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    Italiens Wiedergeburt: Ohne EU und NATO, dafür mit Russland – Experte

    © Sputnik / Iliya Pitalev
    Politik
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    Lorenzo Valloreja, politischer Analyst aus Italien, hat ein Buch geschrieben, in dem er Italien auffordert, die EU und die Nato zu verlassen und zu einem Verbündeten des „Putinschen Russland“ zu werden. Die Gründe dafür erläuterte er in einem Interview mit Sputnik.

    Laut dem Verfasser sollen die Ideen seines Buches, das im Dezember 2017 dem italienischen Senat vorgelegt werden soll, „zur Wiedergeburt von Italien beitragen".

    Er habe zunächst, wie alle jungen Leute in den 70er und 80er Jahren, von dem „europäischen Traum" gelebt, erinnert sich der 42-Jährige. Er und seine Altersgenossen seien damals überzeugt worden, dass das einheitliche Europa sie „von allen Übeln erlösen" werde.

    Seit den 90er Jahren sei es aber klar gewesen: Europa sei bereits ein Gegensatz zu dem, was versprochen worden sei:

    „Wir sind von den europäischen Institutionen enttäuscht worden. Die nationalen Medien sprechen zwar nicht davon, wenn man sich aber mit den einfachen Leuten auf der Straße unterhält, wird alles klar."

    Als Historiker habe er die Gründung der EU, die Einführung des Euro und den Beitritt seines Landes zur Nato erforscht und sei auf Probleme Italiens aufmerksam geworden, so Valloreja: Momentan sei Italien an Händen und Füßen gebunden, und diese Fesseln ließen das Land nicht normal leben.

    Die EU sei zum Vorteil von Frankreich und Deutschland geschaffen worden, ist er sich sicher: „Starke Einschränkungen wurden unter anderem auch in der landwirtschaftlichen Politik eingeführt. Deutschland und Frankreich verfolgen systematisch ihre Interessen. Die italienischen Interessen unterscheiden sich jedoch von diesen. Man kann sogar sagen, sie sind entgegengesetzt".

    Euro-Austritt: Keine Angst vor Abwertung

    Als Befürworter des Austritts aus der Euro-Zone bewertete Valloreja nach eigenen Angaben in seinem Buch auch die möglichen Gefahren eines solchen Austritts:Risiken könnte es nach seiner Ansicht nur dann geben, wenn Italien die EU allein verlassen und isoliert bleiben würde.  

    „Die Bank von Italien ist heutzutage, nach den Reformen der 80er und 90er Jahre, von der Regierung unabhängig. Es wird keine Probleme geben, wenn wir mit der Nationalisierung der Bank beginnen und Goldreserven zurückkaufen werden, die zur Zeit von den Privatbanken verwaltet werden."

    Selbst vor einer Abwertung hat Valloreja offenbar keine Angst, denn diese werde ein Ausfuhrwachstum zur Folge haben. Probleme mit der Emission einer neuen Währung werde es also nicht geben. „Exporte sind für Italien sehr wichtig. Der Euro hat dieses System aber beeinträchtigt", bedauert er. Selbstverständlich sei ein Alleingang im Bereich des Euro-Austritts tödlich für Italien, gibt der Politologe zu. Auch deshalb handle das vierte Kapitel seines Buches von der Notwendigkeit, mit Russland zu kooperieren.

    Nato-Austritt: Keine kriege gegen Handelspartner

    Einen Nato-Austritt hält Valloreja für ebenso wichtig für sein Land wie den Verzicht auf die gemeinsame europäische Währung und findet auch gute Gründe dafür: Als ein Nato-Land sei Italien gezwungen gewesen, einen Krieg gegen verbündete Länder zu führen, wie beispielsweise gegen Libyen. Dieses Problem sei auch jetzt noch nicht vom Tisch: „Heutzutage sehen wir Probleme mit dem Iran, einem der wichtigsten Handelspartner unseres Landes. Sollte die Administration Trump einen Krieg im Iran entfesseln, würden wir auch daran teilnehmen müssen."

    Zudem verweist der Experte auf die weitere Nato-Osterweiterung, die für Russland besorgniserregen sei: „Seit langem gibt es keinen Kalten Krieg mehr, aber es wird alles gemacht, um diesen erneut zu entfesseln, indem beispielsweise großangelegte Nato-Militärübungen in den baltischen Ländern durchgeführt werden."

    "Wir wollen kein Alptraum für Russland sein"

    Russland sei heutzutage eine Vetomacht und ein friedliches Land, das keine Expansion anstrebe und das für Italien ein Partner auf den höchsten Ebenen werden könne, hebt Valloreja hervor. Er hoffe darauf, dass Italien engere Beziehungen mit Moskau anknüpfen werde, denn gemeinsam würden die beiden Länder die geopolitische Situation in der Mittelmeerregion ändern können:  

    „Wir werden das geopolitische Szenario ändern können, wenn wir uns mit Russland sowohl auf der wirtschaftlichen als auch auf der militärischen Ebene verbünden werden. Unsere Beziehung sollte stärker sein, sie soll aber nicht 'erwürgend' sein wie die Beziehungen in der EU oder bei der Nato. Wir wollen kein Alptraum für Russland sein, wir wollen einen Dialog mit ihm aufbauen und einander durch den Warenumsatz wirtschaftlich unterstützen."

    Er teile auch die Meinung, dass die Anti-Russland-Sanktionen die Entfremdung Russlands von Europa fördern, so Valloreja. Russland gehöre zu Europa, aber „wir zerstören unsere eigene Kultur für einen gewissen Westen". Er trete zwar für ein einheitliches Europa ein — jedoch für Europa, wie es ursprünglich konzipiert worden sei — mit engeren Beziehungen zwischen den Ländern und Völkern. In der heutigen Form könne Europa allerdings nicht weiter bestehen.

    „Russland sollte zu einem Bestandteil von diesem Europa werden — das wird aber nie passieren, denn die Europäische Union sieht keine Gleichheit der Länder vor. Deutschland hat sein eigenes Gewicht, Frankreich hat ein anderes Gewicht und so weiter", so Valloreja.

    Falls Russland der EU beitreten würde, würde es Deutschland etwas zurückdrängen, was Berlin jedoch nicht zulassen würde. Deshalb sollte Italien die EU, die Nato und die Euro-Zone verlassen, so Valloreja weiter. „Unser Land soll sich völlig für Russland öffnen und die Sanktionen aufheben. Wir können zu Bahnbrechern werden, und andere Länder werden uns dann folgen. Wir werden nicht allein bleiben — dafür wird aber Mut gebraucht."

    Sein Buch „Al di là del pregiudizio" (zu dt.: „Außerhalb der Vorurteile") wird Lorenzo Valloreja im Dezember im italienischen Senat vorstellen. Die Senatorin Paola De Pin und Professor Nino Galloni sollen ihm dabei helfen.

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    Tags:
    Verbündete, Eurozone, Euro, Austritt, EU, NATO, EU, Italien, Russland