusses der USA auf die Ukraine sein werden. Diese wird unbedingt gezwungen sein, ihren Platz im eurasischen Raum einzunehmen“, sagte der Politiker abschließend.

    Recep Tayyip Erdogan (i.d. Mitte) und Petro Poroschenko (r.) beim offiziellen Treffen in Kiew, Ukraine
    © Sputnik / Pressedienst des ukrainischen Präsidenten/ Mikhail Palintschak
    Die Vatan Partisi (Vaterlandspartei),  die  bis Anfang 2015 als İşçi Partisi (Arbeiterpartei) bekannt war,  ist eine kemalistische und nationalistische Partei in der Türkei. Sie ging ursprünglich aus der Arbeiter- und Bauernpartei der Türkei (TİKP) und der Revolutionären Arbeiter- und Bauernpartei der Türkei (TİİKP) hervor. Geführt wird sie von Doğu Perinçek. Bei den Parlamentswahlen 2002 erreichte die Arbeiterpartei 0,52 Prozent der Stimmen, bei den Parlamentswahlen 2007 0,36 Prozent.  Die Umbenennung zur Vatan Partisi erfolgt im Februar 2015.

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    Tags:
    Partnerschaft, Vatan Partisi Vaterlandspartei, Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Massud Barzani, Doğu Perinçek, Kasachstan, Syrien, Irak, Iran, USA, Türkei, Russland