17:53 25 Oktober 2020
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    Die politische Konfrontation zwischen Saudi-Arabien und dem Iran ist in letzter Zeit eskaliert. Russische Experten, die von der Onlinezeitung vz.ru befragt wurden, beschäftigen sich mit der Frage, ob ein direkter Militärkonflikt möglich wäre.

    Der russische Orientalist Boris Dolgow sagte der Onlinezeitung: „Die jüngsten Ereignisse – besonders der Raketenbeschuss Saudi-Arabiens vom jemenitischen Territorium aus – haben sowohl die Situation in der Region im Allgemeinen als auch die Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran offensichtlich zugespitzt.“

    In der vergangenen Woche hatten jemenitische Huthi-Rebellen eine ballistische Rakete in Richtung Riad abgefeuert. Nach saudischen Angaben wurde die Rakete rund 35 Kilometer nördlich der Stadt abgeschossen. Die von Saudi-Arabien geführte arabische Militärkoalition gab dem Iran die Schuld und warf ihm vor, die Huthi mit solchen Raketen sowie mit weiteren Waffen versorgt zu haben. Wie es hieß, behält sich Saudi-Arabien das Recht auf eine Antwort vor.

    Die Iraner wiesen den Vorwurf zurück. Dolgow erläuterte nun für vz.ru: „Die Regierung in Teheran streitet militärische Unterstützung für die Huthi-Bewegung ab, unterstützt die Huthi jedoch offen diplomatisch und politisch, indem sie auch humanitäre Güter liefert.“

    Der Experte sagte weiter, Saudi-Arabien habe 2014 in den jemenitischen Konflikt eingegriffen. Die Luftangriffe der Saudi-geführten Koalition hätten „buchstäblich zu einer humanitären Katastrophe im Jemen“ geführt. „Mehr als 20.000 Zivilisten kamen ums Leben. Die Infrastruktur (darunter Wasserversorgungs- und  Kläranlagen) wurde zerstört, was eine Cholera-Epidemie verursachte, die ebenfalls tausende Todesopfer forderte“, so Dolgow.

    Im Gegenzug nahmen die Huthi laut Dolgow mit ihren Raketen das saudische Territorium ins Visier: „Der jüngste Raketenbeschuss war nicht der erste Zwischenfall von dieser Art. Zuvor waren zwei Ölraffinerien in Saudi-Arabien zerstört worden.“

    „Ich denke nicht, dass Saudi-Arabien einen offenen Militärkonflikt mit dem Iran eingehen wird, denn dieser hat ein ziemlich wesentliches Militärpotenzial. Ein Konflikt läge nicht im Interesse Saudi-Arabiens, denn er könnte sich auch nicht zugunsten Riads entwickeln (obwohl die USA hinter dem Königreich stecken und US-Militärberater im Land präsent sind)“, prognostizierte Dolgow.

    Auch der russische Nahost-Experte Semjon Bagdassarow hält einen direkten saudischen Militärangriff auf den Iran für kaum wahrscheinlich. Aus seiner Sicht wäre aber ein Zusammenstoß in Syrien möglich – etwa in dessen südlichen Gebieten nahe der jordanischen und irakischen Grenze.

    Bagdassarow erläuterte, die Kontrolle über diese Gebiete werde derzeit sowohl von den syrischen Regierungstruppen angestrebt als auch von der schiitischen Hisbollah. Jenseits der Front sei indes ein Teil der syrischen Opposition eng mit Saudi-Arabien verbunden.

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    Experten, Huthi, Folgen, Krieg, Konflikt, Jemen, Iran, Saudi-Arabien