21:33 22 November 2017
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    Schloss Schwalbennest auf der Krim (Archivbild)

    Dann eben zu Fuß: Experte über Kiews Vorschlag zu Zugverkehr-Stopp nach Russland

    © Sputnik/ Konstantin Chalabov
    Politik
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    Der Vorschlag des Beauftragten des ukrainischen Präsidenten auf der Krim, Boris Babin, die Zugverbindung nach Russland einzustellen, spiegelt laut dem Wirtschaftsexperten Andrej Susdalzew die Stimmungen in Kiew wider, dem zufolge die Arbeitsmigration ukrainischer Bürger nach Russland Landesverrat ist.

    Babin hatte zuvor in einem Beitrag für die Wochenzeitung „Serkalo Nedeli“ vorgeschlagen, die Zugverbindung nach Russland einzustellen. Das russische Portal rueconomics schrieb in diesem Zusammenhang, dass die Einnahmen von in Russland tätigen ukrainischen Gastarbeitern eine der Hauptquellen der Deviseneingänge der Ukraine seien. Das ermögliche dem Land, die Illusion einer finanzwirtschaftlichen Stabilität zu schaffen.

    Die Tatsache, dass allein in diesem Jahr bislang mehrere Millionen Ukrainer nach Russland gereist seien, um dort zu arbeiten, sei dabei Gegenstand der ständigen politischen Spekulationen, darunter auch von Babin. 

    „Diese Aussagen von Babin spiegeln die Stimmungen in der ukrainischen Führung sowie eines Teils der ukrainischen politischen Klasse wider, wo man die Arbeitsmigration ukrainischer Bürger nach Russland für einen echten Verrat hält“, so Andrej Susdalzew, stellvertretender Dekan der Fakultät für Weltwirtschaft und Politik an der Higher School of Economics in Moskau, gegenüber dem Portal.

    Die ukrainischen Spitzenpolitiker würden den Arbeitsmigranten offen vorwerfen, „dem Aggressor“ Hilfe zu leisten. 

    „Das politische Establishment der Ukraine meint, dass man gegen einen solchen Transfer der Arbeitskräfte ankämpfen soll, aber nicht etwa mit einer Erhöhung der Gehälter oder der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen, sondern mittels Verboten“, erläuterte der Politologe.

    Allerdings sei das absurd, da viele Politiker, darunter auch der ukrainische Präsident Petro Poroschenko, über Aktiva in Russland verfügten.

    Wie der Experte ausführt, wird in lokalen Medien derzeit aktiv eine Kampagne gegen die in Russland tätigen Ukrainer geführt, die auch von zahlreichen politischen Erklärungen bestätigt werde. Als Beispiel dafür gab er den jüngsten Vorschlag über den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Russland an.

    „Das ist dasselbe Kapitel, weil in einer solchen Situation die Verkehrsverbindung zwischen Russland und der Ukraine wesentlich erschwert werden würde.“

    Es ist Susdalzew zufolge außerdem nicht verwunderlich, dass diese Frage der Beauftragte des ukrainischen Präsidenten auf der Krim aufgefasst hat, weil in der ganzen russischen Politik gerade die Frage der Halbinsel für Kiew besonders schmerzhaft sei.

    „Derzeit investiert Russland viel in die Krim, um die beiden Regionen der Halbinsel auf das durchschnittliche Niveau der russischen Wirtschaftsentwicklung zu bringen. Im Ergebnis gibt es dort einen Mangel an Arbeitskräften, wodurch es wiederum bereits seit 2015 einen großen Migrantenstrom von der Ukraine auf die Krim gibt“, präzisierte der Experte. Dies schade dem Ansehen der ukrainischen Regierung sehr. 

    Darüber hinaus betonte Susdalzew, dass seit 2014 keine Verkehrsmittel von der Ukraine auf die Krim eingesetzt würden. Dies störe aber weder den Tourismus noch die ukrainische Migration.

    „Die Ukraine hat keine Verkehrsverbindung auf die Krim. Es gibt keine, weil Menschen aus der Region Cherson zu Fuß gehen, um die Halbinsel zu erreichen. So bleibt nur, dort Gräben zu ziehen und Krokodile anzusiedeln. Aber die Menschen, die von der Ukraine auf die Halbinsel fuhren, fahren weiterhin dorthin. Dasselbe wird auch passieren, falls die Initiative von Babin umgesetzt wird“, so Susdalzew abschließend.

    Zwischen Russland und der Ukraine kursieren noch Personenzüge, deren Anzahl aber deutlich geringer ist als vor dem Staatsstreich 2014 in Kiew. Dennoch nahm allein im ersten Halbjahr 2017 die Anzahl der nach Russland gereisten Ukrainer nach Angaben des ukrainischen Grenzschutzes um mehr als 50 Prozent auf 2,6 Millionen Menschen zu.

    Im Oktober 2015 hatte die ukrainische Regierung den 25 größten russischen Airlines Flüge in die Ukraine und teilweise auch den Überflug verboten. Moskau reagierte mit ähnlichen Strafmaßnahmen: Ebenfalls vom Oktober an war der russische Luftraum für ukrainische Fluggesellschaften gesperrt.

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    Tags:
    Gastarbeiter, Kampagne, Arbeitsplätze, Arbeitskräfte, Arbeitsmigranten, Verrat, Stopp, Zugverkehr, Boris Babin, Petro Poroschenko, Ukraine, Krim, Russland
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