03:36 16 Dezember 2019
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    Serbische Militärs bei Siegesparade in Moskau (Archivbild)

    Ein Streit mehr: Warum geht Kiew jetzt auf Belgrad los?

    © Sputnik / Wladimir Wyatkin
    Politik
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    Die Ukraine ist um ein Land „reicher“, auf das sie nicht gut zu sprechen ist. Kiew scheint jetzt nämlich seine Beziehungen zu Serbien zu verderben – aus politischem Kalkül, wie die Zeitschrift „Expert“ schreibt.

    Ein triftiger Grund für diese Schimpftirade ist auf Anhieb nicht zu erkennen. Trotzdem wetterte der ukrainische Botschafter in Belgrad:

    „Russland bereitet serbische Söldner auf den Mord an Ukrainern vor. Russland benutzte serbische Extremisten für den Umsturz in Montenegro… Ist es das, was das serbische Volk wirklich will?“

    Und ob das serbische Volk sich von Russland dafür benutzen lasse, Europa zu vernichten, fragte der ukrainische Botschafter Alexander Alexandrowitsch im Interview mit serbischen Medien.

    Ukrainischer Präsident Petro Poroschenko bei Truppenbesuch (Archivbild)
    © Sputnik / Pressedienst des ukrainischen Präsidenten/ Mikhail Palintschak
    Kein Wunder, schreibt das Blatt, dass Serbiens Führung mit einer klaren Ansage auf dieses Interview reagiert und den serbischen Botschafter aus der Ukraine abgezogen habe.

    Als Auslöser für diese Auslassungen könnte man ja laut dem Blatt eine Sendung von Radio Free Europe betrachten. Im Oktober hatte der Hörfunksender über serbische Freiwillige berichtet, die für die beiden selbsternannten Volksrepubliken im Donbass kämpfen.

    Doch dass es solche Freiwilligen – im Kiewer Jargon: Söldner – gebe, sei kein Geheimnis. Wie es auch kein Geheimnis sei, in welch schwierige Lage Belgrad wegen der Beteiligung serbischer Bürger an den Kampfhandlungen in der Ostukraine geraten sei, schreibt die Zeitschrift.

    Denn einerseits kommt Belgrad nicht umhin, die Stimmung in der serbischen Bevölkerung zu berücksichtigen, wie das Blatt schreibt. Der bewaffnete Konflikt in der postsowjetischen Ukraine hat bei den Serben nämlich auf Anhieb die Erinnerung an ihre eigenen Kriege wachgerufen.

    Serbiens Kapitulation und die anschließende Übergabe seiner eigenen Leute an das Tribunal in Den Haag ist laut dem Blatt ein in der serbischen Bevölkerung unvergessenes Trauma. Und es schmerzt umso mehr, als dass ein mehr oder weniger überzeugender Ausgleich des Westens für diese Auslieferung ausgeblieben ist.

    Unter diesen Umständen habe es auch eine gesellschaftstherapeutische Funktion, dass Belgrad die serbischen Freiwilligen im Donbass gewähren lasse. Denn:

    „Nur mit Appellen, die Vergangenheit zu vergessen und an die europäische Zukunft Serbiens zu denken, kommt man nicht weit“, so das Magazin.

    Belgrad müsse also auch Washington und Brüssel im Auge behalten.

    Diese scheinen die Schwierigkeit der Lage, in der sich die serbische Führung befindet, erkannt zu haben, wie die Zeitschrift schreibt. Auf Druckausübung wird verzichtet. Wo soll den Serbien auch hin? Die Eurointegration – und dann vielleicht auch bald der Nato-Beitritt – der Balkanländer würden schon ihren Lauf nehmen – so denkt man offenbar im Westen über Serbien laut dem Blatt. Doch Kiew will es offenbar darauf ankommen lassen.

    Die Motive der ukrainischen Führung liegen laut dem Blatt auf der Hand: Die ukrainische Gesellschaft müsse bald die Minsker Abkommen „schmerzhaft hinnehmen“. Präsident Poroschenko wird sich mit dem Vorwurf konfrontiert sehen, er habe die Nationalinteressen seines Landes verraten. Da kommen aufsehenerregende, aber eigentlich folgenlose „Konflikte“ mit den Nachbarländern – und jetzt auch mit Serbien – dem ukrainischen Präsidenten gerade recht, wie das Blatt schreibt.

    Poroschenko müsse seinen Wählern schließlich vermitteln, dass er vor den Feinden keinen Schritt zurückweichen werde, so die Zeitschrift. „Hierbei ist jedoch wichtig, sich nicht zu verspielen“ – auf dass eine Fake-Feindschaft nicht zu einer echten werde. „Aber davor hatte Poroschenko, wie es aussieht, noch nie wirklich Angst.“

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    Tags:
    Skandal, Botschafter, Vorwürfe, Söldner, Russland, Ukraine, Serbien