21:35 23 November 2017
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    Soldaten der vietnamesischen Armee (Archiv)

    US-Amerikanische Waffen wieder in Vietnam?

    © AFP 2017/ Hoang Dinh Nam
    Politik
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    Die USA wollen das enorme Handelsdefizit mit asiatischen Staaten mit ihrer altbewährten Methode wieder verringern – durch den Verkauf von mehr teuren Waffen in die Region. Russische und vietnamesische Experten haben die neue US-Strategie für Sputnik kommentiert und deren Sinnhaftigkeit in Frage gestellt.

    Die internationale Wirtschafts- und Finanzmacht verschiebt sich zunehmend aus den USA nach Asien. Gerade deshalb stand die Asien-Reise des US-Präsidenten Donald Trump unter großer weltpolitischer Aufmerksamkeit. Mit vier der fünf besuchten Staaten hat Washington schließlich ein signifikantes Handelsdefizit.

    Allein mit Vietnam beläuft sich dieses auf 32 Milliarden Dollar. Um dem entgegenzuwirken, wollen die USA nun mehr teure Waffen an diese Länder, darunter an Vietnam, verkaufen.

    So empfahl Trump dem vietnamesischen Premierminister Nguyen Xuan Phuc, im großen Stil bei Washington Waffen einzukaufen, weil „die USA die größten Raketen produzieren“. Bereits unter seinem Vorgänger Barack Obama wurde der Weg hierzu frei gemacht – das langjährige Embargo für Waffenlieferungen in das Land wurde formell aufgehoben.

    Als eine symbolische Demonstration der neu angestrebten wirtschaftlich-militärischen Beziehungen soll nun im Jahr 2018 ein US-Flugzeugträger den vietnamesischen Hafen Cam Ranh anlaufen und so die Vertiefung der militärischen Beziehungen zwischen den Staaten zementieren.

    Doch Experten zeigen sich skeptisch – an eine „Flut“ amerikanischer Waffen nach Vietnam glauben weder russische noch vietnamesische Experten.

    „Die Hoffnung, dass die USA Vietnam bei der Verteidigung seiner Souveränität über die Inseln des Südchinesischen Meeres helfen werden, ist äußerst schleierhaft“, erklärt etwa Wladimir Kolotov, Leiter des Ostasienlehrstuhls der staatlichen Universität in St. Petersburg.

    Schließlich habe Trump alles unternommen, um dem chinesischen Staatschef Xi Jinping zu gefallen – kein Wunder, schließlich würden die chinesisch-amerikanischen Beziehungen für Washington eindeutig an erster Stelle stehen, so der Professor.

    Zudem hätten die USA zuvor beispielsweise Beistandsbitten anderer Staaten im Kampf gegen den Terrorismus abgelehnt, wenn es nicht den amerikanischen Interessen entsprochen habe.

    „Die Regierung der Philippinen führt jetzt einen erbitterten Kampf gegen Terroristen. Als sie aber die USA um militärische Unterstützung baten, haben sie eine Absage bekommen. Geholfen hat dagegen Russland“, unterstreicht der Ostasienexperte.

    Außerdem würden mehr US-Waffen kaum die Stabilität in der Region erhöhen. Im Gegenteil, nicht selten würden amerikanische Waffen bei den Terroristen landen, was Washington eindeutig bewusst wäre, so Kolotov weiter.

    „In der Region hat eine Phase der Instabilität begonnen. Die USA versuchen, die Grenzen dieser Instabilität auszuweiten und werden hierfür natürlich den Verkauf von Waffen weiter erhöhen“, betont der Politologe.

    Hierbei könne auch ein Unterschied in der amerikanischen und der russischen Strategie gegen den weltweiten Terror erkannt werden.

    Die USA fluten laut Kolotov eine Region einfach mit Waffen. Da die Verbesserung der Sicherheitslage jedoch nicht von der Menge der eingekauften amerikanischen Waffen abhänge, bringe dies keinen Erfolg – eher im Gegenteil. Russland dagegen bricht nach Kolotovs Meinung „den Terroristen ihr Rückgrat, was vor kurzem in Syrien gezeigt wurde“.

