12:17 09 Dezember 2019
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    Erdgasverarbeitungswerk in Bolivien (Archiv)

    Russlands Big Play in Südamerika

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    Politik
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    Wladimir Putin reist in wenigen Tagen ans andere Ende der Welt – nach La Paz. Der russische Präsident besucht Bolivien zum ersten Mal: Russlands Beziehungen zu diesem Land sind auf einem deutlich tieferen Level als etwa zu Venezuela, Nicaragua oder Kuba. Doch rechnen Experten mit einem Durchbruch, wie die Zeitschrift „Expert“ berichtet.

    Zwölf gasexportierende Länder kommen in La Paz vom 20. bis zum 24. November zu einem Gipfel zusammen. Die Energiewirtschaft ist in der Tat das Zugpferd in den Beziehungen zwischen Russland und Bolivien.

    Der russische Gasriese Gazprom kooperiert laut dem Blatt seit zehn Jahren schon mit dem bolivianischen Staatskonzern YPFB: Gemeinsam suchen und erschließen die beiden Firmen Gasfelder in dem südamerikanischen Land – für das kommende Jahr ist geplant, weitere Lagerstätten in Betrieb zu nehmen. Jüngst erst hat Gazprom bekanntgegeben, die beiden Staatskonzerne wollten ein Vertriebs-Joint-Venture gründen, um Gas in Argentinien und Brasilien zu verkaufen – den beiden größten Gasmärkten in Südamerika.

    Doch ist das Gasgeschäft nicht der einzige Motor der Energie-Kooperation zwischen Russland und Bolivien. Der russische Konzern Rosatom und die bolivianische Atomenergiebehörde ABEN haben im Herbst letzten Jahres vereinbart, dass russische Spezialisten ein Wissenschafts-Cluster in Bolivien bauen: Ein Versuchsreaktor, mehrere Labors und Produktionsflächen sollen entstehen – für insgesamt 300 Millionen Dollar, wie die Zeitschrift schreibt. 2019 schon sollen die ersten Objekte stehen. Außerdem vertieft Rosatom seine Kooperation mit der bolivianischen Universität in San Andres.

    Die Fachwelt rechnet außerdem damit, dass beim kommenden Putin-Besuch in La Paz Waffenkäufe besiegelt werden. Der Oberbefehlshaber der bolivianischen Luftwaffe habe dem Präsidenten des Landes empfohlen, russische Trainingsflugzeuge zu kaufen – als Ersatz für die veralteten amerikanischen Maschinen, schreibt das Blatt unter Berufung auf das Fachportal „Jane’s“.

    Das Verteidigungsbudget Boliviens könne sich natürlich mit dem Wehretat beispielsweise Venezuelas nicht messen lassen. Dennoch sei dieses südamerikanische Land ein weiterer attraktiver Markt für Russlands Rüstungsindustrie, zumal Boliviens Präsident Evo Morales davon träume, seine Streitkräfte zu modernisieren. Eine entsprechende Kooperationsvereinbarung hätten Russland und Bolivien im August unterzeichnet.

    Bei all den Geschäften kommen auch die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern nicht zu kurz. Die Positionen Russlands und Boliviens seien bei vielen Fragen deckungsgleich, sagte der russische Botschafter in La Paz der Zeitung „El Deber“ Ende Oktober. „Es ist sehr wichtig, dass wir eine gemeinsame Ideologie haben“, betonte er laut dem russischen Magazin.

    Leere Worte sind das offenbar nicht, wie die Zeitschrift schreibt: Als Russland Ende Oktober die Verlängerung des Mandats der Chemiewaffeninspekteure in Syrien mit einem Veto blockierte, stimmte auch Bolivien – derzeit turnusmäßiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat – gegen diese Resolution.

    Es sehe also danach aus, dass Moskau in Südamerika – dem Hinterhof der USA sozusagen – einen weiteren Verbündeten bekomme, resümiert das Blatt.

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    Tags:
    Abkommen, Energie, Waffenlieferungen, Gazprom, Argentinien, Bolivien, Brasilien, Russland