22:53 22 November 2017
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    Linke-Spitzenpolitikerin Sahra Wagenknecht (Archiv)

    Nicht alltäglich: Konservativer Gauweiler (CSU) lobt linke Top-Frau Wagenknecht

    © AP Photo/ Hermann J. Knippertz
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    Peter Gauweiler (CSU) stellt in Berlin das neue Buch der linken Spitzenpolitikerin Sahra Wagenknecht vor: „Couragiert gegen den Strom. Über Goethe, Macht und die Zukunft“. Sputnik war vor Ort, beobachtete den skurrilen Abend – und Gemeinsamkeiten in politischen Fragen zwischen dem Duo und Altmeister Johann Wolfgang von Goethe.

    Vor über 500 Zuschauern betritt Peter Gauweiler am Donnerstagabend in der „Urania“ in Berlin ein Podium mit der linken Top-Politikerin Sahra Wagenknecht. Dort fand eine Buchvorstellung der etwas anderen Art statt: Der konservative Gauweiler, langjähriger CSU-Vizevorsitzender und von 2002 bis 2015 im Bundestag, stellte das neue Buch der linken Top-Politikerin vor. Am Rande der Veranstaltung gaben beide Politiker Exklusiv-Interviews für Sputnik.  

    Er kenne und schätze die Chefin der Linksfraktion schon lange. „Als ich noch im Bundestag war, bin ich bei Reden von Sahra immer rausgegangen. Weil ich sonst zuviel geklatscht hätte.“ Das Buch sei ein optimistisches, politisches Buch. „Zunächst könnte man ja als Konservativer sagen: Jetzt fangen die Linken schon mit Goethe an. Aber der gehört doch uns! Bis man dann ins Buch schaut: Sahra spricht im Buch über den Kern des Linksseins.“ Dieser Kern bestehe aus Verteilungsfragen, aus Fragen der sozialen Gerechtigkeit.

    War Goethe links?

    „Goethe wird normalerweise nicht links verortet“, kommentierte Wagenknecht ihr neues Werk.

    „Aber er hat in einer prophetischen Weise die heutigen Probleme der Gesellschaft vorausgesehen.“ Diese heutigen Problemfelder seien: Umverteilung von Arm nach Reich, soziale Ungerechtigkeit, ein immer mehr ausufernder Turbo-Kapitalismus. „Was ich immer an Peter Gauweiler erfrischend und sympathisch fand: Er hat gerade in Grundfragen wie in der Russland-Politik, Außenpolitik oder auch Finanzpolitik feste Prinzipien, die auch mir entgegenkommen“, sagte die Linke weiter.

    Wagenknecht hob auf der Veranstaltung die hohe Bedeutung der deutsch-russischen Beziehungen hervor: „Deutschland muss ein gutes Verhältnis mit Russland anstreben. Wir müssen aus der Spirale des Kalten Kriegs raus, damit kein Atomkrieg entsteht.“ Sie finde die aktuelle, öffentliche Russland-Debatte unehrlich: „Es geht um die Frage: Ob wir in Krieg oder Frieden mit Russland leben wollen.“ Der Westen müsse sich da entscheiden.

    „Wollen wir von Staaten oder Unternehmen regiert werden?“

    Das Duo aus zwei unterschiedlichen politischen Lagern sprach aktuelle, drängende Themen an. Beim Stichwort Globalisierung sagte der CSU-Politiker: „Wollen wir von Staaten oder von Unternehmen regiert werden?“ Auch die Einwanderungspolitik der Linken wurde thematisiert. „Beim geplanten Einwanderungsgesetz geht es nicht um Humanität, sondern da geht es um Heuchelei“, kritisierte Wagenknecht. Es gehe im Kern darum: Deutschland wolle nur die Fachkräfte aus Entwicklungsländern, wie Fachärzte aus Nigeria, abwerben. „Zynischer geht es nicht mehr.“

    Gauweiler äußerte sich kritisch zu Wahlen und Parteien: „Es finden Wahlen statt, obwohl das Wahlrecht ausgehöhlt wird. Es finden Wahlen statt – und danach halten sich die Parteien nicht an ihre eigenen Programme.“ Das sei das Ende der Demokratie. Das sei auch mit ein Grund für seinen Mandatsverzicht, seinen Rückzug aus dem Bundestag im März 2015 gewesen.

    Sahra Wagenknecht, mit‎ Florian Rötzer: „Couragiert gegen den Strom: Über Goethe, die Macht und die Zukunft“, Westend Verlag, 224 Seiten, 1. Auflage September 2017

    Alexander Boos und Jens Klemke

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    Buch, CSU, Die LINKE-Partei, Peter Gauweiler, Sahra Wagenknecht, Deutschland
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