    Ein weiteres Problem sei, dass viele Länder kein Vertrauen in westliche Waffen hätten. Es sei bewiesen, dass diese teilweise mit Tracking-Technologien ausgestatten seien. Mit anderen Worten, bei westlichen Waffen könne man einfach nicht wissen, ob man sie selber kontrolliere, oder ob dies gerade die Amerikaner täten.

    „Das haben uns die Beispiele von Irak und Jugoslawien gezeigt“, so der Politologe.

    Auf einen deutlichen Unterschied zwischen amerikanischen und sowjetisch-russischen Waffen weist auch Le Van Cuong hin, Militärexperte und Generalmajor des Ministeriums für Öffentliche Sicherheit Vietnams.

    Diesen Unterschied kenne er aus persönlicher Erfahrung.

    „Wir haben in der militärischen Praxis erlebt, dass amerikanische Waffen in ihren Eigenschaften schlechter als sowjetische sind, zudem auch viel teurer“, betont der erfahrene Generalmajor.

    Die vietnamesische Armee sei daher „größtenteils mit sowjetischer und russischer“ Technik ausgerüstet, mit der sich vietnamesische Soldaten wunderbar auskennen würden sowie für deren Reparatur alles Notwendige in Vietnam selbst bereitstehe.

    Es könne daher sein, dass Hanoi zwar geringe Mengen von US-Waffen im Rahmen der Modernisierung der Streitkräfte einkaufen werde, jedoch gehe es „überhaupt nicht um irgendwelche Massenlieferungen“.

    „Vietnam wird den altbewährten russischen Waffen treu bleiben“, unterstreicht der vietnamesische Experte.

    Der bekannte vietnamesische Politologe Vu Minh Giang glaubt ebenfalls nicht daran, dass der Import von US-Rüstung weder jetzt noch in der Zukunft zu einer Priorität in Hanois Politik werden könnte.

    Der erste Grund sei denkbar klar – US-Waffen seien sehr teuer und Vietnam könne sich ein Wettrüsten mit diesen Waffen nicht leisten. Daher setze Hanoi vielmehr auf Diplomatie und Verhandlungen.

    „Vietnam sieht die Lösung dieser Frage in der Entwicklung der multilateralen Kooperation mit den Staaten der Asiatisch-Pazifischen Region – allen voran mit China, den USA, Russland und Indien – sowie der Entwicklung der diplomatischen Instrumente zur Konfliktprävention und –lösung“, erklärt der Politologe.

    Das Anlaufen von Cam Ranh durch einen US-Flugzeugträger im nächsten Jahr sei eine Demonstration gerade eben dieses multilateralen Charakters der vietnamesischen militärischen Beziehungen. Schließlich würden die Bucht der Hafenstadt Schiffe als aller Welt anlaufen, auch aus Russland und China.

    „Aber die Entwicklung dieser Beziehungen hebt die Strategie der drei „Nein“ der vietnamesischen internationalen Politik nicht auf, zu welchen die Nicht-Teilnahme an Bündnissen gegen dritte Staaten zählt“, resümiert abschließend Vu Minh Giang.

    Die vietnamesische außenpolitische Strategie der drei „Nein“ beinhaltet die Nicht-Involvierung in militärische Organisationen oder militärische Unterstützung eines anderen Staates, das Nicht-Zulassen von ausländischen Militärbasen auf Vietnams Territorium sowie die Nicht-Teilnahme an Bündnissen gegen dritte Staaten.

    Die Asien-Reise von Trump war die umfassendste Reise eines US-Präsidenten in die Region seit 25 Jahren. Innerhalb von zwölf Tagen besuchte Trump fünf Staaten. Dabei ging es sowohl um internationale Politik als auch um wirtschaftliche Beziehungen und Handel.

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    Tags:
    Wettrüsten, Waffenexporte, Donald Trump, China, Russland, Vietnam, USA
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