19:27 15 Dezember 2019
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    US-Präsident Donald Trump in China (Archiv)

    Trumps besondere Funktion: „Er gewöhnt die Welt untergründig daran, dass…“

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    Politik
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    Mit seinem provokativen Vorgehen erfüllt Donald Trump eine wichtige Funktion für die US-Außenpolitik. Davon werden womöglich auch seine weniger auffälligen Amtsnachfolger profitieren. Diese Meinung vertritt der russische Auslandsexperte Fjodor Lukjanow.

    In einem Gastbeitrag für die Zeitung „Iswestija“ postuliert Lukjanow: „Der außenpolitische Kurs der USA, der nach dem Kalten Krieg betrieben worden war und eine globale Führung Amerikas als Axiom vorausgesetzt hatte, lief sich tot.“

    „Einerseits versteht ein wesentlicher Teil der Bevölkerung nicht mehr, wozu man diese Globalisierung in all ihren Erscheinungsformen (von Kriegen in Übersee bis hin zur Produktionsverlegung in fremde Länder) überhaupt braucht“, erläutert Lukjanow.

    Andererseits stoße die Welt-Hegemonie auf eine zunehmende „Werkstofffestigkeit“: „Das internationale Milieu wurde immer gefährlicher – und die Fähigkeit der dominierenden Macht, dieses Milieu zu zähmen, ging schnell zurück.“ 

    Eine Wende zu einer weniger ambitionierten Agenda sei also herangereift: „Das hat bereits Barack Obama begriffen. Er änderte zwar nicht die pathetische Rhetorik zum Thema globale Führung, begann aber de facto, die Ambitionen abzubauen oder zumindest umzuformatieren. Die Beibehaltung des früheren Vokabulars hinderte ihn allerdings an einer drastischen Kursänderung. Dabei war Obama als wohlanständiger Vertreter des Partei- und Staats-Establishments nicht in der Lage, auf jenen Wortschatz zu verzichten.“

    Donald Trump sei gerade rechtzeitig zupass gekommen. Der „Milliardär von nebenan“ nehme kein Blatt vor den Mund – egal, ob er mit Gegnern oder mit Verbündeten spreche. Er falle von einem Extrem ins andere und sei zuweilen dermaßen karikiert, dass es nicht klar sei, ob seine Worte und Taten ernstgenommen oder als Trollen betrachtet werden sollten. Dabei verschärfe der US-Mainstream bewusst die Situation, indem er sofort jeden Schritt von Trump attackiere und dessen Fauxpas öffentlich verspotte, hieß es.

    Zwar gehöre all dies zum Machtkampf, indem die vom Parvenü erschreckte Elite Maßnahmen treffe, um die Ordnung wiederherzustellen: „Doch allem Anschein nach geht es nicht nur darum. Trump erfüllt eigentlich die Funktionen einer Abrissbirne, deren Bestimmung darin besteht, schäbige Baulichkeiten von einem Gelände zu räumen“.

    „Dass er alles auf Null stellt, darf man nicht sagen: Abgesehen von seinem provokanten Stil ist Trump von vielen traditionellen Postulaten der Republikaner nicht so weit entfernt wie es scheint. Doch er ‚erweitert das Bewusstsein‘, baut den Rahmen des Möglichen und des Erlaubten aus, was das Vorgehen der USA in der Welt betrifft. Im Falle eines Falles kann man dem behämmerten Thronräuber die ganze Schuld zuschieben. Doch er gewöhnt die Welt untergründig daran, dass man nun von Amerika praktisch alles Beliebige erwarten kann“, so Lukjanow.

    Trumps Amtsnachfolger im Weißen Haus werde mit Sicherheit „konventioneller“ sein. Verbal werde die Norm wiedereinkehren: „Doch der erweiterte Rahmen wird bleiben, wobei sich alle ringsum daran gewöhnen werden, dass die Vereinigten Staaten fähig und bereit sind, in einem sehr breiten Spektrum zu handeln.

    Was bei Trump in einem sehr konzentrierten Maße zum Vorschein kommt (sein unverhohlener Merkantilismus, ein Engagement für das geradlinig verstandene Nationalinteresse, sein Verzicht auf die Einhaltung allgemeingültiger Regeln) wird in einer höflicheren und mehr aufpolierten Form weiter bestehen.“

    Allerdings sei es schwer zu prognostizieren, ob dies nicht nur auf Papier, sondern auch in der Praxis klappen werde. Denn Trumps waghalsiger Stil sei in der Lage, nicht nur die eigentliche Baustelle zu erweitern, sondern auch viele wichtige Gebäude in der Nähe zufällig abzureißen. Der Hass des US-Establishments gegenüber Trump könne außerdem die ganze parteipolitische Konstruktion ins Wanken bringen, so der Kommentar.

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    Kurs, Experte, Donald Trump, USA