14:54 19 Februar 2018
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    Iranische Militärs bei Inauguration des iranischen Präsidenten Hassan Rouhani (Archivbild)

    Wer köpft iranisches Atomprogramm? Experten: Blutspur führt nach Israel

    © AFP 2018/ Atta Kenare
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    Ein Gericht in Teheran hat einen israelischen Agenten zum Tode verurteilt. Der Mann soll persönliche Daten iranischer Spezialisten an den Mossad weitergegeben haben – die Daten jener Fachleute, die am iranischen Atomprogramm mitarbeiten.

    Der Informant habe Kontakt zu mindestens acht Mossad-Agenten unterhalten und ihnen die persönlichen Akten iranischer Spezialisten übergeben, teilte der iranische Generalstaatsanwalt mit. „Es geht um insgesamt 30 Forscher und Militärangehörige“, deren persönliche Daten nun in die Hände des israelischen Geheimdienstes gelangt seien. Im Gegenzug habe der Informant „Geld und eine Aufenthaltsgenehmigung für die Schweiz“ erhalten.

    Dass Israel im Iran nachrichtendienstlich tätig sei und iranische Kernphysiker beseitige, sei offensichtlich, sagt der Politologe Emad Abshenas, Chef-Redakteur der Zeitung „Iran Press“. Israels Ziel: Das iranische Atomprogramm zersetzen – um jeden Preis.

    „Es ist nicht zu erwarten, dass dieser Krieg zu Ende geht“, sagt der Experte. „Derzeit sind im Iran viele Agenten terroristisch tätig, um die Sicherheit des Landes zu untergraben. Das einzige, was Teheran tun kann, ist es, diese Geheimdienste in Schranken zu halten. Natürlich halten die iranischen Geheimdienste alle, die für Israel spionieren, unter strengster Kontrolle.“

    Das Wichtigste am iranischen Atomprogramm seien die Wissenschaftler:

    „Die klügsten Köpfe sind die stärkste Waffe unseres Landes. Wenn jemand das Land technologisch lahmlegen will, muss er diese Menschen liquidieren. Und wir haben auch gesehen, dass die USA nach dem Überfall auf den Iran oder Libyen zuallererst die Wissenschaftler entführten oder töteten. Wer bereit war, das Land zu verlassen, wurde in die USA gebracht. Wer nicht bereit war, wurde hingerichtet.“

    Israel versucht indes, eine klare Stellungnahme zu diesen Anschuldigungen zu umgehen: „Israel hat die Vorwürfe, es töte iranische Kernphysiker, weder bestätigt noch zurückgewiesen. Nur die Medien berichteten, alle Wissenschaftler, die vor acht oder zehn Jahren getötet worden waren, seien Israel zum Opfer gefallen. Israel selbst hat das nie kommentiert“, sagte der Nahost-Experte Vladimir Mesamed von der Hebräischen Universität Jerusalem im Sputnik-Gespräch. Doch: „Israel hat immer schon versucht, das iranische Atomprogramm zu unterminieren“, betont er.

    Auch für den iranischen Politologen Dr. Barhani steht fest – wie für seinen Kollegen Abshenas auch –, wer für den Tod iranischer Kernphysiker verantwortlich sei:

    „Israel hat auch früher schon Terror betrieben. Das ist ein Regime mit expansionistischen Zielen in der Region. Israel wird auf seinem Weg auch weiterhin vor Mord, Terror und Verbrechen nicht zurückschrecken. Die Länder der Region müssen darauf vorberietet sein.“

    Israel habe auch in anderen Ländern Kernphysiker getötet, in Ägypten etwa, so der Politologe. „Israels Ziel ist es, die Länder in der Region daran zu hindern, so stark zu werden, dass sie die Lage in der Region verändern könnten. Da schreckt dieses Land weder vor Mord noch Terror zurück.“

    Um dem entgegenzuwirken, mahnt der Politologe die Länder der Region zur Zusammenarbeit: „Die Länder in Nahost haben gute Nachrichtendienste mit wertvollen Erfahrungen. Sie müssen ihre Arbeit koordinieren und Datenaustausch einrichten.“

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    Tags:
    Wissenschaftler, Attentat, Atomprogramm, Mossad, Israel, Iran
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