01:26 01 April 2020
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    Die Luftwaffe des Iran besteht vorwiegend aus veralteten Flugzeugen, viele davon aus US-Produktion. Die US-Sanktionen machten die Wartungsarbeiten für die Iraner fast unmöglich. Dies hatte eine Folge, mit der die USA kaum gerechnet hatten. Darüber sprach der iranische Militärexperte Seyyed Mostafa Khoshcheschm gegenüber Sputnik.

    Die Kampfflugzeuge im Iran sind veraltet: Kampfjets des Typs F-4 und F-5, die in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts in den USA entwickelt worden waren, F-7-Jets (eine chinesische Nachbildung des alten sowjetischen Flugzeugs MiG-21) sowie Kampfjets vom Typ F-11, Su-20, Su-24 und MiG-29. Darüber hinaus sollen viele Maschinen der iranischen Luftwaffe gar nicht mehr betriebsfähig sein.

    Zahlreiche Kampfjets waren noch Mitte des 20. Jahrhunderts aus den USA geliefert worden. Damals waren die iranischen Luftstreitkräfte den USA komplett untergeben: Die Iraner durften nicht einmal ihre Flugzeuge warten. Doch nach der islamischen Revolution 1979 änderte sich die Situation dramatisch: Der Iran kündigte alle Verträge mit Washington auf. Die USA reagierten mit Sanktionen.

    Laut Seyyed Mostafa Khoshcheschm schaden die USA ihrer eigenen Wirtschaft, indem sie die  Sanierungsarbeiten für ihre Kampfjets im Iran verbieten. 

    „Während des Ersten Golfkriegs haben die USA, die Saddam Hussein unterstützten, alles dafür getan, um den Iran daran zu hindern, Ausrüstung und Ersatzteile für Flugzeuge zu erlangen. Sie verlängerten die Sanktionen und zwangen die internationale Gemeinschaft zum Druck auf den Iran“, so Khoshcheschm.

    Wegen des entstandenen Mangels an Ersatzteilen sei Teheran mit Wartungsproblemen konfrontiert gewesen. „Es wurde beschlossen, die Ersatzteile auf dem freien Markt zu erwerben. (…) Doch die Sanktionen der Kriegszeit waren derart hart, dass sogar irgendeine iranische Fabrik, die zwei mit Stacheldraht beladene Lastwagen aus dem Ausland bestellte, diese nicht über die russische oder die ukrainische Grenze bringen konnte – wegen des Verdachts, der Stacheldraht könnte zu militärischen Zwecken eingesetzt werden.

    Von Ersatzteil-Herstellung hin zu ballistischen Raketen

    Der Iran sei daher gezwungen gewesen, die notwendigen Ersatzteile selbst nachzubauen. „Viele US-amerikanische Ersatzteile wurden in unserem Land nachgebaut und erfolgreich an Flugzeugen installiert“, so der Experte weiter. „Wegen der anhaltenden Sanktionen hat sich diese Technologie bei uns entwickelt: Ein Land, das bisher keine einzige Patrone herstellen konnte, erreichte ein Niveau, das selbst in den USA wegen der ballistischen Raketen für Unruhe sorgte.“

    So sei es auch bei der iranischen Luftwaffe der Fall gewesen: Das Land stelle nicht nur Teile für die Wartung von Flugzeugen her, sondern habe beim Bau anderer Teile Selbstständigkeit erlangt. „So ist der Iran derzeit zum Beispiel eines der wenigen Länder, die Boden- und Flugzeug-Radare produzieren.“

    Außerdem seien auf US-Flugzeugen im Iran die Radare ausgewechselt worden: „Mit anderen Worten sind auf diesen Flugzeugen schon seit zwei Jahren Radare installiert, die im Iran projektiert und gebaut wurden.“ Es sei zudem die Bewaffnung von Flugzeugen nachgebessert worden, was unter anderem Laserbomben und schwere „kluge“ Bomben wie „Qased“ betreffe.

    US-Sanktionen als Treibkraft der iranischen Technologien

    Wenn Washington mit seinen Sanktionen der iranischen Rüstungsbranche einen harten Schlag versetzten wollte, hat es sich laut dem Experten mächtig verschätzt.

    „Dank den US-Sanktionen hat der Iran einen großen Erfolg im Nachbau erzielt, insbesondere in der Rüstungsbranche“, so der Militärexperte. „Unser Land hat die US-Drohne RQ-170 abgefangen und erfolgreich gelandet. Innerhalb von zwei Jahren wurde ein verbessertes iranisches Flugzeug nachgebaut, das später in Produktion ging.“ Dabei könne die iranische Variante im Gegensatz zu ihrem US-Vorgänger nicht nur für Aufklärungs-, sondern auch für militärische Zwecke eingesetzt werden.

    Folgen der US-Sanktionen für den Iran

    Hätten die Amerikaner geahnt, dass der Iran infolge der Sanktionen unterschiedliche Flugsimulatoren und sogar Hubschrauber, darunter auch des Typs Bell, bauen würde, hätten sie diese Einschränkungsmaßnahmen nie verhängt, ist der Experte überzeugt.

    „Die Amerikaner hatten gedacht, dass der Iran und seine Luftwaffe zwei Jahre nach der Revolution wegen des Kriegs mit dem Nachbarland, das von 37 Staaten unterstützt wurde, unbedingt zurückweichen würden. Aber wie wir jetzt sehen können, haben sich ihre Pläne nicht bewahrheitet“.

    Das sei auch heute der Fall: Die Ziele, die die USA verfolgten, wie die Absetzung der Macht im Iran, würden den mit den Sanktionen und dem Fehlen von US-Firmen im Iran verbundenen Problemen nicht gleichkommen.

     

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    Tags:
    Rüstungsindustrie, Kampfflugzeug, Sanktionen, Iran, USA