21:34 22 November 2017
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    Donald Trump und Wladimir Putin bei APEC-Gipfel

    Ein Treffen, das keins war – und seine brisanten Folgen

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    Politik
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    Ein Handschlag, einige Floskeln und eine eilig verfasste Syrien-Erklärung – mehr hat das beiläufige Treffen Putins und Trumps am Rande des APEC-Gipfels in Vietnam nicht hergegeben. Vorher hatte das Weiße Haus ein Gespräch mit Putin überraschend abgesagt: ein starker Hieb gegen Moskaus Vertrauen.

    Die Politologen sind enttäuscht, die Journalisten haben von einem Gespräch der beiden Präsidenten auch mehr erwartet, schreibt die Zeitschrift „Expert“.

    Die Fachwelt rechnete, schreibt das Blatt, mit einem großen Treffen der beiden Staatschefs, bei dem diese mindestens drei wichtige Themen umfassend erörtern würden: Nordkorea, Syrien und die Ukraine. 

    Der Kreml hatte angedeutet: Dass das Treffen stattfinden werde, sei vereinbart, es gehe nur noch darum, Details zu klären. Und dann die Überraschung:

    „Dieses Treffen war zu keinem Zeitpunkt bestätigt worden und findet wegen der Unvereinbarkeit der Terminpläne beider Seiten nicht statt“, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, laut dem Bericht.

    Die „Unvereinbarkeit“ – die war nur ein Vorwand: Es sei eine einseitige Absage des vereinbarten Treffens gewesen, so die Zeitschrift. Anderenfalls sei es nur schwer zu erklären, warum selbst der russische Außenminister Sergej Lawrow sich zu unverhohlen gereizten Äußerungen über die US-Kollegen habe hinreißen lassen: Präsident Trump habe seinen Wunsch, sich mit Präsident Putin zu treffen, persönlich geäußert. „Was seine anderen Dienstburschen sagen“, wisse er nicht, sagte Lawrow dem Blatt zufolge.

    Analysten und Experten rätseln nun über die Ursachen der überraschenden Absage. Offenbar jedoch habe das Treffen für die US-Amerikaner an Sinn und Zweck verloren.

    Große bilaterale Abkommen zu unterzeichnen, war bei dem Treffen, das nicht stattgefunden hat, ohnehin nicht geplant. Angenommen wurde, dass Trump und Putin einfach nur bestimmte Kompromisse ausarbeiten würden. 

    Bei Nordkorea sollten sie sich auf einen gemeinsamen diplomatischen Druck auf Kim verständigen.

    Bei Syrien bedarf es einer Einigung über die Vorgehensweise im Verhandlungsprozess zwischen Baschar Assad und der Opposition – wie auch über den Interessenausgleich zwischen Russland, dem Iran, den USA, der Türkei, Saudi-Arabien und Israel. 

    Und hinsichtlich der Ukraine brauchen beide, Putin und Trump, einen Kompromiss zur Stationierung von Blauhelmen im Osten des Landes, um sich bei dieser Frage im UN-Sicherheitsrat nicht gegenseitig zu blockieren.

    Allesamt wichtige Fragen. Und es sei vor allem Trump, der eine Einigung dringend benötige – zumindest zu Nordkorea und Syrien, so der „Expert“ weiter. Denn es sei der US-Präsident – und nicht der russische –, der beim Thema Nordkorea in einer diplomatischen Sackgasse stecke. Es seien auch die USA, die keine vernünftigen Verbündeten in Syrien hätten.

    Was bleibt nun nach dem Treffen, das keins war? Gesichtsverlust haben beide erlitten, Moskau und Washington: Der Kreml hatte ja verlautbart, das Treffen sei bereits vereinbart; der Herr des Weißen Hauses erklärte, das Treffen zu brauchen. Doch so einfach ist diese Image-Überlegung laut dem Bericht auch wieder nicht.

    Allen war ja klar, wie das Magazin schreibt, dass Trump nach einem Treffen mit Putin von einer Kritikwelle vonseiten US-amerikanischer Liberaler und Russophoben überrollt worden wäre. Viele Berater hatten Trump geraten, sich auf ein Treffen gar nicht erst einzulassen. Der Druck wurde umso größer, weil die Republikaner in der Wählergunst gefallen und sogar Wahlen in einigen Bundesstaaten verloren haben.

    Trump hätte auf seine Berater möglicherweise auch gar nicht gehört, wenn er die Dividende aus einem Treffen mit Putin höher eingeschätzt hätte als die heimischen Imageverluste. Die Dividende überwog nach all dem Abschätzen offenbar nicht, schreibt der „Expert“.

    Insofern sei Trumps Entscheidung, das Treffen abzusagen, logisch – nur könne sie einen der letzten Pfeiler einreißen, auf denen die russisch-amerikanischen Beziehungen stehen: das persönliche Vertrauen, so das Blatt.

    Trumps Gebärden und die Einschränkungen, denen der US-Präsident unterworfen sei, seien in Moskau lange Zeit mit Verständnis aufgenommen worden. Das persönliche Verhältnis sei lange Zeit positiv geblieben: Trumps Wort habe Vertrauen erweckt. Seine brüskierende Geste beim APEC-Gipfel – nach dem Motto: „Ich halte mein Wort grundsätzlich – wenn ich es will“ – könne beim Kreml nunmehr als persönliche Beleidigung ankommen.

    Das Einzige, was die Wogen noch irgendwie glätten könne, schließt der Bericht, sei diese einmalige Situation, dass jemand offensichtlich Angst habe, den US-Präsidenten etwas näher an den russischen heranzulassen. So etwas habe es seit dem ersten Treffen der Staatschefs der UdSSR und der USA 1943 in Teheran nicht gegeben – das übrigens auch im November stattfand.

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    Tags:
    Internationale Beziehungen, Absage, Bedeutung, Treffen, APEC, Donald Trump, Sergej Lawrow, Wladimir Putin, USA, Russland
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