21:33 22 November 2017
SNA Radio
    Bundeswehr-Panzerfahrer

    Abschaffung unseres Staates: Tschechischer Ex-Offizier zu PESCO

    © AP Photo/ Mindaugas Kulbis
    Politik
    Zum Kurzlink
    248799713

    Die paneuropäische Militärunion, zu der sich 23 EU-Länder verpflichtet haben, wird laut dem tschechischen Militäranalysten und Oberstleutnant der Reserve Martin Koller zu einem repressiven Instrument gegen das Volk Tschechiens werden und den tschechischen Staat abschaffen.

    Militärstrategisch hält Koller eine europäische Verteidigungsunion für aussichtslos. Dafür laufe Tschechien Gefahr, sein Souveränität zu verlieren. Dabei beruft sich der Experte auf eine Absichtserklärung, die Anfang März die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und ihr tschechischer Amtskollege Martin Stropnický unterzeichnet hatten. Demnach solle die 4. Schnelle Eingreifbrigade der tschechischen Armee der 10. Panzerdivision der Bundeswehr unterstellt werden.

    „Die Entscheidung des tschechischen Verteidigungsministers, die Hälfte der Bodentruppen Tschechiens der 10. Panzerdivision der Bundeswehr zu unterstellen, führt zur Abschaffung unseres Staates und zur Schaffung von Streitkräften, die als repressives Instrument gegen unsere eigenen Bürger eingesetzt werden sollen", sagte Koller gegenüber Sputnik. „Das wird das Hauptziel des neuen Systems sein, denn vom militärstrategischen Gesichtspunkt ausgehend hat eine europäische Armee keine Zukunft", so Koller.

    Zwar könne eine europäische Armee „theoretisch" ausgezeichnet funktionieren, indem sie „Güter hin und zurück" befördere, garantiere jedoch nicht, dass sie wirklich kampffähig sein werde. Denn die EU sei entsprechend den unterschiedlichen Nationen, Sprachen und vor allem Interessen zersplittert, betonte er: „Deshalb wiederhole ich immer wieder: Was für ein Interesse hat ein Portugiese in der Tschechischen Republik und ein Tscheche in Portugal?"

    Die heutige Situation, in der die EU sich auf einen Krieg an der Grenze zu Russland orientiere, ändere nichts an der Tatsache, dass die EU keine kampffähigen Streitkräfte habe, weil die meisten Armeen der EU-Länder Berufsarmeen seien, betonte der Experte:

    „Das ganze System der EU wirkt sich auf diese Armeen deutlich negativ aus, denn es gibt keinen europäischen Patriotismus. Wofür werden diese Soldaten kämpfen? Das werden schlicht Söldner sein, die für Geld kämpfen. Wie bekannt, kämpft ein Söldner dafür, dieses Geld später ausgeben zu können, nicht dafür, ein Denkmal auf seinem Grab für dieses Geld zu bekommen".

    Koller sprach auch das Thema des sogenannten „Militär-Schengen" und die Militärkonvois an, die das Territorium der EU hin und her in allen Richtungen überqueren: Diese Konvois seien hier bereits seit 20 Jahren gefahren, und dies wäre kein Problem für ihn gewesen, wenn keine „allegorische Darstellung daraus gemacht worden wäre, wie im Zirkus", sagte er. „Ich glaube, das ist gerade unsere Integration in die europäische Armee — mögen alle das auch bezeichnen, wie sie wollen".

    Koller unterstützte außerdem die Stellungnahme des russischen Außenministers Sergej Lawrow, der geäußert hatte, die Nato suche nach einem Anlass, möglichst viele Soldaten an der Grenze zu Russland zu stationieren, und nutze jede Möglichkeit dazu.

    Einerseits handle die Nato „zu 70 Prozent im Interesse der USA" und erfülle seit langem nicht mehr ihre Aufgaben zum Schutz von Europa, sagte er. Die Hauptaufgabe des Nordatlantischen Militärbündnisses sei doch der Schutz vor den Ländern des Warschauer Paktes gewesen, den es seit langem nicht mehr gebe.

    Andererseits sei es durchaus logisch, dass die USA mit ihrer antirussischen Haltung die Entscheidungen vorziehen würden, bei denen Europa die meisten Verluste erleiden werde, sagte Koller: „Es wird zwei positive Faktoren für die USA hier geben: Ihre Verluste werden minimal sein und nach dem Krieg gegen Russland, falls es zu diesem kommen sollte, würden die USA eine viel stärkere Position gegenüber den europäischen Ländern einnehmen können".

    Allerdings hoffe er, dass die Gespräche über einen militärischen Konflikt mit Russland lediglich auf dem Papier bleiben würden, sagte der Experte abschließend.

    Am Montag haben sich 23 EU-Staaten zu einer „Permanenten strukturierten Zusammenarbeit" im Verteidigungsbereich (PESCO) verpflichtet. Eine entsprechende Erklärung haben die Außen- und Verteidigungsminister eines Großteils der EU-Mitgliedsstaaten in Brüssel unterzeichnet. Die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen bezeichnete dieses Ereignis als „ein weiterer Schritt in die Richtung der Armee der Europäer".

    Zum Thema:

    „Gelebter politischer Schwachsinn!“ – Willy Wimmer zu europäischen Zukunftsplänen
    „Deutschlands Ansprüche auf kontinentale Führung“ als Beitrag zu EU-Militärunion
    „Keine selbsterfüllende Prophezeiung herbeireden“: Experte zu Bundeswehr-Prognose
    Litauens Verteidigungsminister schlägt "Militär-Schengen" vor
    Wozu die Nato ein „Militär-Schengen“ in Europa braucht
    Tags:
    EU-Armee, EU, Tschechien, Deutschland
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren