20:52 19 Februar 2020
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    Russlands Präsident Putin trifft heute, am 13. November seinen türkischen Amtskollegen Erdogan. Das Treffen der Staatschefs in der russischen Schwarzmeer-Stadt Sotschi ist das fünfte in diesem Jahr. Eines der anstehenden Themen: Der S-400-Deal. Die Agentur Sputnik hat Experten gefragt, wie dieser Deal zur Nato-Mitgliedschaft der Türkei passt.

    Die Türkei sei nicht nur Nato-Mitglied, sondern auch ein unabhängiges Land, sagte der AKP-Abgeordnete im türkischen Parlament, Metin Külünk, im Sputnik-Interview. Die Mitgliedschaft in der Allianz bedeute nicht, dass die Türkei der Nato ihre gesamten Interessen unterordnen werde. Er betont:

    „Wenn die Türkei Maßnahmen ergreifen möchte, um ihre Verteidigung und ihre Rüstungsindustrie zu stärken – angesichts der Bedrohungen von außerhalb –, muss sie erleben, dass andere Nato-Mitglieder versuchen, ihr Steine in den Wegen zu legen. Sie verweigern Ankara Waffenlieferungen und Datenaustausch. Das ist inakzeptabel.“

    Eben deshalb habe Ankara sich für die S-400 entschieden. Es gebe übrigens kein anderes Mitgliedsland der Nato, das mit einem Waffenembargo konfrontiert werde.

    Wichtig ist laut dem Abgeordneten, dass Ankaras Entscheidung für die russischen Flugabwehrsysteme auch durch die veränderte Wahrnehmung der Gefahrenlage bedingt ist: „Zu Zeiten des Kalten Krieges sah die Türkei die Sowjetunion als Bedrohung an. Heute aber sehen wir, dass nahezu alle Gefahren für die nationale Sicherheit der Türkei vom Westen ausgehen.“

    Insofern sei der S-400-Deal auch ein Signal: „Die Türkei weiß, wo die Gefahrenquelle liegt“, sagt der Parlamentarier. Dass die Nato und die USA der Türkei wegen des Deals sogar drohen, sei erbärmlich.

    „Dann müssen wir fragen: Warum weigert ihr euch, der Türkei die Rüstungsgüter bereitzustellen, die sie benötigt? Warum verschließt ihr euch dem Datenaustausch? Warum arbeitet ihr mit Terrorgruppen zusammen?“, so der AKP-Politiker.

    Der S-400-Deal habe jedoch auch Konsequenzen, die über die Nato hinausgehen, sagte der Politologe Dr. Kerim Has, Experte für internationale Beziehungen, im Sputnik-Gespräch. „Die Vereinbarung über den Kauf der S-400-Systeme kann auch die türkisch-russischen Beziehungen auf einen anderen Level bringen. Soweit mir bekannt ist, verhandeln Russland und die Türkei darüber, dass die Flugabwehrraketen unweit von Ankara und Istanbul stationiert werden sollen. Das heißt, die Türkei ahnt eine militärische Bedrohung von Seiten des Westens“, so der Politologe. Er erklärt:

    „Wahrscheinlich spürt Ankara, dass die Kurden-Frage die Region mit der Zeit in ein noch größeres Chaos hineinziehen wird, in dem die Türkei dann mittendrin steht. Deshalb wird über die S-400 auch verhandelt, um sich Russlands Unterstützung zu sichern, für den Fall künftiger Krisen in der Beziehung zur Nato.“

    Dies beeinflusse die Beziehung Ankaras zur Nato natürlich schon heute: „Wenn die Türkei weiterhin spürt, dass vom Westen eine Gefahr ausgeht, könnte sie ihre Allianzen innerhalb der Nato auch revidieren“, so der Analyst.

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    Tags:
    Raketenkomplex, Deal, Luftabwehr, Waffenhandel, Waffenlieferungen, S-400, NATO, Türkei, Russland